Aus der SPD-Fraktion kritisiert der netzpolitische Sprecher Jens Zimmermann und der rechtspolitischer Sprecher Johannes Fechner: "Viele Fragen wurden überhaupt nicht beantwortet, viele Fragen wurden sehr unpräzise und relativierend behandelt. Dabei entsteht der Eindruck, dass mehr vernebelt wird als aufgeklärt." Manche Aussagen zum Umgang mit Nutzerdaten ließen sich "aus datenschutzrechtlicher Sicht bestenfalls als abenteuerlich beschreiben".

Offen für Debatte über Algorithmen

Kaplan zeigte sich bei dem Treffen zugleich offen für eine Debatte über mehr Transparenz bei Algorithmen, die zum Beispiel bestimmen, was Facebook-Nutzer zu sehen bekommen. "Wir verstehen, dass Algorithmen eine große Rolle im Leben der Menschen spielen, und mehr Transparenz und Kontrolle darüber, wie sie funktionieren, wichtig für deutsche Bürger ist." Facebook wolle daran mitarbeiten, dass es keine Diskriminierung durch Algorithmen gebe. Eine der Sorgen ist, dass Online-Nutzer durch eine automatisierte Auswahl einseitig informiert werden und ihr Weltbild verzerrt werden könnte.

Rechtzeitig zur Landtagswahl in Bayern im Oktober werde Facebook eines der angekündigten Instrumente für mehr Transparenz bei Wahlwerbung verfügbar machen, bekräftigte Kaplan. Mit dem "View-Ads"-Werkzeug soll man sich alle Anzeigen eines Werbetreibenden ansehen können - selbst solche, die nicht auf dem eigenen News-Feed erscheinen. Es ist eine Reaktion auf die Propaganda-Kampagnen aus Russland im Zuge der US-Präsidentenwahl. Nach Tests in Kanada und Irland soll das Werkzeug im Sommer weltweit eingeführt werden.

Bei dem Datenskandal wurden Informationen von bis zu 87 Millionen Facebook-Nutzern von einem App-Entwickler an die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica weitergegeben. Es handelte sich sowohl um Daten von Umfrage-Teilnehmern als auch von ihren Facebook-Freunden. Diesen weitreichenden Zugriff auf Informationen der Freunde von Nutzern hatte Facebook für App-Entwickler bereits 2014 abgeschafft.

Aus Deutschland hatten sich nur 65 Nutzer an der Umfrage beteiligt. Bei Cambridge Analytica könnten nach Berechnungen von Facebook aber Informationen von knapp 310 000 Nutzern gelandet sein - auch weil sie Freunde in anderen Ländern hatten.

Facebook wusste bereits seit Ende 2015 von der Weitergabe der Daten aus der Umfrage, gab sich damals aber mit der bloßen Zusicherung zufrieden, dass sie gelöscht worden seien. Dass die betroffenen Nutzer damals nicht informiert wurden, bezeichnet Facebook-Chef Mark Zuckerberg inzwischen als Fehler.

Nach Angaben einer früheren Mitarbeiterin von Cambridge Analytica bezog die Firma Daten auch aus weiteren Umfragen. (red)


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W&V Redaktion
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