Beim zurzeit vom Börsenwert her wichtigsten deutschen Unternehmen machen die Clouderlöse inzwischen schon 6,9 Milliarden Euro aus. Das wachsende Geschäft in diesem Bereich lässt mittlerweile auch die Profitabilität des Konzerns steigen. Jahrelang hatten unter anderem Investitionen in Rechenzentren und die zunächst gegenüber dem herkömmlichen Lizenzverkauf niedrigen Erlöse im Cloudbereich die Marge des Unternehmens belastet.

SAP: Erlöse 2019

SAP: Erlöse 2019

Co-Konzernchef Klein sagte der Deutschen Presse-Agentur, man habe eine erfolgreiche Transformation vom traditionellen Geschäft mit Softwarelizenzen hin zum Cloudgeschäft geschafft. "Es ist überhaupt nicht einfach, eine Firma mal eben von links nach rechts zu ziehen und in die Cloudwelt zu bringen, wenn die Firma eigentlich sehr erfolgreich mit dem Verkauf von On-Premise-Softwarelösungen ist." Dabei handelt es sich um beim Kunden fest installierte Software.

Weitere Baustelle: Die Verzahnung der etlichen SAP-Anwendungen muss vorankommen. Der bis Oktober amtierende Ex-Konzernchef Bill McDermott hatte mehrere milliardenschwere Übernahmen vor allem für die Cloudsparte durchgezogen, von Seiten der Kunden kam aber zuletzt immer stärker Kritik.

So hatte die einflussreiche deutschsprachige Anwendergruppe DSAG im September bei ihrem Jahreskongress die Lücken in der Software und schlechte Integration der Programme kritisiert. Klein sagte, Ziel sei es, "die gesamte Ausrichtung von SAP zu vereinfachen". Die Verzahnung der Cloud-Angebote mit dem SAP-Kernprodukt S4 Hana solle bereits 2020 abgeschlossen werden.

Generell will sich der Konzern vom reinen Softwarelieferanten immer mehr zu einem Rund-um-die-Uhr-Dienstleister entwickeln. "Alle unsere Führungskräfte müssen verstehen, dass wir unsere Produkte künftig als Dienstleistung liefern wollen - das gilt ganz besonders für das Cloudgeschäft. Unser Businessmodell hört nicht mehr mit dem Verkauf der Produkte auf", sagte Klein. "Wir müssen mit den Kunden auf die letzte Meile gehen."

Das soll auch den Mitarbeitern deutlich gemacht werden - mit barem Geld. "Fast alle unsere Mitarbeiter werden bald in ihren Bonusplänen ein Ziel vorfinden, das besagt: Akzeptanz bei Kunden vorantreiben. Wir werden dann messen, wie das im Einzelnen klappt", sagte Klein.

Morgan - die erste Vorstandsvorsitzende in einem Dax-Konzern überhaupt - fügte an, die Kundenbindung sei von größter Bedeutung: "Sie müssen Ihre Kunden in Tagen und Wochen überzeugen und halten, nicht in Jahren und Jahrzehnten." Angesichts der sich ändernden Geschäftsschwerpunkte hatte SAP Anfang vergangenen Jahres den ersten größeren Personalumbau seit Jahren angestoßen, bis zu 4400 Mitarbeiter sollten entweder auf eine neue Position wechseln oder das Unternehmen mittels Abfindungen verlassen. Bisher hätten 4000 Mitarbeiter ein solches Angebot angenommen, 3000 hätten den Konzern bereits verlassen, sagte Finanzchef Luka Mucic, davon 1400 in Deutschland. In diesem Jahr rechnet er nicht mit wesentlichen weiteren Umbauprogrammen. Bei der Mitarbeiterzahl hat SAP dennoch weiter zugelegt, Ende des Jahres lag sie erstmals bei über 100.000 - fast 4000 mehr als ein Jahr zuvor.

Michael Brehme, dpa, und Marco Engemann, dpa-AFX


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W&V Redaktion
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