Zum Höhepunkt der Krise Mitte April 2020 hätten in einer Befragung durch Kantar 32 Prozent der deutschen Bevölkerung angegeben, noch mehr Onlinevideos und damit auch Youtube zu nutzen.

Die verstärkte Nutzung der Videoplattform schlug sich auch in der jüngsten Quartalsbilanz des Mutterkonzerns Alphabet nieder. Während die Umsätze im Anzeigengeschäft von Google die Erlöse um rund zwei Prozent auf 38,3 Milliarden Dollar schrumpften, entwickelten sich die Werbeerlöse von Youtube positiv. Hier gab es ein Plus von sechs Prozent auf 3,8 Milliarden Dollar.

Briese sagte, in diesem Jahr seien besonders bildungsbezogene Inhalte und Tutorials gefragt. Diese Inhalte seien auch in den Jahren zuvor populär gewesen. "Durch die Corona-Krise wurden sie aber noch stärker nachgefragt." In der Corona-Zeit hätten aber auch Fitness-Anleitungen ("Workout at home") zugelegt.

Das wirtschaftliche Ökosystem rund um die Google-Videoplattform Youtube erreicht in Deutschland inzwischen fast die Dimensionen der deutschen Filmindustrie. Nach einer Studie des britischen Marktforschungsunternehmens Oxford Economics hängen von Youtube Jobs im Umfang von rund 25.000 Vollzeitstellen in Deutschland ab. "Der deutsche Film-Sektor beschäftigte im vergangenen Jahr 38 000 Menschen", sagte Youtube-Manager Briese.

Andrew Goodwin, Director of Applied Economics, Europe & Middle East bei Oxford Economics und Projektleiter der Studie sagt: "Jeden Tag werden weltweit über eine Milliarde Stunden an Youtube-Videos angesehen. In Deutschland werden über diese Videoaufrufe erhebliche Einkünfte für Youtube-Creators und andere Unternehmen generiert. Dies wiederum kommt der wirtschaftlichen Tätigkeit und den Beschäftigungszahlen innerhalb ihrer Lieferketten und damit auch der Wirtschaft in einem weiteren Umfeld zugute."

Die Studie zeigt zudem, wie die Plattform Menschen neue Perspektiven für ihr Business gibt. So sagen 66 Prozent der kreativen Unternehmer* aus, Youtube habe positive Auswirkungen auf ihre unternehmerischen Ziele. Zusätzlich geben 58 Prozent der kreativen  Unternehmer* an, dass sich ihnen dank Youtube auch abseits der Videoplattform zusätzliche Möglichkeiten eröffnet hätten.

Ein Beispiel ist die Unternehmerin Saliha Özcan, die 2012 auf Youtube mit Rezepten gestartet ist und kurze Zeit später aufgrund ihres Erfolgs und des Erfolgs ihres Kanals Sallys Welt ihre Karriere als Lehrerin an den Nagel hing. Mittlerweile führt sie mit ihrem Mann ein mittelständisches Unternehmen, veröffentlicht Bücher und hat einen Flagship-Store.

Keine Chance für Videos, die gegen die Community-Richtlinien verstoßen

Um weiterhin relevant zu bleiben, muss die Plattform jedoch einiges tun. So geht es Youtube vor allem darum, Inhalte zu zu sperren, die gegen Rechte verstoßen. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen im 2. Quartal 2020 mehr als 11 Millionen Videos entfernt, die gegen die Community-Richtlinien verstießen – davon circa 120.000 in Deutschland. Über 95 Prozent der Meldungen wurden von Youtubes eigenen Kontrollsysteme identifiziert. Über 75 Prozent der so erkannten Videos hatten keine bis maximal 10 Abrufe, bevor sie gelöscht wurden.

lh/mit dpa



Lena Herrmann
Autor: Lena Herrmann

schreibt als Redakteurin für das Marketingressort der W&V unter anderem über Sportmarken und Reisethemen. Beides beschäftigt sie auch in ihrer Freizeit. Dann besteigt sie Berge, fährt mit dem Wohnmobil durch Neuseeland und Kanada, wandert durch Weinregionen oder sucht nach der perfekten Kletterlinie.