Während sich die User im Social Web längst ihre Meinung gebildet und sie in allen Kanälen gepostet haben, beobachten die Experten der Krisen-PR mit professionellem Interesse: Wie reagiert das Unternehmen, welche Strategie hat es gewählt?

Zalando handelte ungewöhnlich schnell via Twitter und Facebook, veröffentlichte eine umfangreiche Faktensammlung und leitete rechtliche Schritte gegen die Journalistin wegen des Verdachts auf Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen ein. Kommunikations­profis gefällt das. Aber den Wut-Postern ist das egal. Den lässigen Facebook-Beitrag "Puh, die Emotionen kochen ziemlich hoch, aber da müssen wir wohl durch" nahmen viele User dem Unternehmen übel.

Trotzdem dürfte der Schaden für Zalando überschaubar bleiben. Auch Dirk Popp erwartet allenfalls "kurzzeitig eine kleine Delle". Mittelfristig habe die Krise "praktisch null Auswirkungen auf den Zalando-Abverkauf". Erfahrungsgemäß ist bis zum nächsten Sale alles wieder vergessen. Und die Arbeitsbedingungen? "An denen wird sich kaum etwas ändern. Vielleicht gewinnt Ver.di ein paar neue Mitglieder", vermutet Popp.

Amazon hat den Shitstorm jedenfalls schadlos überstanden. 2013 machte der Konzern in Deutschland so gute Geschäfte wie noch nie und stieg laut einer Studie der dpa-Tochter News Aktuell zur beliebtesten Marke im Social Web auf.

Wenn der Amazon-Shitstorm Spuren hinterließ, dann vor allem in den Powerpoint-Folien von PR-Agenturen. Dort muss jetzt eigentlich nur noch der Unternehmensname aktualisiert werden.


Autor:

Franziska Mozart
Franziska Mozart

arbeitet als freie Journalistin für die W&V. Sie hat hier angefangen im Digital-Ressort, als es so etwas noch gab, weil Digital eigenständig gedacht wurde. Heute, wo irgendwie jedes Thema eine digitale Komponente hat, interessiert sie sich für neue Technologien und wie diese in ein Gesamtkonzept passen.