Das ist völlig legitim - und seine Absichten mögen ehrenwert sein. Aber Lindner hat es versäumt, in Sachen Grenzziehung klare Kante zu zeigen. Das ist ihm und der Partei jetzt zum Verhängnis geworden. Seine Strategie hat am Ende nicht nur die Wähler verwirrt, sondern auch die eigenen Leute, bis hoch in die FDP-Führungsspitze.

Für Wähler unberechenbar zu werden, ist das schlimmste

Die Auswirkungen dürften nachhaltig sein. Durchtriebene Spielchen und Verwirr-Methoden können sich ungestraft nämlich nur Protestparteien leisten, die es ohnehin auf Spaltung, Hetze und Wählertäuschung angelegt haben. Einer bürgerlichen Partei wie der FDP dürfte man diese Orientierungslosigkeit nicht so schnell verzeihen. Eben weil sie extrem gefährlich ist: FDP und CDU in Thüringen haben es geschafft, aus dem Freistaat binnen weniger Stunden eine unregierbare Bananenrepublik zu machen. Chapeau!

Für die Wähler unberechenbar zu werden, ist mit Abstand das schlimmste, was einer bürgerlichen Partei widerfahren kann. An diesem Punkt sind nun die FDP und die CDU in Thüringen. Ursache dafür ist, dass sie uns und sich selbst im Unklaren gelassen haben über das, worauf es in der Demokratie am meisten ankommt.

Auch Lindner wird sich nicht mehr lange halten können. Wie schwach und kopflos die FDP jetzt da steht, wird deutlich, wenn man sich Lindners denkwürdigen Auftritt als Jamaika-Terminator ("Es ist besser nicht zu regieren als falsch zu regieren") vor gut zwei Jahren in Erinnerung ruft. In diesen zwei Jahren ist tatsächlich einiges falsch gelaufen.

Ich bin mir sicher, die Parteien werden daraus lernen!


Autor:

Markus Weber, Redakteur W&V
Markus Weber

ist in der Online-Redaktion für Agenturthemen zuständig. Bei W&V schreibt er seit 15 Jahren über Werbeagenturen. Volontiert hat er beim Online-Marketing-Titel „E-Market“. 2010 war er verantwortlich für den Aufbau der W&V-Facebookpräsenz. Der Beinahe-Jurist mit kaufmännischer Ausbildung hat ein Faible für Osteuropa.