TV 2021 Top 5

Da konnten nicht viele Formate jenseits von Sport und News mithalten. Doch es gab sie: "Wetten, dass…?" im ZDF war die erfolgreichste Sendung des vergangenen Jahres. Die Revival-Show im ZDF mit Thomas Gottschalk und Michelle Hunziker kam bei den Zuschauern ab drei Jahren auf eine Sehbeteiligung von 14,5 Millionen Zuschauern und einen Marktanteil von 45,9 Prozent. Bei den 14- bis 49-Jährigen waren es 4,6 Millionen – damit entschied sich jeder zweite, der an diesem Abend das TV-Gerät einschaltete, für die ZDF-Show (Marktanteil: 50,1 Prozent). Bei den 14- bis 29-Jährigen lag der Marktanteil sogar bei 55,8 Prozent.

AGF 2021

Auch mit "TV Total" auf ProSieben gelang in diesem Jahr eine erfolgreiche Wiederauflage in der jüngeren Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen: Nach "Wetten, dass…?" und dem "Eurovision Song Contest 2021" im Ersten war die erste von Sebastian Pufpaff moderierte Show am 10. November mit 2,2 Millionen Zuschauern 14-49 Jahre und 27,8 Prozent Marktanteil die dritterfolgreichste Sendung im Genre "Show/Entertainment".

2021 war auch ein sehr politisches Jahr. Corona und die Wahlen bestimmten die Nachrichten. Das zeigt sich auch in einem weiterhin hohen Nutzungsanteil von Informationssendungen: Mit 36,1 Prozent beim Gesamtpublikum ist der Anteil nochmals leicht gestiegen. Einen starken Anstieg verzeichnet im EM- und Olympiajahr auch Sport: Der Anteil stieg von 4,4 Prozent in 2020 auf 6,4 Prozent. Entsprechend sanken die Anteile anderer Genres.

Rund 76 Prozent der Zuschauer ab 14 Jahren informierten sich im Wahljahr im linearen TV oder via Stream über die Wahlen. Das entspricht über 53 Millionen Personen, die bis zum 30. September einmal für mindestens eine Minute Kontakt mit einer entsprechenden Sendung hatten.

Corona bleibt ein Faktor

Die Corona-Maßnahmen beeinflussten die TV- und Streaming-Nutzung wie schon 2020 erneut. Gerade in den ersten Monaten des Jahres haben die andauernden Beschränkungen des gesellschaftlichen Lebens zu einer TV-Nutzung auf hohem Niveau geführt, die oberhalb des mittelfristigen Trends lag. Mit der Normalisierung des Alltags im Frühjahr und Sommer normalisierte sich auch die TV-Nutzung. Sie lag teilweise noch unterhalb des erwarteten Trends, was auch darauf hindeutet, dass es zu Nachholeffekten in der Bevölkerung kam. Diese negativen Corona-Effekte sind auch für die Streaming-Nutzung zu beobachten.

Übers Gesamtjahr betrachtet zeigen sich im TV deutliche Unterschiede in den einzelnen Altersgruppen: Während die Sehdauer 2021 bei den 14- bis 49-Jährigen im Vergleich zum coronabedingten Ausnahmejahr 2020 um 11,9 Prozent auf durchschnittlich 121 Minuten am Tag gesunken ist, liegt sie bei den Erwachsenen über 50 Jahren bei 336 Minuten und damit minimal über dem hohen Niveau von 2020, als die Sehdauer sprunghaft auf 335 Minuten angestiegen war. Insgesamt ging die Sehdauer der Zuschauer ab drei Jahren um sieben Minuten auf 213 Minuten zurück und bewegt sich damit leicht über dem Niveau des Vor-Corona-Jahres 2019 (211 Minuten).

Streaming geht kaum zurück

Das betraf zwar auch das Streaming – doch der Effekt war nicht so stark wie beim linearen TV. "Den Zusammenhang zwischen einer Lockerung der Corona-Beschränkungen und einer geringeren Nutzung konnten wir auch beim Streaming beobachten. Diese Entwicklung ist ebenfalls deutlich in jüngeren Zielgruppen sichtbar", so Niederauer-Kopf mit Blick auf das so genannte "Unmatched Viewing", das den Teil der Big Screen-Nutzung beschreibt, der nicht dem linearen Bewegtbildangebot zugeordnet werden kann, beispielsweise die Plattformnutzung.

Grundsätzlich steigt die Streaming-Nutzung jedoch weiter an, vor allem in jüngeren Zielgruppen. Bei den 14- bis 49-Jährigen lag die durchschnittliche Sehdauer der unter AGF-Messung stehenden Streaming-Angebote von Broadcastern 2021 bei rund 4,5 Minuten pro Tag. Sie stieg damit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 31 Prozent. Im Gesamtpublikum lag die tägliche Sehdauer bei knapp vier Minuten, das entspricht einer Steigerung von 24 Prozent.

Die erfolgreichsten Streaming-Sendungen unter AGF-Messung im Gesamtpublikum waren 2021 "Die Toten von Marnow (Folge 1-4)" (Das Erste) mit einer Nettoreichweite von 1,648 Millionen, "In Therapie (Folge 1)" (Arte) und "Ku’damm 63 (Folge 3)" (ZDF).

Top 5 Streaming-Formate 2021: Zuschauer gesamt / Nettoreichweite (Mio.) STR

  1.  "Die Toten von Marnow (Teil 1-4)" (Das Erste, 13.03.2021): 1,648 Mio.
  2. "In Therapie (Folge 1)" (arte, 04.02.2021): 1,364 Mio.
  3. "Ku’damm 63 (Folge 3)" (ZDF, 24.03.2021): 1,263 Mio.
  4. "Die Toten von Marnow (Folge 5-6)" (Das Erste, 17.03.2021): 1,261 Mio.
  5. "Ku’damm 63 (Folge 1)" (ZDF, 21.03.2021): 1,248 Mio.

Quelle: AGF Videoforschung in Zusammenarbeit mit GfK, DAP, Nielsen, ANKORDATA; VIDEOSCOPE 1.4, 01.01.2021-31.12.2021, Marktstandard: Bewegtbild, Datenpaket 7313 vom 03.01.202

In der jüngeren Zielgruppe steht ebenfalls "Die Toten von Marnow (Teil 1-4)" vom Ersten auf Platz 1, gefolgt von drei Folgen "Ku’damm 63" und "Wetten, dass…?".

Top 5 Streaming-Formate 2021: Erwachsene 14-49 Jahre / Nettoreichweite (Mio.) STR

  1. "Die Toten von Marnow (Folge 1-4)" (Das Erste, 13.03.2021): 0,732 Mio.
  2. "Ku’damm 63 (Folge 3)" (ZDF, 24.03.2021): 0,672 Mio.
  3. "Ku’damm 63 (Folge 1)" (ZDF, 21.03.2021): 0,657 Mio.
  4. "Ku’damm 63 (Folge 2)" (ZDF, 22.03.2021): 0,637 Mio.
  5. "Wetten, dass…?" (ZDF, 06.11.2021): 0,634 Mio.

Quelle: AGF Videoforschung in Zusammenarbeit mit GfK, DAP, Nielsen, ANKORDATA; VIDEOSCOPE 1.4, 01.01.2021-31.12.2021, Marktstandard: Bewegtbild, Datenpaket 7313 vom 03.01.2021

In den Streaming-Hitlisten weist die AGF Sendungen all derjenigen Publisher aus, die mit ihren Angeboten aktiv an der Messung der Reichweitenforscher teilnehmen. Dies sind in erster Linie Angebote der Broadcaster. Die Werte der Streaming-Hitliste können sich noch ändern, da für die endgültigen Daten die anfallende Nutzung von 60 Tagen nach Erstausstrahlung berücksichtigt wird.

Die Grundgesamtheit für den Marktstandard TV in den Auswertungssystemen der AGF ist die Wohnbevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland ab 3 Jahren in Privathaushalten mit mindestens einem Fernsehgerät in Gebrauch und einem deutschsprachigen Haupteinkommensbezieher. Im Marktstandard Bewegtbild erweitert sich die Grundgesamtheit noch um all diejenigen Haushalte, die nur ein internetfähiges Device im Haushalt besitzen, um Bewegtbild nutzen zu können.


Manuela Pauker
Autor: Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde