TV goes "on Demand" - Werbung aber auch
Bis 2020 wird über die Hälfte des Fernsehens "on demand" auf Abruf geschaut, die Werbung verändert sich. Laut einer Studie von Booz & Company bleibt traditionelles Fernsehen dennoch auf absehbare Zeit dominant.
TV- und Videokonsum fast ausschließlich im Wohnzimmer auf einem herkömmlichen Fernsehgerät? Rund um das Jahr 2020 Vergangenheit, heißt es in einer Studie von Booz & Company, die im Detail auf den Medientagen München präsentiert wird. Zum Ende dieses Jahrzehnts besteht die Fernsehwelt nur noch zu etwa 50 Prozent aus traditionellen Fernsehprogrammen, die anderen 50 Prozent entfallen auf nicht-lineare, also "on demand"- Angebote. Die Kernaussagen: Die Nutzung neuer Geräte wie PC, Handy und Tablet PCs für das Fernseherlebnis wird mit Wachstumsraten von 33 bis 50 Prozent zunehmen. Dieses Wachstum finde jedoch weitgehend nicht zu Lasten, sondern zusätzlich zum herkömmlichen Fernsehen statt, heißt es. Dennoch bleibe der Fernseher das vorherrschende Endgerät.
Wichtiger Aspekt: Mit steigenden Nutzerzahlen im nicht-linearen Fernsehen wird dort auch zunehmend Werbung geschaltet. Auf die Abwanderung der Werbebudgets im klassischen TV dagegen müssten die klassischen Anbieter mit der Erschließung neuer Erlösquellen reagieren, rät Booz & Company - etwa durch Gaming, Sportwetten und Shopping. Die Reichweiten der linearen Sender nehmen ab. Aber: Die Digitalisierung biete deutschen Fernsehsendern Wege zu neuem Wachstum. "Für alle Anbieter ist es dennoch entscheidend, auch auf den neuen Endgeräten präsent zu sein, denn sie bereiten den Weg für innovative und attraktive Angebote wie interaktive Sendeformate, Multi-Screen-Nutzung und Einbindung von Social Media", so der Tipp.
Thomas Künstner, der bei Booz & Company die europäische Media Practice leitet, sieht auch viele Chancen für die TV-Branche: "Die Möglichkeit, etwa über Social Media-Plattformen wie Facebook eine Sendung live mitzugestalten, lockt die Zuschauer zu einem bestimmten Zeitpunkt vor den Fernseher – eine Spielfilmausstrahlung nicht", fasst Künstner zusammen. Die Publikumsinteraktion steigere zudem die Attraktivität der Sendplätze für Werbeschaltungen und kompensiere so einen Teil der abgewanderten Budgets. Neue Formate wie beispielsweise NBC "Fan It", die Social Media-Nutzer auffordern, bestimmte Programme zu promoten, sind erste Schritte in diese Richtung.