Die Brands und User:innen in anderen Länder sind da teilweise ganz anders unterwegs.

Vor allem in Asien und UK. Auch die Expert:innen zum Thema Social Commerce haben oft einen internationalen Hintergrund. Das merken wir aktuell beim Aufbau unseres Agentur-Teams in Berlin. In Deutschland kommt Social Commerce grad erst an und wächst sehr stark, das vergangene Jahr hat bei uns einen deutlichen Schub verliehen. Liveshopping-Events etwa haben stark zugenommen und ermöglichen einen sehr intensiven Markenkontakt. Dabei lohnt es sich, nicht nur auf die effektive Live-Reichweite zu schauen, sondern in der Bewertung auch die Announcement-Reichweiten sowie die Video-On-Demand Abrufe zu betrachten.

Neben Live-Shopping: wie finden Unternehmen die passenden Formate?

Da empfehle ich das Prinzip "Test, Learn, Scale". Also zunächst den Katalog sauber zu pflegen, ein Test-Setup aufzubauen und herauszufinden, welche Ad-Formate, Creatives, Communications und Inhalte gut funktionieren. Für die Messung hinterher ist es wichtig, verschiedene Quellen zurate zu ziehen und die Daten sauber zu interpretieren. Wenn ich die Daten, die ich von Facebook bekomme, mit den Daten von Google Analytics für meinen Shop vergleiche, liegen die teilweise um 80 Prozent auseinander! Es ist immer die Frage, wer sich welchen Kauf am Ende zurechnet. Erst nach der Analyse sollte man skalieren und eine Kampagne größer aufziehen. Darüber hinaus betrachten wir z.B. Neukunden auch entlang der Qualität, also Retourenquote der Neukunden, Net-Sales etc.

Wie wichtig ist das Zusammenspiel aus bezahlten und organischen Inhalten?

Das ist uns natürlich das Liebste – und nicht nur, weil das mehr Aufgaben für die Agentur bedeutet. Ein gut gepflegter Channel ist die Grundvoraussetzung, um ein granulares Micro-Audience-Targeting aufzubauen, die dann auch für die Shopping-Inhalte offen ist. Es gilt, den "Sweet-Spot" der eigenen Kunden im sozialen Kosmos zu finden. Außerdem hat man auf einem eigenen Kanal sehr gute Learnings, welcher Content am besten funktioniert.

Alle großen Plattformen beschäftigen sich inzwischen mit Social Commerce – was sind die Besonderheiten bei Pinterest?

Pinterest ist eine Art Inspirations-Suchmaschine. Dadurch braucht der Shopping-Prozess etwas länger, liefert aber aus Conversion-Sicht Ergebnisse. Da hilft die Mechanik der Plattform: Unser:innen speichern sich die Pins ab und kommen später wieder darauf zurück. Das ist ein großer Unterschied zu anderen Social Channels wie Facebook, bei denen die Shopping-Angebote im Feed laufen und dann schnell wieder aus dem Mindset der Zielgruppen verschwinden.


Franziska Mozart
Autor: Franziska Mozart

arbeitet als freie Journalistin für die W&V. Sie hat hier angefangen im Digital-Ressort, als es so etwas noch gab, weil Digital eigenständig gedacht wurde. Heute, wo irgendwie jedes Thema eine digitale Komponente hat, interessiert sie sich für neue Technologien und wie diese in ein Gesamtkonzept passen.