Allerdings haben die heutigen Aldi-Filialen mit denen der Anfangszeit nur noch wenig gemein. Wo einst kaltes Neonlicht und Waren auf Holzpaletten das Ladenbild prägten, hat längst modernes Ladendesign mit Wohlfühlambiente Einzug gehalten. Und neben den klassischen Eigenmarken finden sich auch bei Aldi inzwischen immer mehr Markenartikel. "Die Menschen wollen heute ein angenehmes Einkaufsumfeld. Da hatten die Discounter viel nachzuholen und sie haben es getan", sagte Kecskes. 

Ausgerechnet bei ihrem wichtigsten Merkmal - den günstigen Preisen - haben die Discounter im Moment allerdings zu kämpfen. Auch sie mussten zuletzt die Preise kräftig anheben - prozentual gesehen sogar stärker als viele Markenartikler, wie Kecskes berichtet. Denn die drastisch gestiegenen Energie und Beschaffungskosten schlugen bei den preislich auf niedrigerem Niveau angesiedelten Eigenmarken noch stärker durch als bei den Herstellermarken mit ihren in der Regel deutlich höheren Werbeausgaben und Gewinnmargen. Ausschlaggebender für die Kunden ist allerdings wohl: Trotz des Preissprungs sind die Eigenmarken in der Regel an der Kasse nach wie vor deutlich günstiger als die Markenartikel.

Onlinehandel als Problem 

Ist also im Jubiläumsjahr alles im grünen Bereich? Nicht ganz. Gerade bei Aldi gibt es nach Einschätzung des Handelsexperten Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein noch eine vernachlässigte Baustelle: den Onlinehandel. "Die Discounter hatten es bisher nicht nötig, sich groß mit dem Thema Onlinehandel zu beschäftigen", sagt der Handelsexperte. Doch sei es nur eine Frage der Zeit, bis das Thema auch für sie relevant werde. "Und dann wird es schwierig für Aldi, denn der Rivale Lidl hat hier einen beträchtlichen Vorsprung."

Tatsächlich hat es Lidl geschafft, sich mit seinem Onlineshop im jüngsten Ranking des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI einen Platz unter den Top Ten der deutschen E-Commerce-Händler zu sichern. Mit einem Umsatz von gut einer Milliarde Euro belegte lidl.de Platz 8 im Ranking, obwohl der Discounter online kaum Lebensmittel anbietet. Zum Vergleich: Aldi kommt mit seinem Onlineshop unter den Top 100 überhaupt nicht vor.

Heinemann ist überzeugt, das Ungleichgewicht sollte bei Aldi die Alarmglocken schrillen lasen. "Für Lidl ist es ein leichtes, den Hebel umzulegen und auch Lebensmittel zu verkaufen, wenn es soweit ist. Aldi ist noch lange nicht soweit." (Erich Reimann, dpa)

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