Der Designprofessor wundert sich deshalb nicht, dass sich immer weniger junge Leute für eine Karriere in der Branche interessierten, wenn deren Vertreterinnen und Vertreter selbst nicht zu erklären verstünden, wie Kommunikation eigentlich entsteht und welche Karriereoptionen sich zum Beispiel dadurch bieten.

So sieht das in Zukunft aus:

Das neue Kategoriensystem.

Das neue Kategoriensystem.

Künftig können Agenturen ihre Arbeiten also in den Disziplinen "Brand Building", "Activation", "Publishing", "Digital Experience", "Spatial Experience", "Copy", "Design", "Imaginery", "Audio", "Film", "Experiment/Communication Art" und "Innovation/Creative Trends" sowie dazu passenden Unterkategorien einreichen, die zum einen die Konzeptphase (Kategorien 1 bis 2) von Kommunikation umfassen, deren Umsetzung (Kategorien 3 bis 10) sowie Experimente und Innovationen. Das ergebe viel mehr Sinn, sagt Jung, als zum Beispiel die alte Kategorie "Digital", die keinen Kommunikationskanal beschreibe, sondern einfach eine Technik.

Ein komplexes Projekt lässt sich weiterhin als Ganzes bewerten (z.B. Kampagne, Messestand), aber auch Teilleistungen darin (Texte, Bilder, Filme). Im Fachbereich "Spatial Experience", der sich mit multisensorischen Erlebnissen befasst, dürfen übrigens wegen Corona im kommenden Jahr auch Modelle und Konzepte abgegeben werden, die der Pandemie wegen von Kundenseite geschoben werden mussten.

In wenigen Tagen geht's los

Für all diese Neuerungen will der Club Agenturen ab dem kommenden Jahr ein Booklet an die Hand geben mit Tipps zum Einreichen. Der ADC berät aber auch jetzt schon individuell auf Anfrage. Der ADC-Wettbewerb 2021 beginnt am Dienstag, 27. Oktober. Einreichungen sind ab dann möglich. Alle Information und Deadlines unter www.adc.de/wettbewerb.

Die Mitglieder hätten zwar bereits sehr positiv auf die Veränderungen reagiert, sagt Präsidentin Dörte Spengler-Ahrens, aber Erklärungsbedarf bestehe sicher dennoch hier und da. Die Jurys werden weiterhin unabhängig von den Kategorien gebildet, über ihre Zusammensetzung spreche man gerade.

Vorbild fürs Ausland

Wie sich das Konstrukt auf die Einnahmen des Vereins auswirkten, so Geschäftsführer Klaus Gräff, lasse sich derzeit noch nicht sagen. "Wir müssen die nächsten Jahre abwarten." Es sei ohnehin nicht Sinn und Zweck des gemeinnützigen Vereins, Profit zu maximieren, sondern kreative Exzellenz zu fördern. Auch dass weniger Nägel vergeben werden, fürchtet der ADC nicht. Im Gegenteil.

Der Art Directors Club für Deutschland will mit dem neuen System international eine Vorreiterolle einnehmen und zum Vorbild für andere Awards werden. Denn so sinnig habe bislang kein Festival die Komplexität der Werbewelt aufgelöst und nachvollziehbar das gesamte Leistungsspektrum der kreativen Kommunikationswirtshaft abgebildet. "Wir bieten Orientierung", sagt Jung.



Conrad Breyer, W&V
Autor: Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er interessiert sich für alles, was Werber:innen unter den Nägeln brennt, in Beratung, Strategie und Kreation. Besonders innovative Agenturmodelle haben es ihm angetan. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LGBTI*-Rechte, insbesondere in der Ukraine. Vielleicht ist er deshalb auch Diversity-Beauftragter der SWMH geworden, der die W&V angehört.