Bettina Wulff und die PR-Kompetenz: "Da gibt es sicher Alternativen am Kommunikationsmarkt"

Der Kampf gegen Jauch und Google, das Buch, die eigene Agentur: Wie viel kalkulierte PR steckt hinter dem Medienwirbel um Bettina Wulff? W&V Online hat darüber mit Axel Wallrabenstein gesprochen, dem Chairman der MSLGroup Germany.

Text: W&V Redaktion

10. Sep. 2012 - 2 Kommentare

Bettina Wulff ist wieder da: Die Frau des früheren Bundespräsidenten geht juristisch gegen Gerüchte über ihr Vorleben vor, bringt eine eigene PR-Agentur an den Start und legt ihr Buch "Jenseits des Protokolls" vor. Was soll das sein? Eine kühl kalkulierte Comeback-Strategie, ein tapferer Befreiungsschlag oder eine weitere Peinlichkeit aus Großburgwedel? W&V Online hat darüber mit Axel Wallrabenstein gesprochen, dem Chairman der MSLGroup Germany.

Herr Wallrabenstein, zum aktuellen Medien-Feuerwerk um Bettina Wulff gehört auch die Nachricht, dass sie eine PR-Agentur gegründet hat: Bettina Wulff Kommunikation. Was glauben Sie: Nutzt der Rummel um Bettina Wulff ihrem PR-Geschäft oder schadet er eher?

Grundsätzlich ist es ja zu begrüßen, dass sich die ehemalige First-Lady der Republik mit dem Thema Public Relations beschäftigt und damit ihr Geld verdienen möchte. Ein ehrenwerter und wichtiger  Berufsstand mit Zukunft. Ich glaube allerdings weniger, dass für mögliche Auftraggeber die PR-Kompetenz von Frau Wulff entscheidend ist. Da gibt es sicher Alternativen am Kommunikationsmarkt.

Wie beurteilen Sie die Comeback-Strategie von Frau Wulff denn grundsätzlich?

Was hat Frau Wulff denn für Möglichkeiten? Einerseits will sie sich wehren und andererseits muss sie an die Vermarktung ihres neuen Buches denken. So wird das zumindest in der Öffentlichkeit wahr genommen. Eine echte Strategie kann ich darin allerdings nicht erkennen. Wäre auch sicher zu viel verlangt.

Die üblen Gerüchte um Frau Wulff hatte man ja schon eigentlich vergessen. War es klug, das alles auf die Titelseiten zu bringen?

Hier wird leider extrem viel geheuchelt - auch von den Medien. Einerseits wird von Leuten, die auch gerne mal im Hintergrund geflüstert, haben gesagt "hätte sie mal früher um ihre Ehre gekämpft" und andererseits ist jedem klar, dass Frau Wulff damit dem Amt und ihrem Mann sehr geschadet hätte. Das ist sozusagen fast ausweglos. Sie hat sich für diesen Weg entschieden um auch künftig eine öffentliche Rolle spielen zu können. Am Ende wird immer etwas hängen bleiben, so ist das in unserer Mediengesellschaft.

Sie sind im politischen Berlin sehr gut verdrahtet. Wie schätzt man die Medien-Offensive von Bettina Wulff dort ein?

Wie gesagt, ich halte das nicht für eine gezielte Medienoffensive. Das Thema wird in Berlin sehr differenziert betrachtet und ich kann nur hoffen, dass der Fehler "mit dem Aufzug rauf und mit dem Aufzug runter" nicht ein weiteres Mal passiert. Das Amt des Bundespräsidenten und der First Lady werden immer differenzierter und strenger beurteilt als andere politischen Ämter. Das macht es nicht einfacher.

Wie sieht es eigentlich mit einem Comeback von Christian Wulff aus? Welche Kommunikationsstrategie empfehlen Sie ihm?

Das Thema Comeback ist für einen ehemaligen Bundespräsidenten immer schwierig. Ein ehemaliger Bundespräsident muss nicht zurück kommen, er ist immer noch da und wird in dieser Funktion auch gesehen. Zumindest nach einem gewissen Abstand. Christian Wulff sollte sein Thema finden, beispielsweise Integration und dies zu seiner nationalen Aufgabe machen unter Einbeziehung von wichtigen Organisationen und klugen Köpfen. Das wird noch einige Zeit dauern, aber er ist ja noch relativ jung für einen Bundespräsidenten.


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2 Kommentare

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Anonymous User 16. September 2012

Herr Wulff sollte lieber
mit Herrn zu Guttenberg und co zusammen eine Selbsthilfegruppe gründen: "verkannte Genies"unserer Zeit.

Anonymous User 13. September 2012

... relativ jung für einen Bundespräsidenten - was meinen Sie damit? Bundespräsident ist und bleibt Joachum Gauck. Ich kann nur hoffen daß es der Öffentlichkeit erspart bleibt,einen recycelten Ex-Bundespräsidenten auf der politischen Bühne wieder zu sehen. Wenn er dafür auf die Vergoldung seines allzu frühen Ruhestandes verzichten müsste wäre die Frage eines neuen politischen Mandates für Christian Wulff und seine (noch) angetraute
Ehefrau höchstwahrscheinlich obsolet.

Freundliche Grüsse,

Claudia Böning, München

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