Seinen Enthusiasmus für alles Digitale hat sich Ambekar bis heute bewahrt. Er nimmt damit bisweilen eine Gegenposition zu den alteingesessenen Marketingleitern ein, die "mit TV und Print großgeworden sind und ungern von den gewohnten Wegen abweichen", wie er sagt. Manchmal wünscht er sich etwas mehr Experimentierfreudigkeit und Offenheit gegenüber neuen Ideen.

Dennoch hat er sich bewusst dafür entschieden, nicht in Asien oder den USA zu arbeiten. In Deutschland und Europa sieht er mehr Potenzial, gerade weil diese Länder gegenüber den Übersee-Regionen "digital weniger fit" seien. Er wolle deshalb "hier vor Ort in Deutschland die Änderungen sehen und Digital-Europa mitgestalten", sagt er selbstbewusst.

Kunden sollen später auf eigenen Beinen stehen können

Für den W&V-Vermarktercheck hat Ambekar die Vermarktungsangebote von Google und Facebook analysiert. Der Digital-Experte sieht das Vermarktungspotenzial der beiden US-Konzerne zwiegespalten: Einerseits seien Google und Facebook eine große Konkurrenz für Publisher und die Agenturen. Auf der anderen Seite seien die Werbetools beider aber auch sehr nutzerfreundlich – "Stichwort: Skalierbare Reichweite."

Seinen Kunden will Ambekar helfen, ihren Weg durch den oft undurchsichtigen digitalen Dschungel besser zu finden. Dabei "können wir je nach Kunde und Aufgabe unterschiedliche Positionen übernehmen", sagt Ambekar. Mal agiert die Agentur aus einer Führungsposition heraus, mal weniger dominant als Sparringspartner.

Über allem stehe letztlich der Know-how-Transfer. Er könne den Kunden kompetent beraten, "loslaufen" müsse dieser aber selbst, erläutert Ambekar, der bereits für diverse Mediaagenturen und den Vermarkter Bauer Advertising tätig war. Er ist an der Umsetzung einer Strategie beteiligt, hält sich aber aus dem Tagesgeschäft heraus.

Er will Skepsis in Optimismus verwandeln

Mit seiner Beratung fokussiert sich Ambekar vor allem auf die neuen Formen der digitalen Kommunikation. Konkret heißt das: Programmatic Out of Home und Augmented Reality. Ambekar will bei Themen ansetzen, die von klassischen Mediaagenturen noch nicht abgedeckt werden. "In den nächsten drei bis vier Jahren werden wir mehr in Richtung Sprachsuche sehen. Gleiches gilt für Virtual- und Augmented Reality. Google Maps, wie wir es im Alltag nutzen, wird sich in ein bis zwei Jahren sehr verändern", prognostiziert der Inder. 

Bei aller Zukunftsorientiertheit lässt der 43-Jährige nicht die Vergangenheit und Gegenwart außer Acht. Man müsse immer objektiv bleiben und Trends hinterfragen, sagt er. Einer dieser Trends ist der Aufbau von digitalen Inhouse-Kapazitäten. "Self-Booking-Tools und Automatisierung ermöglichen Firmen im Bereich der digitalen Medien alles Inhouse zu machen", erklärt Ambekar.

Blue Shepherd unterstützt seine Kunden dabei, solche Inhouse-Units aufzubauen. Ohne eine professionelle Beratung seien Firmen mit diesem Schritt schnell überfordert, glaubt Ambekar. "Viele Kunden haben in Sachen Digital Transformation große Pläne, unterschätzen aber, dass sich die digitale Welt jede Woche verändert."

Um diesen Firmen auf die Sprünge zu helfen, sieht er sich selbst als eine Art Digital-Nachhilfelehrer. Dabei ist er nicht nur als Fachmann, sondern bisweilen auch als Motivator gefragt. Die deutsch-europäische Skepsis will er in Optimismus verwandeln. "Wir müssen digitale Angst, Müdigkeit und Anti-Digitale-Haltung ernstnehmen und verstehen, um etwas zu ändern", sagt er.

Hier geht's zum W&V Vermarktercheck 2018.


Autor:

Maximilian Flaig

Unterstützt als Werkstudent die Redaktion in allen Bereichen. Während seines aktuellen Masterstudiengangs American History, Culture and Society schrieb Maximilian Flaig bereits für die "Süddeutsche Zeitung".