W&V Vermarktercheck :
Blue Shepherd: Ein Hirte auf der digitalen Weide

Seit 18 Jahren lebt und arbeitet Digital-Media-Experte Mandar Ambekar in Deutschland. Mit seiner Beratungsagentur will er "Digital-Europa mitgestalten".

Text: Maximilian Flaig

Mandar Ambekar prognostiziert unter anderem der Sprachsuche eine große Zukunft.
Mandar Ambekar prognostiziert unter anderem der Sprachsuche eine große Zukunft.

Als Mandar Ambekar 2000 aus dem indischen Pune für ein Global Management Master-Studium nach Bremen kommt, steckt das Internet hierzulande noch in den Kinderschuhen. Online-Marketing ist damals in den wenigsten Unternehmen ein Thema. Spricht man Ambekar 18 Jahre später auf den Digital-Standort Deutschland an, muss er schmunzeln.

Einer wie er hätte wohl im innovationsfreudigen Kalifornien vielleicht größere Entfaltungsmöglichkeiten gehabt als in der "sicherheits- und datenschutzorientierten" Bundesrepublik. Doch es ist gerade Deutschlands Nachzüglerrolle, die Ambekar reizt. Nicht ohne Grund hat seine vor einem Jahr gegründete Digitalberatungsagentur den Begriff des Hirten im Namen.

Wie ein Hirte seine Herde leitet, so will Ambekars Agentur Blue Shepherd ihre Kunden als Begleiter und Wegweiser in digitalen Fragen zur Seite stehen. Der Digitalexperte hat sich mit der Beratungsfirma vor etwas über einem Jahr selbstständig gemacht. "Die Grundidee ist, dass wir unseren Kunden - egal ob Advertiser, Agentur oder Vermarkter - neutral beraten und dabei nicht nur unsere eigenen Taschen vollmachen", sagt Ambekar. Im Agentursegment arbeitet er für Media-, Performance- und Kreativagenturen.

Manchmal wünscht er sich mehr Offenheit

Nach seinem Studium rutscht Ambekar vor 16 Jahren durch seinen Job bei einem IT-Dienstleister in die Welt des digitalen Marketings. Webanalyse Tools, Email-Marketing und Domain Management sind 2002 für viele noch Fremdwörter. Es ist die Zeit, in der Ambekar eine Leidenschaft für "Media Tech" entwickelt. Heute sagt er: "Ich lebe das Thema."

Seinen Enthusiasmus für alles Digitale hat sich Ambekar bis heute bewahrt. Er nimmt damit bisweilen eine Gegenposition zu den alteingesessenen Marketingleitern ein, die "mit TV und Print großgeworden sind und ungern von den gewohnten Wegen abweichen", wie er sagt. Manchmal wünscht er sich etwas mehr Experimentierfreudigkeit und Offenheit gegenüber neuen Ideen.

Dennoch hat er sich bewusst dafür entschieden, nicht in Asien oder den USA zu arbeiten. In Deutschland und Europa sieht er mehr Potenzial, gerade weil diese Länder gegenüber den Übersee-Regionen "digital weniger fit" seien. Er wolle deshalb "hier vor Ort in Deutschland die Änderungen sehen und Digital-Europa mitgestalten", sagt er selbstbewusst.

Kunden sollen später auf eigenen Beinen stehen können

Für den W&V-Vermarktercheck hat Ambekar die Vermarktungsangebote von Google und Facebook analysiert. Der Digital-Experte sieht das Vermarktungspotenzial der beiden US-Konzerne zwiegespalten: Einerseits seien Google und Facebook eine große Konkurrenz für Publisher und die Agenturen. Auf der anderen Seite seien die Werbetools beider aber auch sehr nutzerfreundlich – "Stichwort: Skalierbare Reichweite."

Seinen Kunden will Ambekar helfen, ihren Weg durch den oft undurchsichtigen digitalen Dschungel besser zu finden. Dabei "können wir je nach Kunde und Aufgabe unterschiedliche Positionen übernehmen", sagt Ambekar. Mal agiert die Agentur aus einer Führungsposition heraus, mal weniger dominant als Sparringspartner.

Über allem stehe letztlich der Know-how-Transfer. Er könne den Kunden kompetent beraten, "loslaufen" müsse dieser aber selbst, erläutert Ambekar, der bereits für diverse Mediaagenturen und den Vermarkter Bauer Advertising tätig war. Er ist an der Umsetzung einer Strategie beteiligt, hält sich aber aus dem Tagesgeschäft heraus.

Er will Skepsis in Optimismus verwandeln

Mit seiner Beratung fokussiert sich Ambekar vor allem auf die neuen Formen der digitalen Kommunikation. Konkret heißt das: Programmatic Out of Home und Augmented Reality. Ambekar will bei Themen ansetzen, die von klassischen Mediaagenturen noch nicht abgedeckt werden. "In den nächsten drei bis vier Jahren werden wir mehr in Richtung Sprachsuche sehen. Gleiches gilt für Virtual- und Augmented Reality. Google Maps, wie wir es im Alltag nutzen, wird sich in ein bis zwei Jahren sehr verändern", prognostiziert der Inder. 

Bei aller Zukunftsorientiertheit lässt der 43-Jährige nicht die Vergangenheit und Gegenwart außer Acht. Man müsse immer objektiv bleiben und Trends hinterfragen, sagt er. Einer dieser Trends ist der Aufbau von digitalen Inhouse-Kapazitäten. "Self-Booking-Tools und Automatisierung ermöglichen Firmen im Bereich der digitalen Medien alles Inhouse zu machen", erklärt Ambekar.

Blue Shepherd unterstützt seine Kunden dabei, solche Inhouse-Units aufzubauen. Ohne eine professionelle Beratung seien Firmen mit diesem Schritt schnell überfordert, glaubt Ambekar. "Viele Kunden haben in Sachen Digital Transformation große Pläne, unterschätzen aber, dass sich die digitale Welt jede Woche verändert."

Um diesen Firmen auf die Sprünge zu helfen, sieht er sich selbst als eine Art Digital-Nachhilfelehrer. Dabei ist er nicht nur als Fachmann, sondern bisweilen auch als Motivator gefragt. Die deutsch-europäische Skepsis will er in Optimismus verwandeln. "Wir müssen digitale Angst, Müdigkeit und Anti-Digitale-Haltung ernstnehmen und verstehen, um etwas zu ändern", sagt er.

Hier geht's zum W&V Vermarktercheck 2018.


Autor:

Maximilian Flaig

Unterstützt als Werkstudent die Redaktion in allen Bereichen. Während seines aktuellen Masterstudiengangs American History, Culture and Society schrieb Maximilian Flaig bereits für die "Süddeutsche Zeitung".