pakete auf der Straße

Die Lebensmittellieferungen warten darauf, abgeholt zu werden.

Das erinnert mich vom Prinzip her ein wenig an die deutschen Packstationen. Bei Gebäuden außerhalb von Wohnanlagen stapelten sich die Pakete auch schon mal auf der Straße oder es wurde ein Kiosk mit Regenschutz gebastelt. Pragmatisch eben. Einige Händler haben auf diese neue Situation reagiert. Unser Online-Supermarkt zum Beispiel liefert nicht mehr in Tüten, sondern in recyclebaren Kartons. Jeder Lieferung sind zudem zwei Schutzmasken beigelegt.

Wir würden die Kartons auch gerne wieder zurückgeben. Allerdings haben wir keinen Kontakt zum Fahrer, und so stapeln sich die Boxen erst einmal im Wohnzimmer. Ins Büro lassen wir übrigens grundsätzlich liefern. Nicht nur Büromaterial, sondern auch Mittagessen. Das stärkt unser Gemeinschaftsgefühl, besonders in Zeiten wie diesen. 

Zelte

Provisorische Zelte schützen die E-Commerce-Pakete vor dem Regen.

Der Koch liefert – kochen muss man selbst

Was machen Restaurants, wenn sie geschlossen bleiben müssen? Sie liefern nach Hause. Viele sind in schon lange bei Lieferdiensten angemeldet. Andere organisieren sich nun selbst und kommen mit ganz neuen Ideen daher. Zum Beispiel Miguelito. Er betreibt zwei beliebte mexikanische Restaurants in der Stadt und liefert jetzt kurzerhand rohes Fleisch und rohen Fisch nach Hause. Kochen sollen die Leute aber bitte selbst. Wie geht das? Marketing.

Miguelito hat seine Freunde und Bekannte, mit denen er ja sowieso schon über WeChat verbunden war, kurzerhand in eine eigene WeChat-Gruppe eingeladen. Das können per Beschränkung durch Tencent bis zu 500 Teilnehmern sein. Die Gruppe hat Miguelito „Maya Premium Foods Home Delivery“ genannt. Der Name ist Programm. Wir sind jetzt alle VIPs mit exklusivem Zugang zu seinen hochwertigen Lebensmitteln.

Maya

Die Lieferung von Mexikaner muss man selbst kochen - dafür kürt einen der Chefkoch vielleicht zum Sieger der Kochchallenge.

Miguelito setzt voll auf den Gemeinschaftsgedanken. Er ist jetzt ein Community Manager. Er postet die neuesten Angebote, selbstgemachte Videos mit Kochtipps vom Chef persönlich, und er vergibt Awards für das beste Gericht der Woche. Die Mitglieder senden tatsächlich Bilder von ihren eigenen Kreationen: Burger, gegrillter Fisch mit Gemüse, Würstchen auf Tomaten.

Die Bar versendet Cocktail-Zutaten

Essen zu Hause wird zum Premium-Event und zum exklusivem Cluberlebnis. Und trinken? Auch hier gibt es eine echte Stilblüte. Das Shake ist eine super angesagte Bar, bekannt für lange Nächte, exzellente Live Bands und Signature Cocktails. Letztere gibt es jetzt zum Bestellen. Das Shake verschickt Pakete mit Zutaten und Rezepten zum Cocktail-Mixen für lange Nächte zu Hause – gut geschüttelt, nicht gerührt!  

Inzwischen sind die Supermärkte und auch die meisten Restaurants und Bars wieder geöffnet. Eine Art von Normalität kehrt zurück. Doch weiterhin steht an jedem Eingang ein Wächter und kontrolliert, ob ich erhöhte Temperatur habe. Und seit wenigen Wochen muss ich immer häufiger den digitalen QR Code zeigen, der von Gesundheitsapp der Stadt Shanghai generiert wird und mich einer definierten Risikogruppe zuordnet. Wie das funktioniert und welche Konsequenzen es hat, kommt in der nächsten Folge. Bleibt gesund und entspannt!


Stefan Justl

Stefan Justl verantwortet als General Manager das Geschäft von Storymaker in China. Die Kommunikationsagentur sitzt in Tübingen, München, Berlin, Beijing und Shanghai. Direkt vom Shanghai-Homeoffice aus berichtet er nun zweimal pro Woche auf wuv.de über die Auswirkungen von Corona in China, den Umgang mit der Krise und wie es dort jetzt weitergeh. Den Pilot der Miniserie "Arbeiten in Shanghai: 45 Tage Corona-Schockstarre" lesen Sie hier



Autor: W&V Leserautor

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