"The Swedish Number" - im Selbstversuch

Der Genderwahnsinn geht weiter – zum Glück

Rechtspopulisten in ganz Europa packt ein! In Cannes könnt Ihr mit Eurem Geschwätz nicht punkten. Das Festival will geschlechtsspezifische Stereotype, testosterongetriebene Ungerechtigkeiten aller Art abbauen, zumindest in der Werbung. Dafür hat Cannes vor einem Jahr die Glass Lions for Change eingeführt. Und die konzentrieren sich längst nicht nur auf Frauen, "die am meisten marginalisierte und verletzlichste Gruppe in unseren Gesellschaften weltweit", wie Jurypräsidentin Madeline Di Nonno, CEO vom Geena Davis Institute for Gender in Media, sagt. Sechs Preise gab es in diesem Jahr, darunter einen Grand Prix für Unilever in Indien. Dieser Kunde hat sich weit nach vorne gewagt und  für seine Teemarke Brooke Bond Red Label eine Musikband gegründet, der ausschließlich Transgender angehörten. "Über Nacht haben wir die Einstellungen der Menschen zu diesem Thema verändert", sagt Di Nonno.

Ob das der Deutschen Bahn auch gelingt? Sie wagt sich in ihrem neuen Online-Spot "Der Fan" ebenfalls an ein Tabu. 

Auch Cannes wandelt sich: 40 Prozent der Jurymitglieder sind inzwischen Frauen. Das Ziel: fifty- fifty. Das ist gut so. Denn: Cannes predigt oft genug Veränderung und löst sie nicht ein. Schön, dass es jetzt passiert. Jedem sei auch zur Nachlese nochmal der Vortrag "Sex, Lies und Advertising" von Madonna Bagger ans Herz gelegt. Wer die Geschichte dieser Frau gehört hat, die alles verloren hat und sich trotzdem für Werbung einsetzt, wer da nicht wenigstens kurz nachdenken muss, der darf sich ruhig oberflächlich nennen. Cannes bewegt sich in die richtige Richtung, was die eigenen Ziele angeht. 

Die Unternehmensberatungen kommen

IBM, Deloitte, Accenture kapern die Werbewelt. Sie kaufen eine Agentur nach der anderen auf und wissen: Je wichtiger die Customer Experience wird in der Kommunikation, desto wichtiger werden Prozesse und Strukturen für die Kunden, die sich verändern, neu aufstellen müssen. Für Unternehmensberatungen ein Kerngeschäft. "Unsere Zeit ist längst gekommen", sagt Anatoly Roytman, Europachef von Accenture Interactive auf der Terrasse des Majestic. Dort hat ihn W&V getroffen. Die Consulting-Firma hat sich in Cannes eingerichtet, betreibt einen Stand im Palais des Festivals, stellt zwei Jurorinnen, es gibt Accenture-Seminare. Der Fremdling will aber kein Spaßverderber sein. Ein 3D-Scanner im Untergeschoss des Palais dreht Videos von Cannes-Besuchern und lässt sie auf einer Riesenleinwand tanzen. Accenture kann auch Innovation.


Autor:

Conrad Breyer, W&V
Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LSBTI-Rechte, insbesondere in der Ukraine.