Vorstand aufgelöst :
Kulturrevolution bei Jung von Matt

Fünfzehn Partner führen künftig die Agentur in Hamburg, der Vorstand wird aufgelöst. Fast jedenfalls: Peter Figge bleibt als Vorstand Sprecher des Partnerkreises. Jean-Rémy von Matt wechselt in den Aufsichtsrat.

Text: Conrad Breyer

Peter Figge bleibt als einziger Vorstand von Jung von Matt übrig und spricht für den neuen Partnerkreis.
Peter Figge bleibt als einziger Vorstand von Jung von Matt übrig und spricht für den neuen Partnerkreis.

Jetzt ist er da, der Generationswechsel. Seit sieben Jahren diskutiert die Branche über die Ablösung von Jean-Rémy von Matt an der Spitze der Hamburger Agentur Jung von Matt. Zum 1. Juli zieht der Kreative, 65 Jahre alt, nun in den Aufsichtsrat. Er soll weiter beratend tätig sein, punktuell auch einzelne Kunden betreuen - aber von Matt ist Vergangenheit.

Auch sonst bleibt bei Jung von Matt kein Stein auf dem anderen. Vorstand Peter Figge sagt: "Wir wandeln uns von einer Gründer- in eine partnergeführte Agenturgruppe." Das heißt: Ab dem 1. Juli leiten 14 Männer, allerdings nur eine Frau die Geschicke der Firma. Sie lösen den Vorstand ab, dem zuletzt noch Peter Figge, die beiden Kreativchefs Jean-Rémy von Matt und Götz Ulmer angehört hatten, nachdem Thomas Strerath und Larissa Pohl die Agentur verlassen werden. Das Gremium ist offen, neue Leute können jederzeit hinzukommen.

Das Unternehmerische soll die Mitarbeiter motivieren, nicht zuletzt will die Agentur so auch die komplexe Kommunikationslandschaft von heute in all ihren Disziplinen abbilden. Für Jung von Matt kommt das Ganze einer Kulturrevolution gleich.

Im Partnerkreis: 14 Männer, eine Frau

Damit aber nicht alle Entscheidungen zäh über den Tisch von 15 Leuten gehen müssen, richtet Jung von Matt so genannte Troikas ein. Sie kümmern sich um Kreation, Innovation und Evolution, wie es im JvM-Jargon heißt. Die Troikas, je drei Leute, werden von den Partnern jeweils auf ein Jahr gewählt und sie haben die Macht, über Awardpausen (Kreation), agile Arbeitsprozesse (Innovation) und neue Geschäftsfelder oder Akquisen (Evolution) zu entscheiden. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Ein Novum, das mehr Dynamik entfalten soll als vergleichbare Partnermodelle beispielsweise der Serviceplan-Gruppe. Theoretisch zumindest. In Grundsatzfragen hat das gesamte Partnerboard das letzte Wort. Und klar, dass die Gründer Holger Jung, Jean-Rémy von Matt und Peter Figge als Sprecher des Partnerkreises und einzig verbliebener Vorstand auch mitzureden haben. Parallel sollen die Standortchefs der einzelnen Agenturen ihre Firmen autonom führen dürfen.

Die 15 Partner sind:

  • Dr. Peter Figge, Vorstand, Sprecher des Partnerkreises, Jung von Matt AG
  • Götz Ulmer, Geschäftsführer Kreation, zuletzt Jung von Matt AG
  • Joachim Kortlepel, Head of Content Projects, Jung von Matt AG
  • Christian Gast, Head of Strategy, Jung von Matt AG
  • Christoph Korittke, Head of Strategy, Jung von Matt AG
  • Dominik Fassl, Finanzchef Jung von Matt AG
  • Jens Pfau, Geschäftsführer Kreation, Jung von Matt/Next Alster
  • Thim Wagner, Geschäftsführer Kreation, Jung von Matt/Next Alster
  • Max Lederer, Geschäftsführer Kreation, Jung von Matt/ Next Alster
  • Andreas Ernst, Geschäftsführer Beratung, Jung von Matt/Next Alster
  • Peter Ströh, Geschäftsführer Beratung, Jung von Matt/Next Alster
  • Dörte Spengler-Ahrens, Geschäftsführerin Kreation, Jung von Matt/Saga
  • Stephan Giest, Geschäftsführer Beratung, Jung von Matt/Saga
  • Raphael Brinkert, Geschäftsführer Beratung, Jung von Matt/Sports
  • Till Eckel, Geschäftsführer Kreation, Jung von Matt/Spree

Sie sorgen für Kontinuität. Übrigens gab es auch bisher schon Partner wie Rolf Kutzera oder Deneke von Weltzien; öffentlich kommuniziert hat die AG die Namen der Beteiligten aber nie. Ende Juni werden die Troikas erstmals besetzt. Götz Ulmer, zuletzt Vorstand, führt wie bisher einige Schlüsselkunden, Saturn, Douglas etwa, das Neugeschäft auch und die JvM Academy für den Nachwuchs. Er behält damit eine zentrale Rolle.

Parallel etabliert Jung von Matt - das wiederum sehr modern - einen Jungrat aus sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unter 30, die die Partner jedes Jahr neu wählen. Sie treffen sich unterjährig, nehmen zweimal im Jahr am Partnerkreistreffen teil, um den Verantwortlichen auf den Zahn zu fühlen, Reibung zu erzeugen. Sie sollen neue Sichtweisen einbringen.

Der Jungrat von Jung von Matt

Der Jungrat von Jung von Matt

Dem Jungrat gehören an (vorne im Bild v.l.n.r.): Lorenz Koch, Yannick Maser, Larissa Greth sowie (hinten im Bild v.l.n.r.) Hannah Lena Flechtker, Michael Wilde und Lisa Wölle.

Richtungsweisende Aufstellung

Figge und die Seinen sind mit dem neuen Führungsmodell sehr zufrieden. Es entspreche einer zeitgemäßen, interdisziplinären und hierarchiearmen Organisation, die flexibel und schnell auf die Herausforderungen der Zeit reagieren könne. Für Jean-Rémy von Matt ist es ein Abschied, für die Agentur ein Neuanfang. 2017 ist Jung von Matt in Deutschland um 8 Prozent gewachsen, international sogar um 15 Prozent (Gross Income Konzern: 81,6 Mio. Euro). Mit der neuen Struktur sollen die Zahlen 2018 ähnlich gut ausfallen.

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Bei Jung von Matt bleibt kein Stein auf dem anderen. Peter Figge baut die Agentur um. Nicht zu ihrem Vorteil. Ein Kommentar von W&V-Redakteurin Lena Herrmann.


Autor:

Conrad Breyer, W&V
Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LSBTI-Rechte, insbesondere in der Ukraine.


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