Masken sind in Shanghai eine „MUSS“-Bestimmung für den öffentlichen Verkehr – Taxi, Metro, Bus, Bahn. Meine Kollegin Vera hat gestern erlebt, wie ein Mann in der Metro am Eingang gestoppt wurde, weil er seine Maske nicht trug. Nachdem er diese aus seiner Tasche zog und aufsetzte, durfte er weiter. Auf Screens werden die Fahrgäste ständig dazu ermahnt.

Auch in Unternehmen gilt eine Maskenpflicht. Für Straßen, Plätze und öffentliche Parks hatten Regierung und Stadtverwaltungen eine „SOLL“-Vorschrift erlassen. Chinesen verstehen das als klare Ansage und verhalten sich danach. Da muss kein Präsident oder Minister vor die Kamera und das „Warum“ begründen.

Masken tragen gehörte von Anfang an zu den zentralen Hygienevorschriften wie Hände waschen und desinfizieren. Sie halten beim Nießen und Husten die Tröpfchen zurück. Das ist allemal besser als das in Deutschland empfohlene Nießen in die Armbeuge oder ins Taschentuch. Zudem verhindern sie, dass man sich ins Gesicht fasst. 

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Der Aufklärung zur Nutzung von Schutzmasken entkommt man nicht. Selbst durchs Fenster in seiner Wohnung sieht Stefan Justl die Werbung am Kaufhaus Metro City gegenüber.

Überall verfügbar und sogar subventioniert

Jeder gut sortierte Supermarkt in China führt Masken. Als Wuhan einen Tag vor Chinese New Year abgeriegelt wurde, sprang die Nachfrage hoch und sie waren schnell ausverkauft. Online bestellte Masken etwa über die Plattform Taobao, die normalerweise innerhalb von 24 Stunden alles liefert, kamen erst nach 10 Tagen an. 

Unternehmen, die ohne Schutzmasken nicht mehr arbeiten durften, bestellten große Mengen im Ausland. Ein Bekannter von mir aus Taicang hat sich Anfang Februar aus Deutschland 80.000 Masken für 240.000 Euro liefern lassen. Damals ahnte keiner, dass Europa wenige Wochen später selbst dringend Masken benötigt.  

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Die Basketball-Plätze in Shanghai sind wieder geöffnet, selbstverständlich tragen alle Spieler Masken.

In China wie generell in Asien sieht man auch zu normalen Zeiten oft Menschen mit Mundschutz. Gegen die Luftverschmutzung, wenn man selber erkältet oder Allergiker ist. Auch in Japan ist das ein Zeichen, dass man sich um seine Mitmenschen sorgt und diese nicht anstecken möchte, während man in Europa eher als Kranker stigmatisiert wird.

Die einfachen OP-Masken, die nicht vor Ansteckung schützen aber die Tröpfchenausscheidung reduzieren, kann man schon für zwei RMB, also 25 Cent kaufen. Seit drei Wochen bestellen wir subventionierte Masken bei der Stadtverwaltung in unserem Bezirk Jing An. Pro Mitarbeiter bekommen wir sieben Stück pro Woche zu nur noch je 18 Cent. Aber nur gegen Selbstabholung. Wie auch in Europa sind die FFP3-Atemschutzmasken vor allem den Ärzten und dem Pflegepersonal, Personen in Hochsicherheitsbereichen, vorbehalten.

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Für 18 Cent pro Stück bekommt man bei der Stadtverwaltung Jing An subventionierte Schutzmasken.

Kein Mode-Accessoire

Auf der Straße sieht man bis heute Menschen mit weißen oder blauen Masken. Es sind Massenartikel, die man ständig wegwirft. Mode spielt da kaum eine Rolle. Junge Leute tragen oft schwarze Masken. Hier und da sieht man auch andere Farben, die auf das Outfit abgestimmt sind. Doch das sind zurzeit noch Ausnahmen. Im Mittelpunkt steht der Schutz der anderen. Das haben die Menschen hier begriffen. 

Am Sonntag musste ich zu einer Untersuchung ins Krankenhaus. Ich kam mit der sehr freundlichen Krankenschwester ins Gespräch. Wir haben uns über die aktuelle Lage in Europa und in der Welt unterhalten. Sie hat mich gefragt, weshalb in Europa so wenig Menschen Masken tragen. Ich habe versucht, das mit Kulturunterschieden zu begründen. Gesagt hat sie höflicherweise nichts, aber in ihren Augen konnte ich sehen, dass sie das nicht wirklich versteht. Ich leider auch nicht. 

Die Meldungen aus der ganzen Welt beschäftigen und quälen uns; ich schlafe schlecht und frage mich, wie Kinder, Jugendliche, die junge Generation diese Krisenzeit erleben. In der nächsten Folge schauen wir auf Schulen und Universitäten. Bleibt gesund.


Stefan Justl

Stefan Justl verantwortet als General Manager das Geschäft von Storymaker in China. Die Kommunikationsagentur sitzt in Tübingen, München, Berlin, Beijing und Shanghai. Direkt vom Shanghai-Homeoffice aus berichtet er nun zweimal pro Woche auf wuv.de über die Auswirkungen von Corona in China, den Umgang mit der Krise und wie es dort jetzt weitergeht. Den Pilot der Miniserie "Arbeiten in Shanghai: 45 Tage Corona-Schockstarre" lesen Sie hier. Hier geht's zu Teil 1 und Teil 2



Autor: W&V Leserautor

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