Neuanfang :
Politik in Sachen Marke: Gerald Hensel macht sich selbstständig

Die Arbeit bei Plot war ihm nicht praktisch genug. Jetzt macht der bekannte Werber erstmal allein weiter. Als Strategy Director mit Schwerpunkt digitale Markenführung.

Text: Conrad Breyer

Ohne Angst: Gerald Hensel erhebt seine Stimme immer noch, sein Hauptinteresse soll 2018 aber den Marken gelten.
Ohne Angst: Gerald Hensel erhebt seine Stimme immer noch, sein Hauptinteresse soll 2018 aber den Marken gelten.

Das Geschrei um ihn ist verstummt. Trotzdem wirkt Gerald Hensel noch immer alarmiert, wenn sich die Presse bei ihm meldet. Er hat sich das schließlich nicht ausgesucht, wollte nie "Polit-B-Promi" werden, wie er sagt. Er hat einfach nur das Richtige getan, findet er. Und will jetzt in Ruhe arbeiten. Und frei sein!

Wir erinnern uns: Gerald Hensel, einst Stratege bei Scholz & Friends, hatte über den Hashtag #KeinGeldfürRechts Unternehmen und Mediaagenturen dazu aufgerufen, keine Werbung auf Breitbart und anderen rechtspopulistischen Plattformen zu schalten. Auch sein Arbeitgeber stand dafür in der Kritik.  Am Ende musste er die Agentur verlassen; der Druck war einfach zu groß.

Digitales als Selbsttherapie

Mit Gleichgesinnten hat er daraufhin den Verein "Fearless Democracy" aufgezogen, eine Plattform gegen den Hass im Netz, dem er selbst zum Opfer gefallen war. Das war im April 2017. Es hat ihn viel Schweiß gekostet - und Geld. Einen ganzen Kleinwagen habe er investiert. Und doch war die Arbeit an "Fearless Democracy" wie eine Therapie für ihn, die einen Heilungsprozess in Gang setzte. Es ist ihm gelungen, die Geschichte um seine Person noch einmal neu zu schreiben. Der Spiegel portraitierte ihn, er war bei Böhmermann in der Sendung.

Klar, er steht so noch immer im Fokus des Interesses: Nicht alle meinen es gut mit ihm. Hin und wieder retweetet Beatrix von Storch seine Beiträge, dann bekommt er auch mal eine Morddrohung. Die letzte ist zwei Wochen alt. Aber insgesamt habe es sich doch gelohnt. Fearless Democracy wächst und gedeiht, braucht nicht mehr soviel Aufmerksamkeit.

Dann stieg Hensel bei Plot ein, einer Managementberatung für digitale Transformation mit Sitz in San Francisco, London und Hamburg. Man agiert auf Führungsebene. Das hat er gemacht, aber nur ein halbes Jahr durchgehalten, denn das Ganze war ihm zu wenig praktisch. "Ich bin kein Beratertyp", sagt Hensel. "Ich suche mehr eine exekutionelle Rolle."

Die Reise des Verbrauchers - eine Reise ins Ich

Als Partner von Plot bleibt er den neun Kollegen erhalten, aber er will sich jetzt lieber selbstständig machen. Sein Thema: Connection Planning. Markenführung orientiert an der Customer Journey. "Der Bereich, wo Brand, Inhalte, Technologie, User und Business zusammenkommen, war immer meine Expertise", schreibt er auf Facebook.

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Hensel freut sich auf seine neue Aufgabe, auch wenn er im Moment noch sehr damit befasst ist, die nötigen Papiere für seine Firma zusammenzutragen. Aber er ist erstmals unabhängig jetzt, flexibel. Die Politik läuft nebenher, im Mittelpunkt steht künftig wieder die digitale Markenarbeit.


Autor:

Conrad Breyer, W&V
Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LSBTI-Rechte, insbesondere in der Ukraine.