David + Martin bekommen ein Paket

David + Martin bekommen ein Paket

Ein totes Tier vor der Agentur

Gegen 15.30 Uhr kommt eine Nachbarin hochgerannt und fragt aufgeregt, ob sie schon gesehen hätten, was da vor der Haustür liege. Wie aufgescheucht rennen die 20 Leute von David + Martin vors Haus und entdecken: den Schweinekopf (Bild). Die Folge: Polizei angerufen, zweimal Aussage gemacht, an KriPo und Verfassungsschutz übergeben. Das Gebäude, das glücklicherweise zentral und hochfrequentiert in der Altstadt liegt, steht nun unter Beobachtung. Kameras will die Agentur noch selbst anbringen. Klar, dass die Kollegen beunruhigt sind, schließlich wird hier manchmal bis spät nachts gearbeitet. Da kann es dann schonmal einsam werden. Zum Glück sitzt die Polizei gleich um die Ecke.

"Wir haben hier alle gerade so ein semigutes Gefühl, wie man sich vorstellen kann", sagt Eggert. Alle sind angespannt. Wenn es Die Rechte nicht war, war es vermutlich ein anderer Rechtsradikaler. Stephan geht es ruhiger an als Eggert; er ist es seit seiner Kindheit gewohnt. Sein Vater hat früher das Innenressort der "Süddeutschen Zeitung" geleitet und mit seinen Recherchen so manchen Nazizirkel in Bayern aufgerieben. Sein Sohn ist nicht nur einmal im Polizeiwagen zur Schule gefahren worden ("Ich fand das cool"). Und Stücke toten Schweins fanden sich regelmäßig in der Familienpost. "Ich habe das fast erwartet", sagt David. Sein Name findet sich immer wieder in rechten Foren. "Ich weiß, wie gut die hier im Süden organisiert sind."

Aktion gegen Rechts geplant

Für mehr als Drohgebärden hält der Agenturchef die Sache allerdings nicht, erwartet aber - wie die Polizei übrigens auch - noch mehr Aktionen in den nächsten Tagen. David + Martin hat sich gleich klar positioniert. Sie haben Anzeige gegen Unbekannt erstattet, schließen jetzt immer die Türen zu den Büroräumen, haben die Nachbarn informiert. Auf die Nachnahme haben sie das Hundertfache des Betrags, 1250 Euro, an die Schlauschule gespendet, die Geflüchtete unterrichtet.

Und sie wollen sich jetzt mit allen Kollegen, vielleicht auch mit anderen Agenturen in München, eine Aktion gegen Rechts überlegen. "Um zu zeigen, wozu die fähig sind, wenn es jetzt schon gegen Parteien der Mitte geht." Gute Kontakte zur Initiative "Künstler mit Herz" bestehen auch. Die haben ja vor zwei Wochen ganz intensiv gegen die AfD im Netz angesungen. Einfach zur Tagesordnung zurückkehren will David + Martin nicht, lieber klare Kante zeigen. Dafür ist ihnen allen das freie Leben, das sie führen, zu wichtig.


Autor:

Conrad Breyer, W&V
Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LSBTI-Rechte, insbesondere in der Ukraine.