Gastbeitrag von Jens Grefen :
Rimowa-Relaunch: Gott sei Dank!

Die Traditionsmarke Rimowa hat ihr Corporate Design radikal verändert. Zu radikal, wie manche Koffer-Fans finden. Interbrand-Kreativchef Jens Grefen sieht das anders.

Text: W&V Redaktion

Jens Grefen ist Kreativchef von Interbrand in Köln.
Jens Grefen ist Kreativchef von Interbrand in Köln.

Gottseidank. Nachdem in letzter Zeit viele bekannte Marken mehr oder weniger reine Kosmetikpflege betrieben haben, die von "wasch mich, aber mach mich nicht nass" bis hin zu zur Markenidee konträren visuellen Ausprägung reichte (ich erinnere hier an die eher komplexe Wollsiegelästhetik der "Einfach"-Marke Aldi Süd), hat sich nun die nächste deutsche Marken-Ikone einem Rebranding unterzogen. Und sehr vieles richtiggemacht.

Die 1898 in Köln-Müngersdorf gegründete Koffermanufaktur Paul Morszeck, heutzutage besser bekannt als Rimowa, hat ihre Marke konsequent weiterentwickelt. Und zwar so, wie man es heute tun sollte. Kollaborativ und mutig, mit Weitblick, und vor allem nicht einfach nur visuell.

Rimowa scheint verstanden zu haben, welches Potenzial die Marke bietet; nämlich in Zukunft noch viel mehr zu sein als nur ein Unternehmen, das Produkte verkauft. Mit dem aktuellen Schritt hat man den Grundstein gelegt, zu einer echten Identität zu werden.

Der Rimowa-Relaunch.

Der Rimowa-Relaunch.

Das Rimowa-Logo im Vergleich - alt (oben) und neu.

Das Rimowa-Logo im Vergleich - alt (oben) und neu.

So wie Moleskine in Cafés investiert, das Thema Inspiration besetzt, und so weit mehr wird als der Verkäufer von Notizbüchern; so wie sich Juventus Turin weg vom reinen Fußballgeschäft zu einer Identität hin entwickelt, die den Kern der Marke in weitere Erlebnisse abseits des Platzes übersetzt; so hat auch Rimowa nun die Bordmittel im Gepäck, sich in diese Richtung zu entwickeln.

Man ist respektvoll und zugleich radikal mit den visuellen Assets umgegangen. Eine radikale Änderung der Wortmarke, die sich nun aber harmonischer ins Gesamtbild fügt. Eine Besinnung auf das, was Rimowa als Erlebnis ausmacht, übertragen in ein stimmiges Packaging-Konzept. Das Herausstellen der Rimowa-typischen Rillen als prägendes Designelement, das dem Auftritt eine klare und zugleich zeitlose Typik verleiht. Und das Ganze zu Ende gedacht über alle Kontaktpunkte – vom Briefpapier, über den Shop bis hin ins letzte Detail des Produktes selber.

Interessant wird sein, wie Rimowa diesen ersten, richtigen Schritt nun nutzt, um die Identität der Marke zu kapitalisieren, das Geschäft zukunftssicher weiterzuentwickeln und zu transformieren, und so schlussendlich als Unternehmen erfolgreich zu wachsen.

Ich hoffe, meine Lieblingskoffermarke bleibt weiter mutig. Bis hierher aber ein klarer Glückwunsch an die Kreateure und Entscheider. Chapeau!

Der Autor:  Jens Grefen ist Executive Director Creation bei Interbrand und Teil des Führungsteams von Interbrand Central and Eastern Europe. Er studierte visuelle Kommunikation in Dortmund und San Francisco und arbeitet seit 2004 bei Interbrand vom Standort Köln aus, an dem er das Design-Team leitet. Zu den von ihm betreuten Marken und Unternehmen zählen unter anderem ABB, BASF, DER Touristik, Deutsche Telekom, Lanxess, SAP, Schindler, Thyssenkrupp, oder Tui.


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W&V Redaktion
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