Nachruf :
Trauer um Uwe Becker: Kämpfer, Kenner und Kommunikator

Nicht nur sein Engagement für die gute Sache - faire Bedingungen im Media-Business, war einzigartig, sondern auch sein Fachwissen. Wir werden Uwe Becker vermissen. Ein Nachruf von W&V-Chefredakteur Jochen Kalka.

Text: Jochen Kalka

Uwe Becker: "Kämpfer der Gerechten"
Uwe Becker: "Kämpfer der Gerechten"

Was war er eine Kämpfernatur, eine sympathische noch dazu, eine menschliche, vielseitige: Uwe Becker setzte sich für Transparenz im Mediabusiness ein wie kaum ein anderer vor ihm. Er entwickelte den Code of Conduct mit aller Kraft, oft genug wurde er "Mister Code of Conduct" genannt. Schon 2002 plante er als Vorstandsmitglied der OWM, der Organisation Werbungtreibender im Markenverband, einen Verhaltenskodex. Den wollten viele aber gar nicht. Also hatte Becker oft Gegenwind zu spüren bekommen. Denn welche Media-Agentur wollte einen solchen Kodex? Allein Thomas Koch, damals noch Chef von tkmStarcom, warb da in einer Anzeige mit seiner Unterschrift. Sonst, so schien es, wollte niemand unterschreiben.

Aber Becker gab nie auf. Er hetzte gegen "unsaubere Rabatte", "Nebenabsprachen", "schiefe Mediapläne". Er rief zur fairen Entlohnung der Mediaagenturen auf und mochte keine Kickback-Deals. Er engagierte sich in zig Gremien, war Präsidentialsmitglied beim ZAW, Vorstandsmitglied bei der ag.ma, Beirat bei der AIM, Vorstandsmitglied bei der AGF. Becker war wer, dessen Meinung  man schätzte, dessen Wissen, dessen Erfahrung wertvoll war.

Bis Ende 2013 war Uwe Becker bei Unilever für das Mediageschäft verantwortlich. Fast 29 Jahre lang arbeitete er bei dem Mischkonzern in Hamburg. Etliche Stationen hatte er im Marketing von Unilever durchlaufen. Und daher kannte er sich auch so gut aus. Mit seinem Wissen kokettierte er allerdings nie. Becker war eher der bescheidene Typ. Der auch all die Branchenveranstaltungen zum Netzwerken nutzte. Bis spät in der Nacht bei einem Gläschen Pils. Dann öffnete er sich auch privat. Erzählte etwa über seine Kinder.

Wenn einem Uwe Becker begegnete, etwa auf einem Kongress, freute man sich. Er war beliebt, er konnte so herzhaft lachen, durchaus auch mal über sich selbst, allein das ist selten in unserer Branche. Er war ein lebensfroher Mensch, obgleich ihm das Leben einige Hürden im Umkreis seiner Liebsten aufbürdete. Hürden, die er nie als Last empfand, mit denen er lebte, gut und gerne leben konnte und wollte.