Crazyredwool :
Warum Stephan Ganser nicht an die Zukunft des Geschäftsmodells Agentur glaubt

Stephan Ganser hat Publicis verlassen, um sich selbstständig zu machen. Jetzt gründet er seine eigene Firma, eine virtuelle Agentur namens Crazyredwool.

Text: Conrad Breyer

Stephan Ganser will mit Crazyredwool den Markt aufrütteln.
Stephan Ganser will mit Crazyredwool den Markt aufrütteln.

Gut, auch er wird das Rad nicht neu erfinden. Aber Stephan Ganser, der vor Kurzem Publicis verlassen hat, wagt immerhin etwas Neues. Nach 33 Jahren in Agenturen, zwölf davon bei Publicis, gründet der Werber seine eigene Firma. Er hat im Laufe seines langen Berufslebens bereits als Texter, Kreativdirektor und Stratege gearbeitet.

Agentur will er Crazyredwool nicht nennen, weil sie sich eben nicht an Standards abarbeiten soll, sondern kundenzentriert agieren. "Agenturen müssten ihre Abteilungen und Teams auslasten", sagt Ganser und er zititert Henry Ford: "'Ich weiß, die Hälfte meiner Werbung ist hinausgeworfenes Geld. Ich weiß nur nicht, welche Hälfte." Als Ford das sagte, sprach er zwar von der Werbewirkung. Ganser zielt auf die Agenturen. "Das Budget versickert oft schon, bevor Kreativität überhaupt freigesetzt werden kann, in den Sedimentschichten tradierter Agenturstrukturen." Crazyredwool dagegen stellt freie Experten für jeden Kundenauftrag neu zusammen, Werber, Journalisten, und löst die Mannschaft dann wieder auf. Typ: virtuelle Agentur. Im Fokus: das Lösen von Problemen. "Gedankenfreiheit statt Agenturapparat, Kundenberatung statt Accountverwaltung, Brainwork statt Bürokratie", heißt es auf seiner Website. Ist ja zuletzt in Mode gekommen. Und werde den Markt aufrütteln, glaubt Ganser.

Name mit Bedeutung

Wie Ganser auf den Namen kam? "Der sollte vor allem nicht nach Agentur klingen", sagt er, "und neugierig machen." Er hat auch eine Bedeutung: "Wir entdecken den roten Faden im Wollknäuel", ergo man entwirrt das Business-Problem. Crazyredwool entwickelt Markenstrategien-, Marken- und Produktstorys sowie kreative Kommunikationskonzepte.

Ganser fängt zunächst allein an, zu seinem Netzwerk gehören alte Weggefähren wie Thomas Walmrath, langjähriger Kreationsgeschäftsführer bei Springer & Jacoby, die Hamburger Designerin und Illustratorin Silke Baltruschat, Helmut Huschka, freier CD und Texter (ehemals Heye, München), sowie die von ehemaligen Publicis-Leuten gegründete Münchner Agentur Isarcowboys. Denn freilich kooperiert Crazyredwool auch mit Agenturen. Wer Ganser treffen will, findet ihn in München in seinem bescheidenen Büro oder in wechselnden Coworking-Spaces und Cafés mit freiem W-Lan. Demnächst schmeißt er eine kleine Opening Party.

Feiern mit dem unbekannten Kunden

Ganser freut sich auf sein Abenteuer. "So will ich das machen, so kann ich mich selbst verwirklichen", sagt er. Auch wenn viele Bekannte und Freunde ganz schön skeptisch sind. Erste Kunden betreut der Unternehmer bereits; Ganser spricht von zwei namhaften Industriekonzernen. Schon jetzt trägt sich Crazyredwool angeblich. Ihre Namen hält der Werber zunächst lieber noch geheim.


Autor:

Conrad Breyer, W&V
Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LSBTI-Rechte, insbesondere in der Ukraine.