Koelnmesse :
Dmexco-Streit: Muche und Schneider wollen 8 Millionen Euro

Nach dem Gerichtssurteil im Sinne von Christian Muche und Frank Schneider präsentieren die beiden Dmexco-Macher jetzt ihre Rechnung. Es könnte für die Koelnmesse teuer werden.

Text: Frank Zimmer

Christian Muche (l.) und Frank Schneider haben die Dmexco jahrelang organisiert.
Christian Muche (l.) und Frank Schneider haben die Dmexco jahrelang organisiert.

Eigentlich war es ein gutes Jahr für die Koelnmesse. 357,9 Millionen Euro Umsatz und rund 29 Millionen Euro Gewinn weist der Geschäftsbericht für 2017 aus. Unterm Strich seien 7 Millionen mehr übrig geblieben als geplant, heißt es dort. Aber wenn es nach Christian Muche und Frank Schneider geht, kann das unverhoffte Plus gleich wieder abgezogen werden. Die beiden früheren Dmexco-Macher haben die Messe auf Zahlung von 8 Millionen Euro verklagt. Die Summe umfasst ausstehende Honorarzahlungen, Gewinnbeteiligungen für die Dmexco 2018 und eine "Entschädigung für ein etwaiges nachvertragliches Wettbewerbsverbot". Das kündigten Muche und Schneider am Montag für ihre Firma KDME an. Sie ist Dmexco-Dienstleisterin und Vertragspartnerin der Koelnmesse.

Über die genaue Höhe der Summe wird wohl noch zu verhandeln sein, aber dass etwas gezahlt werden muss, steht seit dem jüngsten Urteil des Oberlandesgerichts Köln nicht mehr ernsthaft in Frage. Die Richter hatten die Gründe für die fristlose Kündigung von KDME für nichtig erklärt. Eine Berufung ist nicht möglich. Somit läuft der Vertrag bis Ende September 2018 weiter. Die Koelnmesse muss also 2 Dmexco-Organisationen parallel finanzieren: die bisherige, also die Muche-Schneider-Firma KDME, und die neue um Chief Advisor Dominik Matyka.

Das aktuelle Dmexco-Management will sich nicht äußern und verweist auf die Koelnmesse. Sie hatte Muche und Schneider im vergangenen Herbst überraschend vor die Tür gesetzt - angeblich, weil die beiden ein Wettbewerbsverbot missachtet und eine Konkurrenzveranstaltung in der Schweiz organisiert hatten. Weder das Landgericht noch das Oberlandesgericht Köln konnten dieser Argumentation folgen - zumal sich das Wettbewerbsverbot auf die EU bezog, der die Schweiz aber gar nicht angehört.

Die Messegesellschaft beharrt auf ihrem Standpunkt. Sie wendet ein, "seit Jahrzehnten" mit einer Vertretung in der Schweiz präsent zu sein und jährlich über 22.000 Schweizer Messebesucher zu empfangen, darunter 5.000 auf der Dmexco. Die von Muche und Schneider initiierte "Dpulse" in Zürich sei darum eine Wettbewerbsversanstaltung.

Messesprecher Guido Gudat verweist außerdem auf die juristischen Feinheiten: Das OLG-Urteil betreffe nur die Gründe der fristlosen Kündigung, nicht aber die fristlose Kündigung selbst. Über sie werde in einem gesonderten Verfahren vor dem Landgericht Köln entschieden, dem man "nach wie vor mit großer Zuversicht" entgegensehe.


Autor:

Frank Zimmer

Redaktionsleiter Online mit analogem Migrationshintergrund. Seit 1996 im Internet. Buchautor ("Der Social-Media-Rausch") und Blogger ("Mittelrheingold"). Interessiert sich für Content Marketing und digitale Transformation. Hat eine Schwäche für Agenturen, weil er mal in einer gearbeitet hat.