Coalition for better Ads :
Google macht den Werbeblocker für Chrome offiziell

Google wird eine Art Adblocker in seinen Chrome-Browser einbauen. Das wurde nun bestätigt. Es ist neben anderen Initiativen der Versuch, das Web sauber und durchsuchbar zu halten.

Text: Leif Pellikan

- keine Kommentare

Bei der Suche kommt Google auf einen Marktanteil von 50 Prozent.
Bei der Suche kommt Google auf einen Marktanteil von 50 Prozent.

Google wird eine Art Adblocker in seinen Chrome-Browser einbauen. Das hat nun Sridhar Ramaswamy, Senior Vice President für Werbung und Commerce bei Google, in einem Blogbeitrag bestätigt. Bekannt war das Vorhaben schon länger. Der Grund: Google zeigt sich zunehmend angewidert von zuviel Werbung. Der Konzern lebt von einem offenen Web und Content. Mehr als 80 Prozent der Jahreswerbeerlöse von zuletzt 79,4 Mrd. Dollar dürften aus der Suchwerbung stammen. Nichts wäre also schlimmer, als wenn Nutzer auf übersichtliche Apps ausweichen.

Dazu gehört der nun angekündigte Werbeblocker, W&V hatte bereits in der Printausgabe vom 2. Mai darüber berichtet. Konkret will Google über seinen Browser Google, aufdringliche Formate wie Overlays und Pop-ups wegfiltern. Das hat Folgen, denn Chrome kommt global laut Statcounter mobil wie auch im stationären Web auf rund 50 Prozent Marktanteil.

Diese radikale Maßnahme hat bereits viele Unterstützer. Denn die Reduzierung der penetranten Werbemittel entspricht den Zielen der "Coalition for better Ads". Der Initia­tive, die vergangenen September auf der Branchenmesse Dmexco vorgestellt wurde, gehören neben Google auch Agenturen wie die Group M , Kunden wie Procter & Gamble sowie internationale Onlinerverbände wie der deutsche BVDW an. Kurz, Google tut alles, damit es künftig genug Inhalte im offenen Web zu suchen gibt und Nutzer nicht auf Apps ausweichen – nicht in die von Focus Online und erst recht nicht in die geschlossene Welt von Facebook.

Google kämpft schon seit längerem offen für das saubere, browserbasierte Web. Dazu gehört beispielsweise der selbst gesetzte Standard AMP (Accelarated Mobile Pages). Dahinter steckt eine eingeschränkte Auswahl an Softwarebefehlen, die eine Webseite für Smartphones enthalten darf. Das Ziel: schnellere Ladezeiten. Dem Tempo fallen viele Werbeskripts zum Opfer. Auf den Screens kommt weniger Werbung an, vor allem keine aufwendigen Sonderformate. Parallel schränkt AMP die Möglichkeiten für Kunden und Agenturen ein, die Werbeleistung auszusteuern und mitzumessen. Anbieter müssen da natürlich nicht mitmachen. Nur hat Google ein gutes Druckmittel: Sites, die mobil zu langsam sind, werden in den Suchergebnissen abgestraft.


Autor:

Leif Pellikan
Leif Pellikan

ist Redakteur beim Kontakter und bei W&V. Er hat sich den Ruf des Lötkolbens erworben - wenn es technisch oder neudeutsch programmatisch wird, kennt er die Antworten. Wenn nicht, fragt er in Interviews bei Leuten wie Larry Page, Sergey Brin oder Yannick Bolloré nach. 



0 Kommentare

Kommentieren

Diskutieren Sie mit