Coalition for Better Ads :
Google macht ernst - in Chrome werden jetzt Anzeigen geblockt

Der Chrome-Browser wird Seiten, die mit zu vielen aufdringlichen Anzeigen Geld verdienen, komplett von allen Anzeigen befreien.

Text: Leif Pellikan

Google reagiert jetzt auf nervende Werbeanzeigen
Google reagiert jetzt auf nervende Werbeanzeigen

Google straft ab kommender Woche Sites ab, die aufdringliche Werbung zeigen. Der Chrome-Browser auf mobilen Geräten und auf Desktops wird entsprechende Seiten komplett von allen Anzeigen befreien. Damit niemand auf dem falschen Fuß erwischt wird, kommt vorweg jedoch eine Warnung. Betreiber haben dann 30 Tage Zeit, ihr Werbeangebot zu überarbeiten.

Das sind durchaus drastische Maßnahmen, aber sie folgen dem Sinne der Coalition for Better Ads, einem Zusammenschluss von Medienunternehmen, Agenturen und Werbungtreibenden.  

Im Moment ist offen, ob andere Browserhersteller ähnlich vorgehen. Aber allein Google hat mit Chrome in Deutschland einen Desktop-Marktanteil von 39 Prozent. Mobil nutzen laut Statcounter 49 den Chrome-Browser. In den USA sind es 63 und 45 Prozent. Die Maßnahmen dürften sich also bemerkbar machen.   

Was Publisher tun können

Publisher können für ihre Site den so genannten Ad Experience Report anfordern. Er zeigt auf, wo gegen Vorgaben verstoßen wird. Konkret stehen vier Werbeformate für das Desktop und acht für Mobile auf der roten Liste der Coalition for Better Ads, die als besonders störend empfunden werden. Dazu zählen beispielsweise Popups sowie Videos, die automatisch mit Ton loslaufen.

Vorausgegangen war eine Untersuchung des Nutzerverhaltens und eine Analyse der Adblocker-Verbreitung, wie Michael Todd, Head of Advertising Industry Relations von Google in der EMEA-Region erklärt. Laut Google war beispielsweise jeder fünfte Rückmeldung über Chrome-Reports ein Beitrag zu besonders störender Werbung. Zudem wurden mehr als fünf Milliarden Mal Anzeigen von Usern mit "bitte künftig unterdrücken" gekennzeichnet.

Eine Folge, auf die Google hinweist, ist die hohe Anteil von Adblockern unter der Nutzerschaft. Das Unternehmen Pagefair errechnet für Deutschland zuletzt eine Verbreitung von 29 Prozent, für die USA von 18 Prozent. 

Allerdings relativiert Google das Problem selbst. 100.000 Sites wurden bis Anfang Februar überprüft. Nur 0,9 Prozent der Angebote bekamen ein "Fail" ausgesprochen. Weitere 0,6 Prozent der Fälle wurde eine Warnung ausgesprochen. Zudem verweist Google darauf, dass die Regeln der Coalition for Better Ads gelten würden. Ein einzelne böse Anzeige würde also nicht dazu führen, dass die Werbung komplett geblockt werde. Nur betont Google-Manager Todd auch, dass es eben oft ein schlechtes Erlebnis Werbung auf einer sei, die ihn dazu bewege einen Adblocker zu  installieren. 


Autor:

Leif Pellikan
Leif Pellikan

ist Redakteur beim Kontakter und bei W&V. Er hat sich den Ruf des Lötkolbens erworben - wenn es technisch oder neudeutsch programmatisch wird, kennt er die Antworten. Wenn nicht, fragt er in Interviews bei Leuten wie Larry Page, Sergey Brin oder Yannick Bolloré nach.