Die "New York Times" berichtete zugleich auch, dass Facebook von Partnern wie Amazon, Yahoo oder dem chinesischen Smartphone-Anbieter Huawei Daten wie zum Beispiel Kontaktlisten erhalten habe, die dann unter anderem für Freundschaftsvorschläge genutzt worden seien. Das gehe aus internen Unterlagen hervor, die der Zeitung vorliegen. Noch im vergangenen Jahr hätten unter anderem Sony, Microsoft und Amazon E-Mail-Adressen von Facebook-Nutzern über ihre Freunde abrufen können.

Netflix und Spotify bekamen dem Blatt zufolge das Recht eingeräumt, private Nachrichten von Nutzern zu schreiben, zu lesen und zu löschen. Die Streaming-Anbieter erklärten, dies sei ihnen nicht bewusst gewesen. Netflix erklärte, man habe 2014 eine Funktion gestartet, die den Kunden ermöglichte, Facebook-Freunden Serien und Filme über den Messenger oder Netflix zu empfehlen. "Da das Feature nicht gut ankam, haben wir es 2015 wieder abgeschaltet" hieß es weiter. Und: "Zu keinem Zeitpunkt haben wir auf private Nachrichten von Personen auf Facebook zugegriffen oder um die Möglichkeit dazu gebeten."

"Lediglich Spitze des Eisbergs"

Deutliche Kritik bekam Facebook von dem digitalpolitischen Sprechers der SPD-Bundestagsfraktion, Jens Zimmermann. Die Stellungnahme von Facebook klinge "nur noch hohl". "Es bestätigt unsere Vermutung, dass all das, was wir bislang über den Datenskandal bei Facebook wissen, lediglich die Spitze des Eisbergs darstellt", sagte Zimmermann und forderte ein schnelles Handeln. "Es müssen jetzt alle Fakten auf den Tisch: Wer hatte und hat wann welchen Zugang zu welchen Daten?" Er kündigte an, das Thema Anfang 2019 erneut auf die Tagesordnung des Digitalausschusses zu setzen. "Facebook muss öffentlich Rede und Antwort stehen."

Die neuen Vorwürfe sind ein weiterer Höhepunkt in einem schwarzen Jahr für Facebook. Im März schlitterte der Konzern in seine schwerste Krise mit dem Skandal um Cambridge Analytica. Es wurde bekannt, dass die britische Datenanalyse-Firma, die im US-Wahlkampf 2016 auch für den späteren Präsidenten Donald Trump arbeitete, sich vor Jahren unerlaubt Zugang zu Daten von Millionen Nutzern verschafft hatte.

In Europa verliert Facebook Nutzer

Der eigentlich erfolgsverwöhnte Konzernchef Mark Zuckerberg musste sich immer wieder entschuldigen. Nicht nur für den Skandal um Cambridge Analytica, sondern auch generell für das Versagen im Kampf gegen Propaganda und Missbrauch und für Schmutzkampagnen gegen Kritiker.

Inzwischen leidet nach den Krisen auch das Geschäft, in Europa verlor Facebook in zwei Quartalen in Folge jeweils eine Millionen Nutzer. Und in der Politik werden Rufe nach einer Abspaltung von Diensten wie Instagram und WhatsApp lauter. Kann es Zuckerberg gelingen, das weltgrößte Online-Netzwerk 2019 wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen? Mit den jüngsten Vorwürfen ist das sicher nicht einfacher geworden. (dpa)


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W&V Redaktion
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