Gastbeitrag von Volker Helm :
Warum Angela Merkel die Dmexco besuchen sollte

Die Kanzlerin kommt zur Gamescom, zur Hannover Messe und natürlich zur IAA. Nur auf der Dmexco ist sie nie zu sehen. Dabei wäre ein Merkel-Besuch diesem Jahr so wichtig wie noch nie.

Text: W&V Redaktion

Quantcast-Chef Volker Helm will Merkel auf der Dmexco sehen.
Quantcast-Chef Volker Helm will Merkel auf der Dmexco sehen.

Eine Einladung von Volker Helm

Angela Merkel hat vor kurzem die Gamescom, die weltweit zweitgrößte Messe für Video- und Computerspiele in Köln eröffnet. Ein Geschenk für jeden Politiker, der sich in Wahlkampfzeiten jugendnah und modern inszenieren möchte.

10 Tage vor der Wahl findet - wieder in Köln – ein zweites Branchenevent statt, dass die Anwesenheit der Kanzlerin viel dringender benötigen würde: die Dmexco. Angela Merkel sollte auch Europas größte Messe für digitales Marketing eröffnen oder zumindest besuchen. Sie hat nicht nur genauso viel Aussteller (über 900) und mehr Fachbesucher (über 50.000 versus 30.700), sie hat auch gesamtwirtschaftlich die deutlich größere Relevanz. Schließlich erwirtschafteten über 350.000 Beschäftigte hier einen Umsatz nur mit Onlinewerbung von 6,6 Milliarden Euro im Jahr 2016 – im Gaming-Bereich sind es weniger als 31.000 Beschäftigte, die 2016 bei stagnierender Tendenz für 2,9 Milliarden Euro Umsatz stehen.

Und: Die wachsende Branche des digitalen Marketings ist auch ein Jobmotor. Aber einer der Gefahr läuft das Schicksal des Dieselmotors zu erleiden, denn aus Brüssel drohen für die Digitalwirtschaft ähnlich gravierende Maßnahmen wie Fahrverbote in Großstäden.

Auf der Dmexco hätten Vertreter der digitalen Wirtschaft die Möglichkeit, der Kanzlerin ein in meinen Augen dringliches Thema ans Herz zu legen: Die General Data Protection Regulation (GDPR) der EU, über die wir in Deutschland als Datenschutzgrundverordnung, kurz DSGVO, sprechen.

Die Neuregelung, die am 25. Mai 2018 in allen EU-Staaten in Kraft treten wird, soll die Regeln für die Verarbeitung personenbezogener Daten in der europäischen Union einheitlich gestalten. Rechtsexperten kritisieren, dass die Interpretation der DSGVO nicht eindeutig genug ist und Unternehmen im Unklaren gelassen werden, was konkret gefordert wird. Cookies und andere Online-Identifikatoren werden beispielsweise in Zukunft zu den personenbezogenen Daten gezählt und bedürfen somit in vielen Fällen der Einwilligung der Nutzer – eine Entwicklung, die nicht nur das bisherige System komplett auf den Kopf stellen würde. Diese Entwicklung würde das Oligopol der großen Drei weiter festigen und die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen im Digitalmarkt deutlich schmälern.

Online-Medien, die sich großteils durch digitale Werbung refinanzieren, werden in ihrer Fähigkeit, Werbung nutzergerecht auszuliefern, beschnitten werden. Weil das negative Auswirkungen auf die Höhe der Einnahmen haben wird, sind die Vielfalt unserer Medienlandschaft und damit auch zahlreiche Arbeitsplätze gefährdet. Argumente, bei denen Politiker aller Parteien normalerweise hellhörig werden.

Als Teil der Kreativwirtschaft ist die Digitalbranche ein Vorreiter bei Technologien wie Künstlicher Intelligenz und Smart Data. Daher sollte das "Land der Ingenieure" ein besonderes Interesse daran haben, diese nicht zu Grunde zu richten, sondern weiterzuentwickeln.

Am ersten Messetag werden Vertreter der Industrie über die Auswirkungen der GDPR/DSGVO debattieren. Daher lautet meine Forderung:  Kanzlerin Merkel, kommen Sie nochmal nach Köln und hören Sie die Argumente der Branche! Nicht nur im eigenen Interesse, sondern auch als Zeichen an eine wichtige Zukunftsbranche in diesem Land.

Der Autor: Volker Helm verantwortet die Geschäfte des Technologie-Unternehmens Quantcast im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) sowie in Skandinavien (Schweden, Dänemark, Finnland, Norwegen). Vor seinem Einstieg bei Quantcast unterstützte er das Unternehmen Kinetic bei seiner Digitalisierungs- und Internationalisierungsstrategie. Davor war er als CEO von Mediaplus für die Internationalisierung der Agentur verantwortlich. Darüber hinaus arbeitete er über zehn Jahre für die WPP Gruppe.


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