Fusionitis im Silicon Valley :
Was Microsoft mit Cortana, Alexa und Linkedin vorhat

Microsoft verknüpft Outlook mit Linkedin und Cortana mit Alexa. W&V-Chefredakteur Jochen Kalka hat bei seiner Silicon-Valley-Tour den Software-Riesen besucht.

Text: Jochen Kalka

W&V-Chefredakteur Jochen Kalka war auf Silicon-Valley-Tour.
W&V-Chefredakteur Jochen Kalka war auf Silicon-Valley-Tour.

Microsoft-CEO Satya Nadella träumte noch im September davon, im November begann dann das Redmonder Unternehmen leise damit, darauf hinzuweisen, dass mit dem Programm Office 365 nun auch Linkedin-Profile ihrer Kontakte in Outlook angezeigt werden können. Nur gemerkt hat es bislang noch kaum jemand.

Für dieses Jahr haben sich die Manager von Linkedin, das sich Microsoft für 26,2 Milliarden Dollar gekrallt hat, vorgenommen, die Integration der Daten in Outlook facettenreich auszuschmücken. Das wurde im Rahmen einer VDZ-Digital Innovators Tour durch das Silicon Valley und Seattle bekannt. Mit jeder Mail lassen sich dann die Linkedin-Daten des Absenders abrufen.

Auch die Verzahnung von Amazons Alexa und Microsofts Cortana steht kurz vor dem Durchbruch. Allerdings sollte diese Sprechaktfusion schon Ende 2017 in Kraft getreten sein. In Seattle und dem benachbarten Redmond wird mit Hochdruck an der Schnittstelle gearbeitet.

Microsoft zelebriert Aufbruchstimmung. Und die funktioniert nur durch Öffnung, durch Kooperationen. Seit Satya Nadella vor vier Jahren Steve Ballmer nach 14-jähriger CEO-Herrschaft abgelöst hat, arbeitet Microsoft mehr denn je mit Partnern. Nicht nur mit Amazon. Auch etwa mit Adobe in Sachen Cloud. Kleine Anmerkung: Satya Nadella und Adobe-Chef Shantanu Narayen gingen in Indien auf die gleiche Schule.

Kommunizierende Daten aus allen Bereichen zusammenzuführen, gehört zu den großen Aufgaben, die sich Microsoft vorgenommen hat. Das soll auch bei der Tochter Linkedin passieren, deren Zentrale in der 2nd Street, also mitten im Herzen von San Francisco ist. Ein Bau wie ein Museum, ein Foyer, wie es Guggenheim gerne hätte. 11.000 Mitarbeiter in 31 Büros rund um den Globus verfolgen für ihre 500 Millionen Mitglieder in 200 Ländern den Auftrag: "Entwickle ökonomische Möglichkeiten für die globalen Arbeitskräfte", wie Jochen Kleinknecht als Head of Business Operations sagt. Es sei die Mission von Linkedin, "die Profis aus aller Welt zu verknüpfen, um sie produktiver und erfolgreicher zu machen".

Gut, das war Marketingsprech. Spannend aber ist die bereits gestartete Umsetzung, Linkedin mit Microsoft Outlook miteinander zu verknüpfen. Der nächste Schritt danach könnte eine Integration von Salesforce sein, heißt es bei Linkedin.

Noch im Frühjahr soll die Verzahnung von Alexa und Cortana funktionieren. Über den Sprachbefehl "Alexa, öffne Cortana" beziehungsweise "Cortana, öffne Alexa", soll in Schritt eins der jeweils andere Sprachassistent verwendet werden können. Perspektivisch muss natürlich eine komplette Verschmelzung der beiden Systeme angepeilt werden. Die Nachbarn Microsoft und Amazon rüsten sich damit gegen Google.

Google hat den Angriff längst als solchen verstanden. Daher erklärt sich auch die Schlacht gegen Amazon. Seit dem Jahreswechsel hat Google sein YouTube auf Amazon-Geräten blockiert. Während Amazons Alexa längst eine verhängnisvolle Affäre mit Cortana von Microsoft eingegangen ist, will es Google alleine schaffen. "Wir wollen den absolut hilfreichsten Service bieten", sagt Alex, der sich, wie alle Menschen dort, nie mit seinem Nachnamen anreden lassen würde. Dann sagt ausgerechnet der Google-Manager ein Wort, das hier wie ein Fremdkörper erscheint: "independent". Was, bitte schön, soll bei Google unabhängig sein? Nach welchen Kriterien sucht sich Google-Voice seine Informationen zusammen? Wie wird der Wert von Nachrichten unter Medienmarken selektiert?

Für die Werbungtreibenden jedenfalls entstünden durch Google Voice mehr Möglichkeiten mit Native Advertising. Pro zwölf Minuten Information könnten drei Minuten Werbung zugelassen werden.

Google arbeitet an einem Traum, der die Welt tatsächlich verändern würde: an Echtzeit-Übersetzungen. Man stelle sich vor, dass plötzlich jeder Mensch mit jedem sprechen könnte – und ihn verstehen. Das klingt schon verheißend – in einer späteren Version vielleicht auch mit Realtime-Translation zwischen Pubertierenden und deren Eltern.

W&V-Chefredakteur Jochen Kalka war auf Silicon-Valley-Tour. Seine Erlebnisse schildert er in einer Online-Serie. Weitere Themen von der VDZ-Publisher-Tour durch das Silicon Valley finden Sie in der großen Titelstory von W&V (ET 15. Januar 2018). Die Printausgabe erhalten Sie hier.


Autor:

Jochen Kalka, Chefredakteur
Jochen Kalka

ist jok. Und schon so lange Chefredakteur, dass er über fast jede Persönlichkeit der Branche eine Geschichte erzählen könnte. So drängt es ihn, stets selbst zu schreiben. Auf allen Kanälen.