Digital Out of Home :
Was von den Außenwerbe-Plänen von Google zu halten ist

Der Suchmaschinenkonzern Google plant laut einem Bericht der "Wirtschaftswoche" den Einstieg in die Außenwerbung. "Viel heiße Luft" urteilen Branchenkenner. 

Text: W&V Redaktion

Invidis: "Ein großer, nachhaltiger und erfolgreicher Markteintritt" von Google "wäre wirklich sehr überraschend."
Invidis: "Ein großer, nachhaltiger und erfolgreicher Markteintritt" von Google "wäre wirklich sehr überraschend."

Der Suchmaschinenkonzern Google will laut einem Bericht der "Wirtschaftswoche" das Geschäft mit Außenwerbung in Deutschland aufmischen. Auf der Basis von Nutzerdaten plane der Online-Werbeprimus Werbung auf digitalen Bildschirmen zu vermarkten, berichtet das Blatt am Freitag unter Berufung auf Branchenkreise

Google wollte sich auf Nachfrage der Wirtschaftswoche nicht zu den Plänen äußern. Die Aktie des Werbevermarkters Ströer geriet laut dpa jedoch unter Druck und verlor fast fünf Prozent an Wert.

Derzeit suche Google laut Wirtschaftswoche nach Partnern, die solche Displays bereits betreiben. Diese wolle Google mit seiner Vermarktungsplattform DoubleClick verbinden. Basis ist eine Technologie, die der Konzern im April vorgestellt hatte. Mit ihrer Hilfe kann die Google-Software Chrome Enterprise für die Vermarktung von Außenwerbung genutzt werden. 

Deutschlandweit gibt es mehr als 110.000 Werbebildschirme für Digital Out of Home. Das Geschäft ist eine Domäne der Vermarkter Decaux und Ströer. Die Kölner hatten im vergangenen Jahr mit Werbung auf öffentlichen Videobildschirmen 121 Millionen Euro umgesetzt - knapp 15 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Ein Markt, der teuer und mit langfristigen Verträgen erkauft ist, weshalb die auf Digital Signage und DOOH spezialisierte Consultingfirma Invidis auch Zweifel an einem Markteintritt von Google und damit dem Bericht der Wirtschaftswoche äußert. "Viel heiße Luft" urteilt das Unternehmen in einem Online-Beitrag. "Das Sommerloch ist in der Wirtschaftsberichterstattung angekommen." Neben altbekannten Fakten serviere der Bericht nur Gerüchte, etwa ein Interesse Googles an dem Werbenetz in Berlin, für das zurzeit eine Ausschreibung läuft. Eine Bestätigung dafür gebe es nicht. Fakt ist, die Ausschreibungsstrukturen in Berlin würden eine Bewerbung von Google zulassen.

Dennoch lautet das Fazit von Invidis: "Ein großer, nachhaltiger und erfolgreicher Markteintritt" von Google "wäre wirklich sehr überraschend."

Andere Branchenkenner deuten dagegen an, dass an den Google-Plänen durchaus etwas dran sein könnte. Und dass der Konzern mehrere Out-of-Home-Vermarkter bereits angesprochen hat, aber bislang wohl eine Abfuhr kassierte. (mit dpa)

Mehr über das Thema und den Digital-Out-of-Home-Markt lesen Sie in der W&V Nr. 35, die am 27. August erscheint. 


Autor:

W&V Redaktion
W&V Redaktion

Nicht alle W&V-Artikel erscheinen unter dem Namen eines einzelnen Autors. Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Artikel mit „W&V-Redaktion“ gekennzeichnet sind. Zum Beispiel, wenn mehrere Autoren daran mitgearbeitet haben oder wenn es sich um einen rein nachrichtlichen Text ohne zusätzliche Informationen handelt. Wie auch immer: Die redaktionellen Standards von W&V gelten für jeden einzelnen Artikel.