Mit Google-Ads gegen Islamfeindlichkeit

Eine andere Session, die mich sehr nachdenklich macht, ist die des Forschungsinstituts Yaqeen Institute. Das Yaqeen untersucht, wie sich Islamfeindlichkeit in den Medien und im Internet manifestiert, und wie man bestimmte Missverständnisse oder falsche Darstellungen über den Islam aufklären kann. Zeena Alkurdi, Director of Marketing, und Nida Khan, Creative Director, schildern, wie sie die Forschungsergebnisse von Yaqeen in Infographiken und Memes verwandeln, um in Social Media einen Gegenpol zu populistischen und Alt-Right-Bewegungen aufzubauen.

Yaqeen berichtet etwa von dem Begriff der "Taqiyya". In der islamischen Lehre ist damit gemeint, dass ein Moslem in einer lebensbedrohlichen Situation seinen Glauben und Glaubenspraktiken verheimlichen darf, um sein Leben oder das anderer zu retten. Rechte Propagandisten wenden diesen Begriff gegen Muslime: Sie stellen es so dar, als sei es ein islamisches Gebot, Nichtgläubige anzulügen. Gegen derartige Narrative anzukämpfen sei schwer, wenn die Algorithmen der Suchmaschinen, allen voran Google, die Propagandaseiten auf Grund des höheren Traffics und besserer Verlinkung besser bewerten, sagt Zeena Alkurdi. Eine Gegenmaßnahme des Yaqeen-Instituts ist darum: Man kauft Google Ads, um die Aufklärung über die islamische Lehre vor den Alt-Right-Seiten zu platzieren. Finde hier den Fehler im System…

Nasa meets Star Wars

Und dann sind da noch die Sessions, die einfach nur Spaß machen. In einem Panel sitzen vier Medienprofis von der Nasa und erklären, wie die Weltraumorganisation Filmproduktionen, Serien und Dokumentationen unterstützt. Allein 2018 waren das 174 Dokus, 58 TV-Sendungen und -Serien sowie 15 große Spielfilme. Besseres Content Marketing gibt es nicht: Jedes dieser Projekte ist eine Gelegenheit für die Nasa, auf Social Media, in Online-Magazinen und klassischen Medien Präsenz zu zeigen und für die Relevanz ihrer Arbeit und Forschung zu werben. Dabei sei inzwischen ein "Circle of Influence" entstanden, berichtet Joby Harris, Visual Designer bei der Nasa. Die Arbeit der Nasa inspiriere die Unterhaltungsbranche zu neuen Projekten. Und die Leute bei der Nasa lieben es, wenn ihre Arbeit in der Popkultur reflektiert wird; sie geben darum gerne die nötige Unterstützung.

Nasa-Roboter bilden zum Beispiel die Vorlage für Roboter in vielen Science-Fiction-Filmen. Das nutzt die Organisation, um sich an Kampagnen für Blockbuster wie Star Wars dran zu hängen. Zum Start des letzten Films lud die Nasa darum den Filmroboter BB-8 in ihr Jet Propulsion Lab ein. Und begeistert damit das Star-Wars-Publikum auf Youtube für ihre Arbeit in Robotik und Weltraumforschung. Es ist eine bemerkenswerte PR-Erfolgsgeschichte, die die Nasa da hingelegt hat: Immerhin galt die Organisation noch vor 15 Jahren, nach dem Absturz des Columbia-Spaceshuttles, als mehr oder weniger erledigt. Dank offener, transparenter und positiver Kommunikation (und cleverem Marketing) auf allen Kanälen ist die Behörde inzwischen wieder einer der beliebtesten Arbeitgeber auf diesem Planeten. Und einer der coolsten Teilnehmer auf der SXSW.


Autor:

Moritz Meyer

Moritz Meyer (Jg. 1981) schreibt hauptsächlich über Online-Video und den digitalen Wandel. Er war schon so häufig im Internet, dass er aus Versehen mal in einem Video von Y-Titty gelandet ist. Wenn er nicht auf Burgen lebt, trifft man ihn meist in Köln. Fun Fact: Liest immer noch Comics von den Teenage Mutant Ninja Turtles.