Blockchain-Protokoll von Burda und Ringier:
Kilt soll Facebook und Google die Stirn bieten

Botlabs, eine Beteiligung von Hubert Burda Media und Ringier, veröffentlicht Kilt: Das Blockchain-Protokoll erlaubt es Firmen und Institutionen, Echtheit zu zertifizieren.

Text: W&V Redaktion

Ingo Rübe, Botlabs (l.), Philipp Welte, Burda.
Ingo Rübe, Botlabs (l.), Philipp Welte, Burda.

"Kilt bringt Vertrauenswürdigkeit ins Internet zurück": So vollmundig kündigen Hubert Burda Media und Ringier das Blockchain-Protokoll Kilt an, das ihre gemeinsame Beteiligung Botlabs vorstellt. Kilt ist ein open-source-basiertes Protokoll, das es Firmen und öffentlichen Institutionen erlaubt, die Echtheit von Identitäten, Daten oder Produkten zu zertifizieren.

Das frei verfügbare Programm erlaubt es, dezentrale Netzwerke aufzubauen. Mit Kilt können "eigene Anwendungen entwickelt werden, die vollständige Datensouveränität ermöglichen und Datenmissbrauch sowie Betrug ausschließen", heißt es in der Unternehmensmitteilung. Die Daten werden dezentral gespeichert und bleiben unter der kompletten Kontrolle des Nutzers. Damit sei Kilt "resistent gegen Angriffe, Manipulation und Datenverluste".

Ausdrücklich präsentieren die Macher Kilt als "Alternative zu den Datensilos monopolistischer Plattformen", formuliert es Philipp Welte, Vorstand von Hubert Burda Media: "Bei rasant fortschreitender Digitalisierung aller Lebensbereiche ist der Welt das Vertrauen in Informationen und Daten aus dem Internet weitgehend abhandengekommen." Das neue Blockchain-Protocol attestiere Menschen, Produkten und Informationen dagegen eine zweifelsfreie digitale Identität.

Anwendungsbeispiele nennt Robin Lingg, Head International Marketplaces Ringier: "Für Unternehmen tun sich zahlreiche spannende Geschäftsmodelle entlang des 'Trust-Factors' und der digitalen Souveränität auf. Beispiele für die Anwendung des Kilt-Protocols sind etwa Zugangsdaten und Identifikationsprozesse für Bankkunden (KYC Know your Customer), die Zertifizierung von Produkteigenschaften oder die Verifizierung vertrauenswürdiger Nachrichten, was speziell für Medienunternehmen interessant ist."

Analoges Prinzip in der digitalen Welt

Die Idee hinter Kilt basiert auf dem Ausstellen und Vorzeigen offiziell gültiger Dokumente, übertragen in die digitale Welt: Das attestierte Dokument wird direkt beim User gespeichert. Derjenige, dem er das Dokument später vorzeigt, kann mit Hilfe der Blockchain und der Reputation des Ausstellers überprüfen, dass es echt und vertrauenswürdig ist.

Die Sicherheit sei aufgrund der Blockchain gewährleistet, bei der Datenketten auf verschiedenen Computern kopiert werden. Die Kilt-Blockchain speichere darüber hinaus nach Angaben der Verantwortlichen nicht die Informationen über die Nutzer, sondern lediglich Prüfsummen, um die Privatsphäre zu schützen.

Ingo Rübe, Gründer und Geschäftsführer der Botlabs: "Alle Anwendungen, die auf Kilt basieren, verzichten auf die monopolistischen Gatekeeper, die wie eine Mauer zwischen Unternehmen und Konsumenten stehen und riesige Datenmengen in nur ihnen zugänglichen Silos horten. Kilt-Anwendungen haben das Potenzial, das Internet so demokratisch zu strukturieren, wie es ursprünglich konzipiert wurde. Denn das Protokoll ermöglicht, dass Akteure, die sich in der analogen Welt nicht kennen, im Internet einander wieder vertrauen können."

Der Open-Source-Demo-Client steht zum Download zur Verfügung.

Botlabs wurde 2018 vom Informatiker und Burda-CTO Ingo Rübe und Hubert Burda Media gegründet. Im Oktober 2018 beteiligte sich zusätzlich die Ringier AG an dem Blockchain-Start-up.


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