2. Prozesse alleine reichen nicht - Führungskräfte müssen Vorbilder im digitalen Wandel werden wollen

Beschlossene Maßnahmen zur Gestaltung der Digitalisierung umzusetzen ist ein essenzieller Schritt - reicht aber bei weitem nicht aus. Wichtig für das Gelingen des digitalen Wandels ist die Rolle, die Führungskräfte im Alltag einnehmen. Noch viel mehr, als bei alltäglichen Projekten und Prozessen, müssen Führungskräfte echte Vorbilder sein und auch sein wollen.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden viele Fragen stellen und Zweifel äußern, hier sind Chefs gefragt, die Visionen vermitteln und neue Denkmuster vorleben. Das bedeutet für Führungskräfte ein hohes Maß an Bereitschaft zur Veränderung und ein proaktives Hinausschauen über den Tellerrand des bisherigen Berufsalltags. Sie können nicht verlangen, von Beratungen oder durch den Vorstand Blaupausen und Muster vorgelegt zu bekommen, nach denen sie handeln können. Sie müssen selbst in der Lage sein, Lösungen und Wege zu erkennen. Denn nur wenn sie selbst fundierte Bewertungskompetenzen entwickeln, können sie diese an ihre Mitarbeiter weitergeben. Der digitale Wandel wird die wahren Führungsqualitäten – vor allem auch aus unternehmerischer Sicht – von Chefs in Unternehmen deutlicher zeigen als zuvor.

3. Digitale Kompetenz darf kein Herrschaftswissen bleiben - Mitarbeiter müssen in die Gestaltung des Wandels von Tag Eins mit einbezogen werden

Auch wenn digitaler Wandel bei Führungskräften beginnt, so hört er dort in keinem Fall auf. Führungskräfte müssen Freiräume und Programme ermöglichen, um Mitarbeiter ebenfalls mit Thematiken rund um den digitalen Wandel vertraut zu machen.

Für Mitarbeiter eines Unternehmens bedeutet das vor allem, die Fähigkeit zur Veränderung. Sich neue Tools in kurzer Zeit anzueignen und sich schnell an neue Prozesse anzupassen, sie zu adaptieren und sie mitzugestalten, kurz offen zu sein für Veränderungen, wird heute mehr und mehr zu einer der wichtigsten Kernkompetenzen. Am Ende müssen sie verstehen, warum Umstrukturierungen, die Bildung neuer Teams oder Investitionen in digitale Programme dafür sorgen, dass es dem Unternehmen gut geht.

4. Alte Kennzahlen müssen hinterfragt werden - Digitaler Wandel braucht eigene KPIs

Führungskräfte sind noch immer stark von Kennzahlen geprägt, die das Management in der analogen  Zeit ausgemacht hat. Eine zentrale Kennzahl ist dabei beispielsweise die Arbeitszeit oder der Beitrag zum aktuellen Kerngeschäft des Unternehmens. Ist die Arbeitszeit jedoch noch immer die zentrale Größe zur Bewertung der Leistung, oder ist es mit Unterstützung digitaler Tools nicht viel mehr die Lösung von Problemen? Management muss genau schauen, welchen Beitrag Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wirklich leisten sollen und dazu gehört es heute auch, Freiräume zum Anstoßen neuer Projekte und Ideen zu sein, die vielleicht in Zukunft das Kerngeschäft prägen werden.

Ein gutes Management ist dasjenige, das die Voraussetzung für diese neuen Gegebenheiten schafft: kollaborative Arbeitsweisen, agile Projektführung, Offenheit gegenüber neuen Technologien und technischen Lösungen für den Arbeitsalltag und digitale Kompetenzen zu entwickeln.

5. Digitalisierung ist kein Selbstzweck - Wie zahlen Maßnahmen auf die Strategie des Unternehmens ein?

Oft werden Maßnahmen zur Bewältigung digitaler Herausforderungen unter dem Motto umgesetzt, um am Ende nicht dem Vorwurf ausgesetzt zu sein, nichts getan zu haben.

Viele Acceleratoren, Intrapreneurship-Programme oder große Reisen ins Silicon Valley halten der Frage nicht stand: Welches Problem lösen wir damit konkret?

Führungskräfte müssen es schaffen, im ersten Schritt eine Strategie zu erschaffen, die ein klares Bild einer digitalen Zukunft zeichnet. Sie müssen in Diskussionen auf den Fluren aber auch in der Öffentlichkeit stets in der Lage sein, Maßnahmen zu argumentieren und zu verteidigen. Nur dann ist es möglich, das ganze Unternehmen mitzunehmen.

6. Digitaler Wandel kann nicht verordnet werden - es ist am Ende eine Frage der Unternehmenskultur

Digitaler Wandel stellt völlig neue Anforderungen an das, was klassischerweise unter Führung verstanden wird. Es geht nicht darum, Maßnahmen zu verordnen und Entscheidungen von oben in die Belegschaften zu geben. Ziel einer guten und erfolgreichen digitalen Führung muss es sein, eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der digitaler Wandel täglich gelebt wird - auf jeder Ebene eines Unternehmens. Nur so entstehen Projekte und Ideen - die die Zukunft von Unternehmen sichern können. Der digitale Wandel vollzieht sich zu schnell, als dass er auf den Schultern weniger Manager gestaltet werden kann.

Paulina Habben ist Head of Digital Culture bei der Berliner Digitalberatung RCKT.


Autor:

W&V Leserautor

W&V ist die Plattform der Kommunikationsbranche. Zusätzlich zu unseren eigenen journalistischen Inhalten erscheinen ausgewählte Texte kluger Branchenköpfe. Einen davon haben Sie gerade gelesen.