Samsung-Trendreport :
Barcelona oder Biergarten: So wollen wir in Zukunft arbeiten

Flexibles Arbeiten wünschen sich viele, aber wie sieht es in der Praxis aus? Davon erzählen digitale Pioniere wie Magdalena Rogl, Teresa Bücker und Holger Schmidt. Pannen inklusive.

Text: Annette Mattgey

Unter dem Schlagwort #NewOfficeRoutines sammelt Samsung nicht nur die neuesten Studienerkenntnisse zum Wandel der Arbeitswelt, sondern lässt auch Menschen, die jetzt schon einen mobilen und flexiblen Arbeitsalltag leben, zu Wort kommen. Der Trendreport beleuchtet umfassend, welche Folgen die technischen und gesellschaftlichen  Veränderungsprozesse mit sich bringen. Er soll dazu inspirieren, sich mit den vielfältigen Möglichkeiten moderner Arbeitskonzepte auseinanderzusetzen und aktiv den Arbeitsplatz der Zukunft mitzugestalten.

24/7 ist nicht schlimm

"Ich unterscheide nicht mehr zwischen Privatleben und Beruf", sagt Magdalena Rogl, Head of Digital Channels bei Microsoft im Interview. Für die Patchwork-Mutter bringt Always-on durchweg Vorteile. Die Arbeit liegt in der Cloud, die Mails sind ständig verfügbar. So nutzt sie auch nervige Wartezeiten, etwa beim Kinderarzt. "Ich bin rund um die Uhr online; da kann es durchaus passieren, dass ich um 23 Uhr am Abend noch eine Mail schreibe. Gleichzeitig shoppe ich während der 'regulären' Arbeitszeiten aber auch mal im Internet oder mache Erledigungen. Für mich ist das keine Last, sondern ein Segen." Im Endeffekt gilt das auch für den Arbeitgeber. Denn jetzt kann jeder Kollege dann arbeiten, wenn er am produktivsten ist. Ganz ohne Pannen geht es auch bei Magdalena Rogl nicht ab, etwa wenn die Skype-Konferenz unerwartet per Kamera stattfinden soll, sie aber noch nicht angezogen ist.

Paradigmenwechsel wagen

Viele Unternehmen kommen sich schon fortschrittlich vor, wenn sie Home Office anbieten. Dabei geht es um mehr, meint Personalexpertin und Bloggerin Simone Janson (Berufebilder). "Man sollte bedenken, dass feste Arbeitszeiten und Arbeitsorte Vermächtnisse aus dem Industriezeitalter sind. Diesen 9-to-5-Rhythmus brauchen wir in der Informationsgesellschaft aber nicht mehr. Der Gedanke, dass Erfolg dahingehend gemessen wird, wie lange ein Mensch arbeitet, ist einfach überholt. Wir sollten Arbeit nicht einfach nur nach Hause transferieren, sondern grundsätzlich überdenken."

Netzökonom Holger Schmidt betont noch einen weiteren Aspekt: "Arbeitnehmer wünschen sich von ihrem Workplace-Modell vor allem flexiblere Arbeitszeiten, standortunabhängigen Datenzugriff, schnelle Netzwerkanbindung, papierloses Arbeiten und weniger Präsenzpflicht. Im Wettbewerb der Unternehmen um die besten digitalen Köpfe werden diese Faktoren neben der Qualität der Aufgabe, der Vergütung und dem Arbeitsumfeld als wesentliche Faktoren für die Wahl eines Arbeitgebers an Bedeutung gewinnen."

Neben Magdalena Rogl, Holger Schmidt und Simone Janson berichten die Bloggerinnen Vreni Frost und Sonja Köllinger von Tech and the City, Melanie Petersen von t3n (sie war einige Monate in Barcelona), Rudolf Pütz von Vitra, und Teresa Bücker von Edition F von ihren individuellen Erfahrungen mit neuen Arbeitsroutinen.

Martin Böker, Director B2B Samsung Electronics, findet, dass Unternehmen vor allem eines brauchen: den Mut, Dinge umzusetzen. "Moderne Technologien, die uns dazu befähigen, die Potenziale dieser neuen Welt voll auszuschöpfen, sind bereits da – es braucht nur noch den Mut, sie auch zu nutzen."

Das wird die Arbeitswelt der Zukunft prägen: 5 Thesen von Martin Böker

1. Kreativität und freies Denken sind die Kernkompetenzen von morgen

Innovative Technologien und künstliche Intelligenz werden gerade in Branchen wie  Retail, Telekommunikation oder Logistik zu Veränderungen führen. Sie werden Menschen entlasten, indem sie alltägliche und speziell repetitive Aufgaben übernehmen, man denke nur an die Vielzahl an Chatbots, die bereits heute im Bereich Onlinehandel zum Einsatz kommen. Die wachsende Rolle der Technologie in analytischen, planerischen und repetitiven Prozessen lässt menschliche Urteilskraft und kreatives Denken zu zentralen Merkmalen bei der Suche nach neuen Talenten werden.

2. Freelance-Modelle verbreiten sich und erfordern "phygitalen" Schutz

Der globale Arbeitsmarkt für freie Mitarbeiter wird laut Studienergebnissen des Open Economy Reports bis 2020 rund zehn Milliarden US-Dollar wert sein. Was heute oftmals unter dem Begriff der Gig-Economy gefasst wird, bedeutet einen tiefgreifenden Wandel der Arbeitswelt und eine Abkehr vom Modell der klassischen Festanstellung.

Insbesondere in der Kreativindustrie ist dies längst ein klarer Trend. Dieser wird zukünftig auch andere Branchen erfassen und dabei auch neue Herausforderungen mit sich bringen: So müssen sich Unternehmen beispielsweise damit auseinandersetzen, wie Datenschutz gewährleistet werden kann, wenn man mit Freelancern arbeitet, die für unterschiedliche Unternehmen tätig sind.

Hinzu kommen neue Anforderungen an die physischen und digitalen Arbeitsplätze: Zentrale Zugangs- und Berechtigungsmanagement-Systeme müssen im gesamten Unternehmen klar definieren, wer wie lange und zu welchen Räumlichkeiten und Dateien Zugriff erhält. Dieser "phygitale" Schutz wird Unternehmen in Zukunft immer mehr beschäftigen – man denke neben den Freelancern nur an die Vielzahl an Kunden, Partnern oder Lieferanten aus aller Welt,

3. Etablierung der mobilen Arbeit

Bis 2020 wird fast die Hälfte der Arbeitnehmer ortsunabhängig arbeiten, in kleinen Unternehmen soll die Anzahl sogar auf 70 Prozent ansteigen. Damit wird laut Open Economy Report mobilen Lösungen, die ortsunabhängiges produktives Arbeiten ermöglichen, eine zentrale Rolle in der Arbeitswelt von morgen zufallen. Diese Entwicklungen sind schon heute deutlich spürbar: Für zahlreiche Arbeitnehmer gehört das vernetzte Arbeiten unter Verwendung moderner Collaborations-Tools, die beispielsweise Instant Messaging oder Videoanwendungen in Echtzeit bieten, zum Alltag. Immer mehr Führungskräfte leiten ihre Teams "remote" und persönliche Feedbackgespräche via Skype sind schon längst keine Seltenheit mehr.

4. Wandel im HR-Management

Ein Verständnis für das Zusammenspiel der menschlichen und digitalen Welten ist in der "Open Economy" nicht mehr nur eine Option, sondern eine Kernkompetenz. Die Integration einer neuen, flexiblen Generation an Mitarbeitern erfordert versierte HR-Verantwortliche, die ein Verständnis sowohl für Technologie (Möglichkeiten von Automatisierung und künstlicher Intelligenz), als auch für den Trend hin zu größerer Autonomie von Mitarbeitern verfügen.

5. Weg von prozessgetriebenen Strukturen, hin zum offenen Führungsstil

Traditionelle, hierarchisch organisierte Managementstrukturen und -strategien werden von der heranwachsenden "digital workforce" mit wachsender Skepsis gesehen oder gar vollständig abgelehnt. Führungsstile, die sich über feste Prozesse, starre Zielvorgaben und Kontrolle definieren, werden durch neue dezentralere Organisations- und Teamstrukturen ersetzt, die einzelnen Mitarbeitern größere Freiräume geben. Bereits heute zeigt sich unter deutschen Führungskräften eine Abkehr vom klassischen Kontrolldenken hin zu mehr Souveränität des Individuums.


Autor:

Annette Mattgey, Redakteurin
Annette Mattgey

Seit 2000 im Verlag, ist Annette Mattgey (fast) nichts fremd aus der Marketing- und Online-Ecke. Für Markengeschichten, Kampagnen und Karriere-Themen hat sie ein besonderes Faible. Aus Bayern, obwohl sie "e bisi anners babbelt".