Linkedin-Analyse :
Das meistgehasste Wort bei Personalern

Wenn die HR-Manager ein Unwort des Jahres bestimmen sollten, dann wäre es "spezialisiert". Es wird ebenso inflationär gebraucht wie "erfahren" und "Expertenwissen".

Text: Annette Mattgey

Barbara Wittmann, Direktorin für den Bereich Rekrutierungslösungen und Mitglied der Geschäftsleitung bei LinkedIn Deutschland, Österreich, Schweiz.
Barbara Wittmann, Direktorin für den Bereich Rekrutierungslösungen und Mitglied der Geschäftsleitung bei LinkedIn Deutschland, Österreich, Schweiz.

Im Januar ist der Arbeitsmarkt besonders in Bewegung, Jobsuchende und Recruiter sind gleichermaßen auf der Suche. Die wird allerdings erschwert, wenn sich die Selbstbeschreibung der Kandidaten gleicht wie ein Ei dem anderen. Linkedin hat auch in diesem Jahr auf Basis seiner weltweit mehr als 530 Millionen Nutzerprofile die zehn Schlagwörter ermittelt, die in Profilen besonders häufig benutzt werden. Im Vergleich zum vergangenen Jahr hält sich der Spitzenreiter "spezialisiert" hartnäckig auf Platz eins, dahinter landen "erfahren" und "Expertenwissen", die "Führungsqualitäten" (Platz vier) und "strategisch" (Platz acht) vom Treppchen stoßen.

Die Top 10 der meist genutzten
Schlagwörter in Deutschland

 

Die internationalen Top 10 der meist
genutzten Schlagwörter

  1. spezialisiert
  2. erfahren
  3. Expertenwissen
  4. Führungsqualitäten
  5. leidenschaftlich
  6. qualifiziert
  7. innovativ
  8. strategisch
  9. kreativ
  10. motiviert
  1. spezialisiert
  2. erfahren
  3. qualifiziert
  4. Führungsqualitäten
  5. leidenschaftlich
  6. Expertenwissen
  7. motiviert
  8. kreativ
  9. strategisch
  10. fokussiert

 

Die Mühe lohnt sich

"Um HR-Spezialisten ins Auge zu stechen, sollte das eigene Profil positiv aus der Masse herausragen. Deswegen gilt es für Linkedin-Mitglieder, dem ersten Impuls zu widerstehen, sich mit positiv besetzten Buzzwords zu schmücken. So läuft man Gefahr, von Recruitern in eine Schublade gesteckt zu werden", sagt Barbara Wittmann, Direktorin für den Bereich Rekrutierungslösungen und Mitglied der Geschäftsleitung bei Linkedin Deutschland, Österreich, Schweiz. "Die richtigen Worte zu finden, welche die eigene Person treffend beschreiben, kostet Zeit und Energie. Doch es lohnt sich. Denn Personalvermittler suchen häufig nach fachspezifischen Schlagworten, die eben nicht mit den klassischen Buzzwords abgedeckt werden. So steigt die Chance auf den richtigen Job deutlich."

Auch bei Job-Profilen gibt es Moden

Die diesjährigen Buzzwords zeigen, dass Linkedin-Mitglieder ihre Profile auf den Fachkräftemangel in Deutschland getrimmt haben. Die Top drei bestehen dieses Jahr aus Beschreibungen, die Spezialwissen implizieren. Begriffe, welche die eigenen Fähigkeiten beschreiben – wie "Führungsqualitäten", "strategisch" oder "kreativ" – werden hingegen weniger häufig verwendet als vergangenes Jahr.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Berufsgruppen wider. Personaler, Marketingfachleute und Vertriebsmitarbeiter geben allesamt ebenfalls an, "spezialisiert" zu sein. Während Personaler dies auch schon im vergangenen Jahr getan haben, waren Marketingfachleute 2016 noch überwiegend "strategisch" und Vertriebsspezialisten hatten "Führungsqualitäten".

"Ein Online-Profil einzusetzen, um seine Bewerbung zu ergänzen, ist heutzutage auf jeden Fall der richtige Weg", sagt Wittmann weiter. "Allerdings sollten sich Mitglieder vorher genau Gedanken darüber machen, welche Schlagworte wirklich auf die eigene Person zutreffen. Um sich als Spezialist zu positionieren, sollte das gesamte Profil darauf abgestimmt sein."

Mit diesen Tipps erhöhen Sie Ihre Chancen:

Charakter zeigen. Das eigene Linkedin-Profil sagt viel über den Nutzer aus. Es gilt daher, selbstbewusst und konkret in Bezug auf die eigenen Erfolge zu sein. Scheuen Sie sich nicht, Ihrer Sprache etwas Persönlichkeit zu geben – es ist die perfekte Gelegenheit, Charakter auszudrücken. Aber bitte nicht vergessen, stets einen professionellen Ton zu wahren.

Nicht nur Worte sprechen lassen. Anstatt davon zu erzählen, wie kreativ Sie sind, hilft es, dem Personalvermittler an dieser Stelle Präsentationen, Videos, Gestaltungsarbeiten oder Projekte zu präsentieren. Denken Sie daran, dass Sie sich aus einer Vielzahl von potenziellen Kandidaten abheben möchten. In nur fünf bis zehn Sekunden muss ein potenzieller Arbeitgeber beeindruckt sein, wenn er ein Profil besucht.

Werden Sie aktiv. Es geht nicht nur darum, was in einem Profil steht. Proaktivität ist der Schlüssel zum Aufbau eines Netzwerks. Folgen Sie Unternehmen, für die Sie gerne arbeiten würden. Kontakte knüpfen, Gruppen beitreten und an Diskussionen beteiligen: Ein aktives Profil zeigt den Personalvermittlern, dass Sie in Ihrem fachlichen Wissen auf dem neuesten Stand sind.

Äußern Sie Ihre Meinung. Wenn "Expertenwissen" eines der in Ihrem Profil verwendeten Wörter ist, teilen Sie doch einen Beitrag auf Linkedin. Indem Sie Ihre Meinung über branchenbezogene Angelegenheiten teilen, zeigen Sie, dass Sie wirklich fachkundig und gut informiert sind.


Autor:

Annette Mattgey, Redakteurin
Annette Mattgey

Seit 2000 im Verlag, ist Annette Mattgey (fast) nichts fremd aus der Marketing- und Online-Ecke. Für Markengeschichten, Kampagnen und Karriere-Themen hat sie ein besonderes Faible. Aus Bayern, obwohl sie "e bisi anners babbelt". 


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