US-Agenturen :
Honorare für Freelancer explodieren

Steigerungen von 20 bis 50 Prozent registrieren viele US-Agenturen seit 2016 bei den Freelancer-Honoraren. Ein Grund: Die Zunahme des Projektgeschäfts.

Text: Franz Scheele

US-Agenturen müssen mehr für Freie zahlen.
US-Agenturen müssen mehr für Freie zahlen.

Da viele US-Agenturen zunehmend Projektaufträge übernehmen, greifen sie vermehrt auf Freiberufler zurück, um die zeitlich befristeten Aufgaben bewältigen zu können. Doch dies hat seinen Preis. Denn die Freelancer-Honorare scheinen in den USA seit einiger Zeit kräftig zu steigen, wie der Blog "Digiday" berichtet. Und dies in nahezu allen Arbeitsbereichen – von Strategen über Kreative bis zu den Entwicklern.

So sieht die Digitalagentur We Are Social auffällige Honorarsteigerungen bei den freien Strategen, die inzwischen Honorare von 750 bis 1500 Dollar pro Tag verlangten – abhängig von der Art der strategischen Aufgabe. Die Marken- und Designagentur Fine registriert dagegen stark steigende Honorare bei den freien Entwicklern, da hier die Nachfrage besonders hoch sei und Entwickler auch gutbezahlte Posten in Inhouse-Agenturen finden könnten. Die Steigerungsrate liege in diesem Bereich bei 20 und mehr Prozent.

Die Agentur DNA Creative wiederum berichtet von Honoraren für freie Kreativdirektoren in Höhe von 1500 bis 3000 Dollar pro Tag. Bis vor wenigen Jahren sei hier die Marke von 2000 Dollar nie überschritten worden. Auch bei den sonstigen Kreativen liege die Honorarsteigerung seit 2016 bei 30 bis 50 Prozent. Noch teurer werde es, wenn Freie über Spezialagenturen engagiert würden, denn dann kämen nochmals bis zu 10 Prozent an Gebühren hinzu.

Verursacht würden die steigenden Honorare unter anderem dadurch, dass immer mehr Unternehmen Kreativaufgaben inhouse erledigten und Agenturen nur noch mit spezifischen Projekten beauftragen würden, erklärt Justin Gignac, Mitgründer des Freelancer-Networks Working Not Working, gegenüber Digiday. Die Möglichkeiten für und die Nachfrage nach kreativem Talent habe dramatisch zugenommen.

Doch nicht alle Agenturen sind offenbar bereit, ohne Weiteres auf die höheren Honorarforderungen der Freelancer einzugehen. Wieden + Kennedy beispielsweise beschäftigt zwischen 10 und 20 Freie pro Monat in ihren Kreativ- und Designteams. Doch laut Director of Creative Recruiting Lauren Ranke zahlt die Agentur Freelancern nur dann höhere Honorare, wenn sie entsprechende Arbeiten nachweisen und zugleich etwas anbieten können, das kein anderer kann. Sie habe die Erfahrung gemacht, so Ranke, dass es unter den Freelancern viele mit zwar ordentlichen, aber nicht unbedingt herausragenden Arbeiten gebe.


Autor:

Franz Scheele
Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.