Denn Pro Quote hat nicht nur geguckt, wie viele Frauen in Leitungspositionen arbeiten, sondern auch den sogenannten Frauenmachtanteil ermittelt. Dafür wird gewichtet, auf welcher hierarchischen Ebene Frauen Verantwortung haben - ganz oben zählt mehr als etwas weiter unten. Beim Frauenmachtanteil kommt die Deutsche Welle auf 51,9 Prozent, der RBB auf 51,0 Prozent - klare Spitzenpositionen im Pro-Quote-Ranking.  Auch WDR (44,6 Prozent), NDR (40,1 Prozent) und ZDF (39,4 Prozent) befinden sich auf dem Weg zu einer ausgeglichenen Teilhabe der Geschlechter in Spitzenpositonen. Die Führungsebenen kleinerer Anstalten wie Radio Bremen (32,2 Prozent), Saarländischer Rundfunk (25,6 Prozent) und Deutschlandradio (24,3 Prozent) sind hingegen noch weitgehend männlich geprägt.

Aber auch in anderen Bereichen im Rundfunk sind Frauen der Studie zufolge unterrepräsentiert: Von den Auslandsberichterstattern beispielsweise seien nur 31,6 Prozent weiblich, bei den "Tagesthemen"-Kommentaren seien im vergangenen Jahr 37,6 Prozent von Frauen gesprochen worden. Die Kontrollgremien seien ebenfalls mehrheitlich mit Männern besetzt. In den Rundfunkräten liege der Frauenanteil bei 41,5 Prozent, in den Verwaltungsräten bei 38,5 Prozent.

Angaben zu Privatsendern macht die Studie nicht. Weder die RTL-Gruppe noch ProSiebenSat.1 ließen sich beim Thema Frauenanteil in Führungspositionen ausreichend in die Karten schauen. Die Informationen, die Pro Quote zur Verfügung gestanden hätten, legten aber nahe, dass Frauen dort noch stärker unterrepräsentiert seien als zum Beispiel bei ARD und ZDF.

ZDF-Chefredakteur Peter Frey wies darauf hin, dass Aufstieg immer auch mit Mobilität und Flexibilität zu tun habe. "Und an der Stelle kommen wir auch zu Problemen, von denen Frauen offenbar mehr betroffen sind als Männer. I hate to say it, dass ich immer wieder in die Situation komme, dass Frauen, denen ich bestimmte Führungspositionen anbiete, sagen: Es geht nicht, mein Mann zieht nicht mit, die Kinder sind in der zwölften Klasse." Das begegne ihm bei Frauen öfter als bei Männern. Wie das kommt? Das liege nicht zuletzt daran, dass begleitende Partner weniger bereit seien, Zugeständnisse zu machen als begleitende Partnerinnen, sagte Frey.

dpa


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W&V Redaktion
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