Zu den Ursachen der aktuellen Situation gehören allerdings nicht allein fehlende Qualifikationen der potenziellen Bewerber, sondern laut Bitkom auch deren Gehaltsforderungen. So geben 76 Prozent der Unternehmensvertreter an, dass die Bewerber "zu viel Gehalt" forderten. Wie weit die Schere zwischen Angebot und Nachfrage auseinander klafft, hatte der Bitkom in seiner Umfrage allerdings nicht ermittelt.

IT-Fachkräfte hätten beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt und könnten sich ihren Job in der Regel aussuchen, sagte Rohleder. "Das führt dazu, dass gute Kandidaten für viele Unternehmen kaum zu bezahlen sind." Die besten Chancen haben demnach Software-Entwickler, gefolgt von Projektmanagern und Anwendungsbetreuern. Einen aufsteigenden Trend gibt es bei den vergleichsweise neuen Profilen Data Scientist (7 Prozent) und Virtual Reality Designer (6 Prozent). "Die IT-Berufe differenzieren sich immer weiter aus und es entstehen immer neue Berufsbilder", sagt Rohleder.

Die hohen Gehaltserwartungen seien vor allem für viele mittelständische Unternehmen sowie die öffentliche Hand eine große Herausforderung, sagte Rohleder. Doch das ist nicht das einzige Problem: Vier von zehn (38 Prozent) bemängeln fehlende fachliche Qualifikation, ein gutes Drittel (35 Prozent) vermisst Soft Skills wie etwa Sozialkompetenzen. Erst danach rangieren mangelhafte Testergebnisse im Auswahlverfahren (24 Prozent).

IT-Fachkräfte mit guter Ausbildung ziehe es dann voraussichtlich eher zu größeren Unternehmen oder zu Niederlassungen amerikanischer Konzerne. Hiesige Arbeitgeber versuchten aktuell, ihre Arbeitsplatzangebote etwa durch flexible Arbeitszeiten attraktiv zu gestalten.

So suchen Unternehmen nach Kandidaten

Bei der Personalsuche allgemein setzen die Unternehmen vor allem aufs Internet. Neun von zehn (92 Prozent) veröffentlichen Job-Angebote auf der eigenen Webseite beziehungsweise einer zugehörigen Karriereseite. Sieben von zehn (70 Prozent) suchen über die Arbeitsagentur nach Mitarbeitern, etwa ebenso viele (69 Prozent) verlassen sich auf persönliche Kontakte. Jedes zweite Unternehmen nutzt Online-Stellenbörsen (51 Prozent) oder Business-Netzwerke wie Linkedin oder Xing (50 Prozent), jedes vierte Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter (28 Prozent). Für das künftige Recruiting werden in den Erwartungen der Unternehmen Online-Medien und direkte Kontakte immer wichtiger. An Bedeutung gewinnen werden zudem Online-Stellenbörsen wie Monster oder Stepstone (69 Prozent), Karrieremessen (61 Prozent), Personalvermittlungen beziehungsweise Headhunter (54 Prozent) und Kooperationen mit Hochschulen und deren Netzwerken (51 Prozent). Dagegen werden klassische Kanäle wie Zeitungen (87 Prozent), Fachmagazine (70 Prozent) und Arbeitsagentur (45 Prozent) an Bedeutung verlieren, prognostizieren die Unternehmen.


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W&V Redaktion
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