Wie sind Sie zu dieser Aufgabe gekommen?

Angefangen habe ich meine berufliche Laufbahn als Online-Marketing- und -Media-Spezialist in der klassischen Werbung in den 2000er Jahren. Damals waren die einzelnen Disziplinen des E-Commerce noch stärker ausdifferenziert und ich habe gelernt, Maßnahmen zur Absatzförderung im E-Commerce zu entwickeln. In dieser Rolle bin ich auch zu meinem aktuellen Arbeitgeber gekommen. Inzwischen haben aber alle gelernt, dass du Technologie im E-Commerce nicht sinnvoll entwickeln kannst, wenn du die Absatzziele nicht verinnerlicht hast. So bin ich praktisch Teil eines Technik-Teams geworden. Online verkaufen konnte ich schon vorher, die Technik habe ich mir nachträglich draufgeschafft – und jetzt bin ich eben Übersetzer, der diese Welten verbindet.

Welche Eigenschaft hilft Ihnen im Alltag am meisten? Warum? 

Vermutlich eine gewisse Beharrlichkeit. Ich will verstehen, wie die Dinge zusammenhängen, und ich gebe nicht auf, bis ich es verstanden habe. Ich gebe mich nicht mit oberflächlichem Bullshit-Bingo zufrieden, weil ich finde, in der Sache hilft das niemandem, wenn du messbare Ergebnisse erzeugen sollst. Also bohre ich nach – bei meinen Kunden genauso wie bei meinen Entwicklungsteams, die allerdings mittlerweile auch schon viel mehr aus Kundensicht denken und arbeiten. Ich glaube, das war und ist für beide manchmal anstrengend – aber ich glaube und hoffe, beide wissen das am Ende auch zu schätzen, weil es uns alle besser machen soll.

Schildern Sie möglichst anschaulich ein Projekt, das Sie besonders begeistert hat.

Das Schöne an meinem Job ist ja, dass unser Erfolg messbar ist. Im vergangenen Jahr haben wir für einen meiner Kunden einen Konfigurator entwickelt, weil das Produkt an sich über die typischen Bausteine eines Online-Shops nicht so gut zu verkaufen ist. Dem Ganzen ging eine recht umfassende Analysephase voraus – wir waren zunächst mal nur mit dem "Problem" konfrontiert und haben dann geschaut, was der Wettbewerb macht, was in vergleichbaren Branchen funktioniert und dann diese Idee ausgeheckt und vorangetrieben. Die Entwicklung war recht aufwändig und hat vergleichsweise lange gedauert – und als der Konfigurator live war, sind die Umsätze wirklich sprunghaft angestiegen. Wenn du dann in die Analytics-Daten guckst und das siehst, dann bekommst du schon Kribbeln im Bauch. Ich jedenfalls.

Was ist Ihnen in Ihrem Job am wichtigsten? Was macht am meisten Spaß?

Eigentlich wie in den vermutlich meisten Jobs: Es geht um Wirksamkeit. Wenn du offensichtlich wirksam bist, mit dem, was du tust, dann ist das sehr befriedigend. Wenn du dir den A… aufreißt und am Ende nichts dabei herauskommt, schiebst du Frust. Dass ich nur im Team mit Kunden und Kollegen diese Wirksamkeit erreichen kann, ist aus meiner Sicht selbstverständlich. Daher ist die typische Floskel "Teamwork" für mich auch eher eine Art Bullshit-Bingo. Natürlich Teamwork – was sonst?

Mein Job ist unverzichtbar, weil …

Software – ganz egal welche – langfristig nur durch agile Methoden effektiv weiterentwickelt werden kann. Hersteller wissen das schon lange. In Agenturen – mit verschiedenen Kunden und Projekten – ist es schwieriger, dieses Vorgehen im Alltag zu etablieren. Ich glaube, wir haben mit unserer Interpretation meiner aktuellen Rolle einen guten Weg gefunden, der Händlern und Agentur gleichermaßen Mehrwert stiftet. Das ist großartig.

Wenn Sie kein Agile Project Manager wären, was wären Sie dann?

Vermutlich Übersetzer. Nein, Spaß! Wenn ich mir ansehe, was heute meinen Arbeitsalltag prägt, wäre ich vermutlich im diplomatischen Dienst gut aufgehoben. Da geht es ja auch darum, unterschiedliche Interessen und Erwartungen zu hinterfragen, zu verstehen, zu übersetzen – und im Sinne des Wohles aller in Einklang zu bringen. Das ist es eigentlich, was ich tagtäglich tue.   



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Autor: W&V Redaktion

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