So unterschiedlich diese Künstler*innen sind, so verschieden sind natürlich auch die Biopics über sie ausgefallen. Inspirierend sind sie auf ihre Art allerdings alle: Mal ist der Film selbst das Stimulierende, mal die gezeigte Kunst – oder aber die Hingabe der*des Künstler*in zu ihr.

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Mary Shelley

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Ein Biopic, das gleichsam viel von einer klassischen Coming-of-Age-Geschichte hat. Neben ihrem Traum, als Autorin eigene Geschichten zu veröffentlichen, geht es in Haifaa Al Mansours ("Das Mädchen Wadjda") Film vor allem um die Liebe der jungen Mary (Elle Fanning) zu Percy (Douglas Booth), einem fünf Jahre älteren Dichter, der nicht viel von Konventionen hält. Dass er bereits verheiratet ist, erfährt sie erst, als es schon lange um sie geschehen ist. Trotz ihres anfänglichen Widerwillens lässt sie sich auf sein Lebenskonzept freier Liebe ein – und muss kurz darauf mit Partner und Stiefschwester Claire (Bel Powley) die Flucht antreten. Die wiederum führt sie an den Genfer See zu Lord Byron (Tom Sturridge), wo die Idee zu einem Weltklassiker geboren wird: "Frankenstein oder Der moderne Prometheus". Doch Mary muss sich nicht nur gegenüber ihrem narzisstischen Partner und späteren Gatten behaupten, sondern auch gegen eine patriarchale Gesellschaft, die Frauen keinen künstlerischen Erfolg zugestehen möchte.

Obwohl "Mary Shelley" recht konventionell erzählt ist und das Liebesdrama störend viel Raum in Anspruch nimmt, überzeugt der Film durch seine feministische Perspektive auf eine in jeder Hinsicht außergewöhnliche Künstlerin.

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Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit

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Julian Schnabels ("Schmetterling und Taucherglocke") Biopic fokussiert sich allein auf die letzten Jahre des Vincent van Gogh (Willem Dafoe). Teils mit verwackelter Handkamera, teils in subjektiver Kamera, begleitet es ihn fast dokumentarisch auf seiner Tour der Force – weg aus der Pariser Kunstszene, ins malerische Arles. Obwohl ihn die Schönheit Südfrankreichs inspiriert, hat er mit psychischen Problemen zu kämpfen. Außerdem eckt er bei der ländlichen Bevölkerung an, finanzieller Erfolg bleibt aus. Sein Bruder Theo (Rupert Friend) und Malerkollege Paul Gauguin (Oscar Isaac) sind seine einzigen Bezugspersonen. Egal ob in der Nervenheilanstalt Saint-Rémy oder zurück in Paris unter der Obhut seines Bruders – außerhalb seiner Malerei findet Van Gogh keinen Halt im Leben.

Der Film lebt maßgeblich von zwei Dingen: Der imposanten schauspielerischen Leistung Dafoes, der bei den Oscars 2019 mit einer Nominierung als bester Hauptdarsteller bedacht wurde, und seiner künstlerischen Inszenierung. Immer wieder driften Szenen in Collagen aus repetitiven Zitaten und sich gegenseitig überlagernde Bilder ab. Die Tatsache, dass Julian Schnabel selbst als Künstler aktiv ist, kam der Filmbiografie wohl zugute – auffallend oft stehen die Werke Van Goghs selbst im Zentrum.

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Life

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Genau genommen geht es in Anton Corbijns ("A Most Wanted Man") Filmdrama um zwei Künstler: Den porträtierten James Dean (Dane DeHaan) und den porträtierenden Dennis Stock (Robert Pattinson). Im Jahr 1955, also noch vor dem großen Durchbruch als Schauspiellegende mit "Jenseits von Eden", lernt Fotograf Stock den aufstrebenden Dean zufällig auf einer Party kennen und ist sofort von dessen Unbeholfenheit fasziniert – und von seiner großen Zukunft überzeugt. Beim "Life"-Magazine möchte er einen Fotoessay über ihn veröffentlichen und erhält nach einigem Hin und Her eine verhaltene Zusage. Ihr gemeinsamer Weg führt sie nicht nur nach New York, sondern auch in die Heimat Deans nach Indiana, wo nicht nur ikonische Fotos, sondern auch die letzten bedeutenden Fotos der Ikone entstehen.

"Life" ist vor allem ein ästhetisches Vergnügen: Der durchweg überzeugende 50er-Jahre-Look lässt selbst über die zäheren Etappen des Films hinwegsehen. Freude macht außerdem, Robert Pattinson beim Übers-Twilight-Hinauswachsen zuzusehen.

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Bessie

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Dee Rees ("Das Letzte, was er wollte") "Bessie" wird der Zuschreibung Filmbiografie unter den hier empfohlenen Titeln wohl am meisten gerecht. Angefangen bei ihrer von Armut geprägten Kindheit als Vollwaise, über ihre ersten Versuche als Performerin – die an der Weigerung der Showmacher scheitern, eine Schwarze Frau ins Ensemble aufzunehmen – und ihre Zeit an der Seite der Sängerin Ma Rainey (Mo’Nique), wird der Aufstieg Bessie Smiths (Queen Latifah) nachgezeichnet. Ihre gelebte Bisexualität findet darin ebenso Platz, wie ihre künstlerische Entwicklung und die Darstellung der zutiefst rassistischen USA der 1920/30er. Doch spätestens ab ihrem Durchbruch durch einen Vertrag bei Columbia Records fokussiert sich auch dieses Biopic allzu sehr auf die krisengebeutelte Ehe mit Jack Gee (Michael K. Williams).

Dennoch ist "Bessie" ein würdiges – und längst überfälliges – filmisches Denkmal für die "Kaiserin des Blues". Queen Latifah bei ihrem facettenreichen Spiel zuzusehen (und zuzuhören!) ist pures Vergnügen.

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Colette

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Sidonie-Gabrielle Claudine Colette (Keira Knightley) ist nichts weniger als die bedeutendste französische Autorin des 20. Jahrhunderts. Schon bevor sie im Alter von nur 16 Jahren ihren späteren Ehemann, den bereits als Autor etablierten Lebemann "Willy" (Dominic West), kennenlernt, ist klar, dass sie sich nicht der typischen Frauenrolle des späten 19. Jahrhunderts unterwerfen wird. Sie folgt ihm ins intellektuelle (und dekadente) Zentrum Paris, wo eine ganze Schar an Autoren heimlich für Willy schreibt. Doch als Erfolge plötzlich ausbleiben, wird sie selbst zu seiner Ghostwriterin: Die Romanheldin "Claudine", inspiriert von ihrer eigenen Jugend auf dem Land, ist geboren – und mit ihr ein regelrechter Hype. Die Bücher werden zum Verkaufserfolg, Frauen stylen sich nach dem Vorbild der Figur. Doch als ihr Schöpfer, wird zunächst ihr Ehemann benannt – eine weibliche Autorin würde sich negativ auf die Verkaufszahlen auswirken, heißt es. Erst als Marquise Mathilde de Morny (Denise Gough) in ihr Leben tritt, löst sie sich letztlich von ihrem Ehemann und nimmt ihr Werk selbst in die Hand.

Wash Westmoreland ("Still Alice") zeichnet Colettes persönliche Emanzipation ebenso überzeugend wie unterhaltsam nach. Dennoch wünscht man sich, dass der Zeit nach Willy – ebenso wie den Büchern selbst – mehr Spielzeit gegenüber dem ewigen Beziehungsdrama eingeräumt worden wäre.

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Text: Arabella Wintermayr



Autor: W&V Leserautor

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