Trotz Streaming-Boom :
Amerikas letzte Blockbuster-Videothek macht einfach weiter

Es ist das Ende einer Ära: In Bend/Oregon steht die letzte Blockbuster-Videothek der USA. Die Managerin denkt nicht ans Aufgeben – trotz Netflix und Amazon.

Text: Franz Scheele

Youtube-Inhalte aktivieren

Ja, ich möchte Inhalte von Youtube angezeigt bekommen. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Im Städtchen Bend im US-Bundesstaat Oregon steht jetzt die letzte verbliebene Blockbuster-Videothek in den Vereinigten Staaten, nachdem Anfang der Woche für zwei weitere Shops in Anchorage/Alaska das Aus gekommen war. Sandi Harding, die seit zehn Jahren für Blockbuster arbeitet und jetzt den Laden in Bend leitet, will dagegen nicht aufgeben. Pläne für eine Schließung gebe es nicht.

Hunderte amerikanische Nachrichten-Organisationen haben in den vergangenen Tagen über ihren Shop berichtet – von der New York Times und CNN über fast alle Wirtschaftsmagazine und Branchendienste bis hin zu kleinen und kleinsten Lokalzeitungen. "Wir haben einen Stamm an Kunden", sagte sie gegenüber den angereisten Journalisten, "die wissen, dass wir ein lokales, ein sehr lokales Geschäft sind. Und sie schauen jede Woche vorbei."

Zu ihren besten Zeiten in den 90er-Jahren hatte Blockbuster, eine Franchisekette für den Verleih und Verkauf von DVDs und Blu-Rays, mehr als 5000 Filialen allein in den USA. Darüber hinaus betrieb das Unternehmen mit Hauptsitz in Englewood/Colorado über 3000 weitere Filialen in Kanada, Brasilien, Australien, Großbritannien, Irland und Dänemark.

Nach einer wechselvollen Geschichte – unter anderem hatte der Medienkonzern Viacom 1994 die Kette für mehr als acht Milliarden Dollar übernommen, sie zehn Jahre später aber wieder abgestoßen – musste Blockbuster 2010 Insolvenz anmelden. Von den noch verbliebenen Filialen wurden Anfang 2014 die letzten 300 geschlossen – bis auf einige wenige Ausnahmen, bei denen private Ladenbesitzer die Franchise-Rechte für den Blockbuster-Namen besaßen.

Vor allem in Alaska konnten sich so noch einige wenige Blockbuster-Läden halten, nicht zuletzt wegen der dort langen Wintermonate und der teilweise langsamen Internet-Verbindungen. Doch selbst hier ließ sich zuletzt der Siegeszug von Netflix und Amazon Prime Video nicht aufhalten. Die beiden letzten Läden schlossen am Montag und werden nur noch einmal kurz im August geöffnet, um das Inventar zu verkaufen.


Autor:

Franz Scheele
Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.