Zu einer solchen Plattform könnten öffentlich-rechtliche Sender Videos beisteuern und Verlage mit diesen Videos die eigene Berichterstattung ergänzen. In Österreich funktioniere ein ähnliches Modell bereits.

Mathias Döpfner begrüsst den Vorstoß - sieht aber auch die Hindernisse für die Umsetzung: Das größte Problem sei "die Systemvermischung": Hier sei die Frage, wie sich ein öffentlich-rechtliches System und ein privates System unter einen Hut bringen lassen, ohne die klassische duale Aufstellung zu verlieren. "Aber wenn man will, gibt es dafür Lösungen."

Das Kartellrecht endlich anpassen

Lösungen werden auch in anderen Bereichen gefordert - unter anderem beim Kartellrecht. Denn die eigentliche Konkurrenz sitzt mit Google, Facebook & Co. nun mal bekanntlich woanders – in den USA und mittlerweile verstärkt auch in China. Döpfner begrüßte daher auch die Initiative von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, das Kartellrecht an die heutigen Erfordernisse anzupassen und bei der Bewertung der Marktbeherrschung von Unternehmen nicht mehr nur auf deren Umsätze zu achten, sondern auch den Wert ihres jeweiligen Datenbesitzes zu berücksichtigen.

Ein zentrales medienpolitisches Projekt der laufenden Legislaturperiode sei für den BDZV auch der Umgang mit der Marktmacht im Bereich der Suchmaschinen, so BDZV-Präsident Döpfner. Der Vorschlag der SPD-Vorsitzenden Andrea Nahles, dass marktdominante Unternehmen ihren Datenschatz und ihr Wissen mit Wettbewerber teilen sollen, sei hier ein wichtiger erster Schritt.

Keine Zustimmung für E-Privacy-Vorschläge

Thema Datenschutz: Hier sind die Verlage mit den aktuellen Vorschläge für eine europäische E-Privacy-Verordnung mehr als unzufrieden. Diese Regelung würde die Refinanzierung digitaler Presseangebote infrage stellen; sie müsste daher zurückgezogen werden.

Döpfner hofft in diesem Zusammenhang außerdem, dass die Gesellschaft zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Daten, künstlicher Intelligenz und Technik im Allgemeinen findet. Seine Meinung: "Meiner Überzeugung nach gehören die Daten demjenigen, der sie produziert - in der Regel also den Bürgern."

mp / mit dpa


Autor:

Manuela Pauker
Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde