Um das Pressevertriebssystem in eine erfolgreiche und stabile Zukunft zu führen, müssten die Verlage den Weg genauso gehen wie die Grossisten, so Welte weiter: "Der Vertrieb unserer Produkte rückt immer stärker in den Fokus. Ich habe es schon oft gesagt: Das Zeitschriftenregal bei Edeka oder Rewe ist die Lebensader von uns Verlagen, unserer gesamten Industrie und damit gleichzeitig eine zentrale Voraussetzung dafür, dass freier, unabhängiger Journalismus in unserem Land marktwirtschaftlich finanzierbar bleibt."

Kollektives Verändern ist dringend erforderlich

Die Konsequenz, so Welte: "Wir alle müssen uns verändern – in unseren Strukturen, in unseren Prozessen, in unserem Denken." Dieses kollektive Verändern sei der konstruktive Prozess zwischen Verlagen und Grossisten, der am Ende zur Modernisierung des Vertriebssystems führe.

Doch auch die Politik ist gefordert: Grosso-Chef Nolte wünscht sich "faire Rahmenbedingungen". Konkret: Eine Reduzierung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes wäre "ein wichtiger Schritt". Wenig Verständnis zeigt Nolte hingegen für die Aufregung einiger Verlage in Hinsicht auf die seit März geltende neue Konditionenvereinbarung, von der sich insbesondere einige kleinere Häuser benachteiligt fühlen – so gab es beispielsweise eine Anfrage des Arbeitskreises Mittelständischer Verlage beim Bundeskartellamt. 

Die Neuerung bringe nun mal für alle Beteiligten "Planungssicherheit, aber auch harte Einschnitte", gibt Nolte zu bedenken. Die Regelung sei jedoch im Markt weithin akzeptiert. "Für die Aufregung einiger weniger Verlage um die Mindestumsatzregelung habe ich kein Verständnis", so Nolte: "Wir halten die Regelung für sachgerecht und diskriminierungsfrei."


Autor:

Manuela Pauker
Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde