Ist die Unit profitabel? Welche Ziele verfolgen Sie mit dieser Unit?

Die Ziele für die Einheit habe ich genannt: Wir leisten einen Beitrag für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens. Einige unserer Geschäfte – im Bereich der regionalen Stellenmärkte etwa, von denen wir mehrere betreiben - sind bereits profitabel. Andere, jüngst gestartete, sind das noch nicht und müssen das zunächst nicht sein. Die gesamte Unit ist im Moment auf Wachstum ausgerichtet, nicht auf sofortige Profitabilität. Aber dank renditestarker Geschäfte ist Profitabilität in Sichtweite und selbstverständlich mittelfristig auch unser Ziel.

Wir betreiben in der Digitalsparte vor allem eigenes Geschäft, eben die erwähnten Stellenportale sowie eine Digitalagentur und ein Szene- und Eventportal. Unser Beteiligungsarm MGO Digital Ventures ist ebenfalls in der Sparte angesiedelt, aber nur ein Baustein in unserer Strategie, nicht ihr Zentrum.

Wie sieht Ihre Bilanz nach fünf Jahren aus?

Was die von uns selbst betriebenen digitalen Geschäfte angeht, sind wir sehr zufrieden, weil wir sehen, dass wir auch in unseren regionalen Märkten mit mutigem Vorgehen nach einer gewissen Anlaufphase hervorragende Renditen erzielen können. Wir haben mit unserem Leiter Digitales Geschäft, Frank Rauscher, einen klugen Kopf an der Spitze, der diese Geschäfte mit seinem Knowhow und seiner Kreativität ständig im Sinne des Kundennutzens weiterentwickelt und Synergien da zieht, wo sie sinnvoll sind.

Was das Portfolio der MGO Digital Ventures angeht: Bislang sind wir mit der Entwicklung unserer Bestandsunternehmen außerordentlich zufrieden und konnten einen gewinnbringenden Exit umsetzen. Ich bin aber jemand, der sich ungern zu früh freut, deshalb sage ich immer: Das ist eine Momentaufnahme, wirklich glücklich bin ich erst, wenn sich die Investitionen unter dem Strich gerechnet haben – entweder in Form attraktiver Multiples oder durch eine langfristige strategische Zusammenarbeit. Um das beurteilen zu können, braucht man auch im schnelllebigen Geschäft der Risikoinvestitionen Geduld. Und die haben wir!

Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, welches Startup Sie fördern?

Wir haben für uns einige Kriterien formuliert: 1. Es muss sich um ein digitales Geschäft handeln, 2. Wir selbst müssen das Kundenproblem nachvollziehen können, das das Unternehmen zu lösen verspricht (klingt banal, ist es aber oft nicht), 3. Wir müssen die Lösung dieses Kundenproblems nachvollziehen können, 4. Das Unternehmen/Produkt muss einige Zeit auf dem Markt sein und nachhaltig wachsende Umsätze erzielen, 5. Wir müssen von der fachlichen und menschlichen Kompetenz des Kernteams überzeugt sein

Weitere Kriterien wie die absolute/relative Größe des adressierten Marktes, der Wettbewerb, Überlegungen zur Portfolioausgewogenheit oder möglichen Co-Investoren kommen je Einzelfall hinzu. Wir formulieren unsere Investitionsempfehlung faktenbasiert anhand einer internen Checkliste in einem Team, aber nie, ohne auch auf Herz und Bauch zu hören.

Wie veränderungswillig sind mittelständische Verlage aus Ihrer Sicht?

Lange Zeit habe ich die Branche in dieser Hinsicht kritisch gesehen; nicht zuletzt durch die Investitionstätigkeit, über die ich auch Einblicke in andere Branchen erhalte, betrachte ich es differenzierter. Auch Banken, Versicherungen oder Händler haben längst nicht alle Herausforderungen durch die Digitalisierung im Griff. Ich meine, in den letzten drei, vier Jahren gerade auch bei mittelständischen Verlagen eine größere Bereitschaft zum Wandel zu beobachten. Das Bewusstsein, dass wir wendiger werden und uns dafür auch strukturell anders aufstellen müssen, ist meiner Meinung nach gestiegen. Allerdings denke ich, dass wir alle auch noch einen weiten Weg vor uns haben. Wir brauchen noch mehr Kundenorientierung, Innovationskraft und tieferes technisches Knowhow, um gut in die Zukunft zu kommen.

Wie werden regionale Verlage in Zukunft Geld verdienen? Welche Rolle spielt Print, welche Digital?

Meiner Meinung nach ist es nebensächlich, über welches Medium wir unsere Kunden erreichen. Wichtig ist, dass wir unseren Kunden tatsächlichen Nutzen bringen. Ob gedruckt, via App oder auf digitalen Endgeräten, die wir heute noch nicht kennen, ist aus meiner Sicht nicht entscheidend. Inhalte, die Kunden wirklich brauchen, Produkte, die Kunden wirklich lieben – mit denen wird man auch in Zukunft Geld verdienen.

Alle Infos zum DLD Campus am 21.Juni 2017 gibt es hier.


Autor:

Annette Mattgey, Redakteurin
Annette Mattgey

Seit 2000 im Verlag, ist Annette Mattgey (fast) nichts fremd aus der Marketing- und Online-Ecke. Für Markengeschichten, Kampagnen und Karriere-Themen hat sie ein besonderes Faible. Aus Bayern, obwohl sie "e bisi anners babbelt".