Hulu spielt in der Videostreaming-Strategie von Disney eine entscheidende Rolle. Hierzu gehören auch die vor einem Jahr gelaunchte Sportstreaming-App ESPN+ und die geplante Plattform Disney+, die im November in den USA an den Start gehen soll und sich vor allem an Familien und Kinder richtet.

Bei dem Deal mit Warner Media war der Unternehmenswert von Hulu auf 15 Milliarden Dollar angesetzt worden. Damit läge der gegenwärtige Anteilswert von Comcast an Hulu bei mindestens 4,5 Milliarden.

Laut CNBC ist derzeit aber noch völlig offen, ob Comcast tatsächlichen seinen Hulu-Anteil verkaufen wird. Eine wichtige Rolle dürften dabei die Einschätzung des gegenwärtigen Unternehmenswerts und die Zukunftsaussichten des Streamingdienstes spielen.

Starkes Abonnenten-Wachstum

Hulu hatte Ende vergangenen Jahres in den USA die Marke von 25 Millionen Abonnenten übersprungen – ein Plus gegenüber 2017 von 48 Prozent. Bis Ende dieses Jahres rechnet der Streamingdienst mit 30 Millionen Abonnenten und – mit der geplanten internationalen Expansion – bis 2024 mit 60 Millionen.

Bislang war der Einfluss von Comcast auf die Unternehmensstrategie Hulus stark eingeschränkt – die Folge einer Vereinbarung mit den US-Kartellbehörden nach der Comcast-Übernahme von NBC Universal 2011, des eigentlichen 30-Prozent-Gesellschafters von Hulu.

Diese Einschränkung fiel allerdings auflagengemäß nach sieben Jahren 2018 weg, sodass Comcast/NBC Universal seither auch aktiv die Unternehmensstrategie von Hulu mitbestimmen kann. Der Schönheitsfehler: Disney verdoppelte durch die Übernahme von 21st Century Fox seinen ursprünglichen Anteil an dem Joint Venture von 30 auf 60 Prozent und drängte Comcast damit in die Rolle des Minderheitsgesellschafters.

Riesiger Schuldenberg

Bei den Überlegungen über einen möglichen Verkauf der Hulu-Anteile dürfte aber noch ein weiterer Aspekt eine Rolle spielen: Nach der Übernahme von NBC Universal 2011 und der der Pay-TV-Plattform Sky im vergangenen Jahr für 39 Milliarden Dollar summieren sich die Gesamtschulden von Comcast inzwischen auf über 100 Milliarden Dollar.

Und: Hulu ist weiterhin ein Zuschussgeschäft. Im laufenden Geschäftsjahr werden die Verluste des Streamingdienstes laut Disney bei 1,5 Milliarden Dollar liegen. Profitabel werde Hulu nicht vor 2024, so Disney.

Nicht eingerechnet sind dabei allerdings zusätzliche Kosten, die durch die von Disney angestrebte internationale Expansion entstehen würden. Für Comcast, das seinerseits den Launch eines eigenen Streamingdienstes für 2020 vorantreibt, könnte damit ein Verkauf der Hulu-Anteile durchaus attraktiv erscheinen.


Autor:

Franz Scheele
Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.