USA :
Druckpapier-Zölle verschärfen Situation der US-Zeitungen

Zahlreiche Verlage reagieren mit Arbeitsplatzabbau auf die Kostenexplosion. Andere reduzieren die Seitenzahl oder die Erscheinungsfrequenz.

Text: Franz Scheele

Der rasante Anstieg der Druckpapierpreise in den USA, verursacht vor allem durch die vom US-Handelsministerium beschlossenen Zölle auf Papierimporte aus Kanada, macht den amerikanischen Zeitungen schwer zu schaffen. Im Verlauf des vergangenen Jahres ist der Preis für Druckpapier um etwa ein Fünftel gestiegen – auf 647 Dollar pro Tonne.

Ausgelöst worden war die Zoll-Problematik mit Kanada durch eine Petition der North Pacific Paper Corporation mit Sitz im US-Bundesstaat Washington. Das Unternehmen hatte erklärte, dass das Geschäft mit Druckpapier durch von der kanadischen Regierung subventionierte Exporte auf den amerikanischen Markt eingebrochen sei.

Daraufhin hat das US-Handelsministerium eine "Anti-Dumping-Steuer" für Druckpapier in Höhe von 16,88 Prozent beschlossen – das ist zwar deutlich weniger als ursprünglich geplant. Zudem wurden zwei kanadische Papierproduzenten von dieser Maßnahme ausgenommen. Dennoch haben die aufgrund der Zölle gestiegenen Papierkosten die Situation für die Zeitungen massiv verschäft.

Denn die Papierkosten sind in der Regel der zweitgrößte Kostenfaktor – nach den Personalkosten – für Zeitungen, die ohnehin schon seit Jahren mit sinkenden Vertriebs- und Anzeigenerlösen kämpfen.

Kostenexplosion bei den Verlagen

Wie die Washington Post berichtet, reagieren inzwischen zahlreiche Verlage mit Mitarbeiter-Entlassungen auf die Kostenexplosion. So strich beispielsweise die Tampa Bay Times im April 50 Arbeitsplätze, nachdem der Verlag von einem Kostenanstieg im Druckpapierbereich in Höhe von drei Millionen Dollar pro Jahr ausgegangen war.

Der McClatchy-Verlag, der mehr als zwei Dutzend Lokal- und Regionalzeitungen herausgibt, gab vergangene Woche bekannt, dass er 3,5 Prozent der Arbeitsplätze abbauen werde – etwa 140 Jobs. Als Grund wurden unter anderem die steigenden Papierpreise angeführt. Und die Pittsburgh Post-Gazette erscheint künftig nur noch an fünf, statt an bisher sieben Tagen der Woche.

Dieser Trend wurde jetzt durch eine Umfrage des Branchenverbands News Media Alliance, der für eine Rücknahme der Zölle eintritt, bestätigt. Fast die Hälfte der befragten Zeitungsverlage erklärte, dass es aufgrund der gestiegenen Papierpreise zu Entlassungen gekommen sei. 71 Prozent sagten zudem, dass sie die Seitenzahl ihrer Ausgaben verringert hätten.


Autor:

Franz Scheele
Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.