Prognose zum Audio-Streaming :
Im Jahr 2020 überholen die Streamer das klassische Radio

Laut einer aktuellen Goldmedia-Studie werden die Abo-Umsätze der Streamer 2020 höher sein als die Nettowerbeumsätze der Radiosender.

Text: Manuela Pauker

Streaming-Anbieter sind laut Goldmedia auf der Überholspur.
Streaming-Anbieter sind laut Goldmedia auf der Überholspur.

Streaming gewinnt in Deutschland immer mehr Anteile am gesamten Audiomarkt. Und nicht nur das: Die Streamer sind dabei, die Umsätze im klassischen Radiowerbemarkt zu überholen. Das prognostizieren die Marktforscher von Goldmedia. Schon im Jahr 2020, so die Goldmedia-Analyse, werden die Abonnement-Umsätze von Audiostreaming-Diensten wie Spotify, Apple Music, Amazon Music, Deezer & Co. höher sein als die Nettowerbeumsätze aller deutschen Radiosender.

Im Jahr 2017 lagen die Nettowerbeumsätze nach Angaben des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) im Radiomarkt bei 784 Milllionen Euro. Das ist etwa ein Drittel mehr als die Erlöse, die mit Streaming-Abos erzielt wurden – nämlich 549 Millionen Euro, so die Zahlen des Bundesverband Musikindustrie (BVMI).

Prognose der Umsätze im Audiomarkt

Prognose der Umsätze im Audiomarkt

Bis Ende 2018 werden die Streamer weiter aufholen und dann mit voraussichtlich 656 Millionen Euro mehr als 80 Prozent der Erlöse des Radio-Nettowerbemarktes erzielen. Anfang 2020 soll es dann soweit sein: Dann überholen die Streaming-Umsätze den klassischen Radiowerbemarkt, so die Goldmedia-Prognose. Die Werbeumsätze sind in dieser Rechnung noch gar nicht enthalten.

"Obwohl der klassische Hörfunk und Abo-Streaming-Dienste jeweils eigene Märkte sind und sich aus verschiedenen Erlösquellen speisen, konkurrieren sie doch oft um das gleiche Gut – die Aufmerksamkeit der Hörer", so Goldmedia-Geschäftsführer Klaus Goldhammer.

Maßgeschneidertes ohne Werbung

Radio, so Goldhammer weiter, biete kostenlos Musik und Moderation, lokale Informationen und den "besten Mix der größten Hits". Audiostreaming-Dienste punkten mit Millionen von Titeln on Demand, bieten eigene Playlists, personalisierte Empfehlungen neuer Titel, immer mehr Podcasts und Wortbeiträge und sind – bei einem Abo – zudem werbefrei. Dies alles seien die ausschlaggebenden Gründe für den Abschluss eines Abos, vor allem bei jüngeren Zielgruppen.

Die Goldmedia-Prognose geht weiter davon aus, dass die Umsätze im deutschen Radiomarkt – bei stabiler wirtschaftlicher Lage – auch in den nächsten Jahren moderat wachsen: bis Ende 2022 um jährlich knapp 10 Millionen Euro auf dann rund 833 Millionen. Im Vergleich dazu werden die Abo-Erlöse der Streaming-Dienste voraussichtlich rasanter zulegen: Ende 2022 sollen sie ein Volumen von rund 1,3 Milliarden Euro erzielen.


Autor:

Manuela Pauker
Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde