Abo-Ziel wird wohl weit verfehlt

Nach Angaben von Quibi wurde die App bislang insgesamt fünf Millionen Mal heruntergeladen, laut Sensor Tower 3,8 Millionen Mal. Doch nicht alle Downloads münden auch in ein Abonnement, das in der Variante mit Werbung 4,99 Dollar monatlich kostet, in der Variante ohne Werbung 7,99 Dollar. In Deutschland, wo es bislang nur die werbefreie Variante gibt, liegt die Gebühr für das Monats-Abo bei 8,99 Euro. Bis Ende Mai sollen mehr als 1,5 Millionen Nutzer tatsächlich ein Abonnement abgeschlossen haben, wobei die Plattform allerdings eine 14-tägige kostenlose Testphase einräumt.

Wie das Wall Street Journal schreibt, das sich dabei auf eine namentlich nicht genannte Insider-Quelle beruft, wird Quibi zum Ende des ersten Jahres nach dem Launch auf nicht mehr als zwei Millionen zahlende Kunden kommen – das wären weniger als 30 Prozent der eigentlich für diesen Zeitraum anvisierten 7,4 Millionen Abonnenten.

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Werbe-Deals sollen neu verhandelt werden

Quibi kämpft allerdings noch an weiteren Fronten. So hatte sich die Plattform vor dem Launch bereits Werbebuchungen mit einem Gesamtvolumen in Höhe von rund 150 Millionen Dollar sichern können, unter anderem von Procter & Gamble, Walmart, General Mills, PepsiCo, Taco Bell und Anheuser-Busch InBev. Doch diese Unternehmen versuchen derzeit offensichtlich, die Werbe-Deals neu zu verhandeln – einerseits wegen der geringen Quibi-Nutzerzahlen, andererseits aber auch wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf ihr eigenes Geschäft.

Nicht gerade gelegen kommt da eine juristische Auseinandersetzung um Patentrechte, die das New Yorker Video-Startup Eko gegen Quibi eingeleitet hat. Was die Angelegenheit noch verschärft: Hinter Eko stehen finanzkräftige Investoren wie der Hedgefonds Elliott Management oder der Einzelhandelsgigant Walmart.

Dass derzeit bei Quibi nicht alles rund läuft, zeigt auch eine Reihe früher Abgänge leitender Mitarbeiter: So hat sich gerade einmal zwei Wochen nach dem Launch Megan Imbres, Head of Brand and Content Marketing, schon wieder von dem Unternehmen verabschiedet. Bereits im November hatte Diane Nelson, Head of Content Operations, nach nur zehn Monaten bei Quibi gekündigt und im August vergangenen Jahres war die Stelle von Tim Connolly als Head of Partnerships and Advertising gestrichen worden. Nur wenige Wochen später verließ Content Executive Janice Min das Unternehmen.


Autor: Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.