Print-Auflagenzahlen :
Selbst Nackte auf dem Cover retten IVW-Bilanz nicht mehr

Stern, Bild, Spiegel, Landlust verlieren an Auflage. Zuwächse in der Nische können IVW-Rückgänge nicht mehr ausgleichen. Ein Überblick.

Text: Petra Schwegler

Die IVW kennt auch fürs vierte Quartal 2017 eigentlich nur eine Richtung für die Auflagenzahlen der deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenbranche: Die Kurve geht weiter nach unten. Bei einigen Titeln sogar beschleunigt.

Heraus ragen aus dem Minus Printmarken wie das G+J-Nachrichtenmagazin Stern (minus 15 Prozent an verkaufter Auflage auf 320.115 Exemplare) oder die lange sehr starke Landlust, die mit 92.498 weniger verkauften Exemplaren (harte Auflage: 847.425) zu den stärksten absoluten Verlierern gehört. Allerdings fällt dieses Minus kleiner aus als im Vorquartal …

Bauers Bravo kann erstmals keine sechsstelligen Auflagenzahlen mehr vorweisen (92.304 verkaufte Exemplare) – und Springers Marke Bild/Fußball-Bild verliert knapp 121.000 Exemplare (IVW 4/17: 1,57 Millionen verkaufte Exemplare). Boulevard-Titel wie Intouch, Closer oder OK leiden weiter – ebenso Nachrichtenmagazine: Burdas Focus meldet prozentual ein zweistelliges Minus (425.891 Exemplare), doch bei den harten Auflagenkategorien Einzelverkauf und Abo fällt der Rückgang mit minus 3,6 Prozent immerhin etwas moderater aus. Beim Spiegel ging die harte Auflage um 7,1 Prozent zurück.

Hier die Veränderungen der Gesamtauflagen während der letzten Dekade im Überblick:

Es geht immer weiter bergab ...

Es geht immer weiter bergab ...

Dabei versuchen gerade die großen Magazine, mit immer reißerischen Titeln die Leser anzulocken. Vergebens. Auch weil potenzielle Käufer etwa bei Nackten auf dem Cover gar nicht kaufwillig reagieren – wie eine aktuelle Auswertung der Ausgabe 2/2018 des Spiegels durch das Marktforschungsinstitut Ears and Eyes ergab. 200 Personen wurden mit Hilfe des Pretesting-Tools kvest.com bevölkerungsrepräsentativ binnen 48 Stunden dazu befragt.

Mit den zwei Titelseiten-Varianten der Ausgabe 2 wollten die Hamburger das viel diskutierte Thema der Geschlechtsidentität aufgreifen. Während Cover 1 ein entblößter Mann und das Titelthema "Männer, Frauen und alles andere" zieren, stellt Cover 2 eine unbekleidete Frau mit dem entsprechend umformulierten Titelthema "Frauen, Männer und alles andere" dar. Doch: Nackte Haut ist kein Erfolgsgarant. Die Mehrheit der befragten Frauen (54 Prozent) und Männer (55 Prozent) nehmen an diesem Titelmotiv Anstoß oder lehnen es ab.

Läuft es auch noch irgendwo?

Ja, bei Magazinen, die sehr spitz auf bestimmte Zielgruppen zugeschnitten sind (Top Model Creative Magazine), günstigen Programmies (nur TV plus) oder bei Printmedien, in deren journalistische Qualität viel investiert wurde.

So hat Die Zeit ihre verkaufte Auflage im vierten Quartal 2017 im Vergleich zum Vorjahr steigern können: In der harten Auflage aus Abo und Einzelverkauf gewannen die Hamburger im Vergleich zum Vorjahresquartal 1723 Exemplare (plus 0,41 Prozent) hinzu. Von jeder Ausgabe wurden laut IVW 4/2017 durchschnittlich 505.010 Exemplare verkauft: 679 Exemplare (plus 0,1 Prozent) mehr als im Vorjahr. Und: Die digitale Auflage erzielte einen satten Zuwachs von 61,6 Prozent (plus 30.316 Exemplare).

Was bleibt den anderen?

Die Erinnerung an gute Zeiten … Wie etwa dem Focus-Team, das gerade seinen 25. Geburtstag am jetzigen Standort Berlin feierte. Und anlässlich des Jubiläums dem Dauer-Konkurrenten Spiegel im verschneiten Hamburg eine warme Suppe ausgab … 

Späte Retourkutsche: Der Focus wurde 25 - auch wenn einst die Spiegel-Macher beim Start gewitzelt haben sollen, dass sie beim Scheitern Burda Suppe ausgeben würden ...

Späte Retourkutsche: Der Focus wurde 25 - auch wenn einst die Spiegel-Macher beim Start gewitzelt haben sollen, dass sie beim Scheitern Burda Suppe ausgeben würden ...

Ach, ja – wenn Sie an den einzelnen Daten interessiert sind: Die IVW hat auf 396 Seiten die Auflagenzahlen der deutschen Printlandschaft zum Jahresende 2017 sehr detailliert aufgelistet. Zum Einzelabruf geht es hier lang.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.