FFA zieht Bilanz für 2016 :
So geht es dem Kino

2016 war ein schlechtes Kinojahr: 16 Prozent weniger Besucher, 12 Prozent weniger Einspielergebnisse. Wo sonst noch Minuszeichen stehen. 

Text: Petra Schwegler

Gehörte zu den Stars des eher flauen Kinojahrs 2016: "Findet Dorie".
Gehörte zu den Stars des eher flauen Kinojahrs 2016: "Findet Dorie".

Kino ist offenbar nach einem guten Jahr 2015 wieder auf dem absteigenden Ast: Deutschland bildet im europaweiten Vergleich bei den Einspielergebnissen 2016 das Schlusslicht. Die Bundesrepublik verzeichnete dabei sogar ein Rekord-Einspielminus von 12,3 Prozent. Das sind 144 Millionen Euro weniger als 2015. Der Minustrend zeichnete sich bereits klar im Januar bei Vorlage der Bruttowerbestatistik ab.

Das geht aus der der Neuauflage der Studie der Filmförderungsanstalt FFA hervor. Sie fasst den Andrang der Kinobesucher im Jahr 2016 so zusammen: "Weniger – aber wenn, dann häufiger als im Jahr davor". Insgesamt sei das zurückliegende Kinojahr in fast allen Bereichen der Besuchsstatistik nicht an das Ausnahmejahr 2015 herangekommen.

Die Zahlen im Detail

- Zwischen Anfang Januar und Ende Dezember wurden 68 Millionen Kinotickets – und damit 56 Prozent aller Eintrittskarten – für einen der 34 Filme gelöst, die im vergangenen Jahr eine Million Besucher und mehr erreichten, darunter erneut sieben deutsche Produktionen. -        

- Die drei erfolgreichsten Filme des letzten Jahres hatten zudem gleich drei Gemeinsamkeiten: Es waren 3D-Animationsfilme, deren Protagonisten aus der Tierwelt kamen und die jeweils rund 3,8 Millionen Besucher in die Kinos lockten: "Zoomania – Ganz schön ausgefuchst!", "Pets" und "Findet Dorie". 

- 2016 waren insgesamt 25,0 Millionen Menschen mindestens einmal im Kino – 4,9 Millionen weniger als im Jahr davor (-16 Prozent).

- Allein 4,1 Millionen Kinobesucher, die im Jahre 2015 zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder im Kino waren ("Sleeper"), fanden 2016 nicht erneut den Weg ins Kino.

- Die Besucherreichreichweite gemessen an der Gesamtbevölkerung lag in 2016 bei 37 Prozent – und damit erstmals seit 2007 wieder unter 40 Prozent.

- Am kinoaffinsten waren erneut die 10- bis 19-Jährigen mit einer Reichweite von 71 Prozent – und hier insbesondere junge Frauen (79 Prozent): Knapp acht von zehn jungen Frauen in Deutschland in diesem Alter waren im letzten Jahr mindestens einmal im Kino.

- Immerhin: Die Besuchsintensität legte 2016 im Vergleich zum Vorjahr – im Gegensatz zur Reichweite – zu und lag bei 4,7 (2015: 4,5) Besuchen. Mit durchschnittlich 5,6 Besuchen waren die Pro-Kopf-Besuche bei den 30- bis 39-Jährigen am höchsten – die damit erstmals die seit GfK-Aufzeichnung stärkste Gruppe der 20- bis 29-Jährigen (5,2 Besuche) übertrafen.

- Die stabilste Zielgruppe nach Besuchen war die der 30- bis 39-Jährigen mit 20,5 Millionen Besuchen (2015: 20,4 Millionen) – während im Vorjahresvergleich alle anderen Altersgruppen weniger Interesse am Kino zeigten.

Die FFA veröffentlicht seit 25 Jahren regelmäßig Studien über die Struktur des Kinobesuchs und die Entwicklung im Besucherverhalten. Grundlage für die Auswertungen ist das Individualpanel Media Scope der GfK. Es umfasst 25.000 Teilnehmer und steht repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 10 Jahren.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.