Die Streaming-Dauer hat sich mit einem Plus von 20 Minuten in drei Jahren am deutlichsten verändert; sie liegt jetzt im Durchschnitt bei 55 Minuten täglich. Klassisches Fernsehen hingegen bleibt mit einer Nutzungsdauer von rund zwei Stunden relativ stabil. Es gibt aber doch deutliche Unterschiede bei den Altersgruppen: Während bei den über 50-Jährigen klassisches TV mit einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von drei Stunden klar dominiert, liegen bei den Jüngeren Streaming (1,38 Stunden) und Videoportale (1,18 Stunden) klar vor TV, das es hier gerade mal noch auf 49 Minuten bringt. Im Vergleich zu 2018 ist damit die Streaming-Dauer der unter 30-Jährigen um eine halbe Stunde gestiegen, die TV-Nutzungsdauer um eine halbe Stunde zurückgegangen.

Die Jugend bevorzugt Netflix

Im Rennen um den beliebtesten Streaming-Anbieter gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Netflix und Amazon liegen mit einer monatlichen Nutzung von 39 Prozent (Netflix) und 38 Prozent (Amazon) fast gleichauf. Disney+ landet mit immerhin 12 Prozent auf Anhieb auf Platz drei. Bei den jüngeren Nutzern steht der beliebteste Streamer hingegen bereits fest: Das ist ist Netflix mit 72 Prozent, gefolgt von Amazon Prime Video mit 51 Prozent. Allerdings hängt die Beliebtheit auch stark von dem jeweiligen Bewertungskriterium ab. Wenn es um das umfassendste Angebot geht, belegen Netflix, Twitch und YouTube die ersten drei Plätze. In Bezug auf die aktuelle Corona-Berichterstattung liegen die öffentlich-rechtlichen Streaming-Angebote auf der Beliebtheitsskala der Nutzer ganz oben, angeführt von ZDF (75 Prozent) und ARD (74 Prozent).

Das Thema "Second Screen" gehört insbesondere bei den jüngeren Verbrauchern mittlerweile zum Alltag. Mit der parallelen Nutzung von Zweitgeräten dominieren die unter 30-Jährigen auf allen Plattformen deutlich. Beim klassischen TV ist die Ablenkungsgefahr mit 61 Prozent am größten, gefolgt von Pay-TV mit 49 Prozent.

Nur ein leichter Corona-Effekt

Bei allen Altersgruppen liegt die Aufmerksamkeitsquote bei der Rezeption von Streaming- und Mediathek-Inhalten mit 70 Prozent deutlich höher als beim klassischen TV-Konsum (54 Prozent). Das Überangebot auf den Streaming-Markt überfordert einige Nutzer aber auch: 27 Prozent der User schalten auf TV um, wenn sie sich nicht für ein Streaming-Angebot entscheiden können. Im Gegenzug liegt der Suchtfaktor mit 68 Prozent beim Streaming deutlich höher als bei Bewegtbild insgesamt (49 Prozent).

Und der Corona-Effekt? Er hält sich laut der Studie in Grenzen. Die Gesamt-Sehdauer über alle Plattformen hinweg bleibt mit täglich 4,21 Stunden relativ konstant – ein Plus von vier Minuten im Vergleich zum Vorjahr. Beschäftigte, die Corona-bedingt im Homeoffice arbeiten, konsumieren mit durchschnittlich 3,5 Stunden deutlich kürzer Bewegtbildinhalte als etwa Beschäftigte in Kurzarbeit – sie verbringen 4,26 Stunden vor den Bildschirmen. Wer gar nicht arbeitet, wendet im Schnitt täglich 4,42 Stunden für Bewegtbildinhalte jeglicher Art auf.

Für die Streaming-Anbieter bedeutet das: "Größere Neu-Kundenpotenziale für Anbieter finden sich zunehmend bei der Altersgruppe der 30- bis 49-Jährigen mit bisher 60 Prozent Streaming-Nutzung. Doch auch die über 50-Jährigen ziehen nach. Hier sind es vor allem die öffentlich-rechtlichen Mediatheken, die auch ältere Zuschauer an den non-linearen Bewegtbild-Konsum heranführen", so Marion Sperlich, Head of Client Research und Kopf von "Screens in Motion 2020".



Manuela Pauker
Autor: Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde