Social-Media-Ranking zur Klum-Show :
Toni glänzt vor GNTM-Finale, Lidl und Deichmann ohne Strahlkraft

Egal, wer von den vier Finalistinnen zu "Germany’s Next Topmodel 2018" gekürt wird: Marken schneiden mit dem Auftritt in der Klum-Show im Urteil der Netzgemeinde schlecht ab. 

Text: Petra Schwegler

Sie ringen am Donnerstag live um den GNTM-Thron (v.l.): Julianna, Christina, Toni und Pia.
Sie ringen am Donnerstag live um den GNTM-Thron (v.l.): Julianna, Christina, Toni und Pia.

Es muss am Zuviel der billig inszenierten Show für den Heidi-Klum-Partner Lidl liegen, dass der Discounter zum Finale der aktuellen Staffel der ProSieben-Castingshow "Germany’s Next Topmodel" so magere Werte im Social Web generiert.

Für Werbemarken habe sich die Kooperation mit der Sendung nicht gelohnt, wenn es um die Wahrnehmung im sozialen Netz geht, heißt es in einer Auswertung von Vico Research & Consulting, Anbieter von Social Media-Monitoring und -Analysen. 

Neben Lidl wurde Deichmann in den rund 10.000 ausgewerteten Social-Media-Beiträgen Vico zufolge "besonders negativ bewertet". Deichmann ist dieses Jahr offizieller Partner von #GNTM, vermisst aber ebenso wie Lidl die Strahlkraft im Netz. 

Wie es für die GNTM-Finalistinnen läuft

Doch zunächst zu den Kandidatinnen: Glaubt man dem Social Web und der Vico-Analyse, dann hat Toni beste Karten auf den Titel "Germany’s Next Topmodel 2018". Sie sei die beliebteste Finalistin im Netz, Christina sammle hingegen kaum Sympathien. Die Favoritenrolle schreiben Toni übrigens auch die Zuschauer zu – wie eine nicht repräsentative Umfrage (1498 Teilnehmer) von ProSieben ergeben hat. Demnach wählten 51 Prozent die Finalistin zur Show-Gewinnerin des Jahrgangs 2018.

In Umfrage wie Social Web glänzt Pia auf Platz zwei, die als eine von zwei "Curvy-Models" an #GNTM teilnimmt. Dass Finalistin Christina so schlecht abschneidet - sie ist laut Vico "im Netz nicht nur die meistdiskutierte, sondern scheinbar auch die unbeliebteste der vier verbliebenen Topmodel-Kandidatinnen" – schadet ihrem Werbepotenzial offenbar nicht: Sie wurde bereits von Gillette Venus & Braun engagiert und wird im Jahr 10 der Partnerschaft zwischen Format und Unternehmen die neue Markenbotschafterin der Haarentfernungsexperten.

Christina ist für Gillette im Geschäft.

Christina ist für Gillette im Geschäft.

Zurück zu den Marken, die - wie jedes Jahr – wieder sehr präsent sind in der Klum-Show: in Verbindung mit Modeljobs, Produktplatzierungen oder Werbeeinblendungen in der Sendung. "Deshalb wird Germany’s next Topmodel im Netz auch immer wieder als Dauerwerbesendung beschrieben“, analysiert Vico wertende Beiträge zu den fünf meistdiskutierten Marken: Lidl, Opel, Braun, Maybelline und Deichmann.

Alle analysierten Marken seien zu überwiegenden Teilen negativ besprochen worden, der langjährige Partner Opel schneide in diesem Ranking mit einem Anteil von 34 Prozent positiver Beiträge noch am besten ab. So das Ergebnis von Vico.

Während Maybelline demnach immerhin noch in 20 Prozent der analysierten Beiträge positiv bewertet wird, ließen sich zu Braun der Vico-Analyse zufolge nur 9 Prozent positive Beiträge finden. "Lidl und Deichmann wurden sogar in keinem der stichprobenartig analysierten Beiträge positiv besprochen. Für die Nutzer im Netz versprühen Lidl und Deichmann zu wenig Glamour. Da scheint es auch nicht zu helfen, dass Heidi Klum gerade erst eine eigene Lidl-Kollektion entworfen hat", lautet das Urteil der Forscher.

Vico-Chef Marc Trömel betont: "Reichweite ist nun mal eine Sache, die richtige Reichweite und vor allem die richtige – positive – Resonanz eine ganz andere."

Die Beliebtheit der meistdiskutierten GNTM-Werbemarken im Netz.

Die Beliebtheit der meistdiskutierten GNTM-Werbemarken im Netz.

Zu beliebtes Werbeumfeld?

Hat das Image von "Germany’s Next Topmodel" als Werbeumfeld über die Jahre gelitten? Fakt ist: Heidi Klum hat für die Inszenierung ihrer Lidl-Kollektion an den Topmodel-Kandidatinnen während der aktuellen Staffel sehr viel Kritik einstecken müssen. Und Auswertungen von Ebiquity aus den Vorjahren belegen, dass das Werbeumfeld GNTM über die Jahre immer stärker und von immer mehr Kunden gebucht wurde. Mit mehr als 65 Millionen Euro Bruttoumsatz für die Staffel im Vorjahr steht die ProSieben-Show an der Spitze der umsatzstärksten deutschen TV-Shows.

Am Format selbst haben sich über die Jahre viele gerieben – Jugendschützer, Frauenrechtler, Verbände. Dieses Mal war der Protest gegen das Frauenbild, das "Germany’s Next Topmodel" vermittelt, besonders laut. Aber immer haben ProSieben und Heidi Klum das Schiff GNTM durch die Wogen in Gesellschaft und Medienpolitik geschaukelt.

Aktuell kommt erneut die Freigabe der Medienwächter: "Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat mehrere Folgen der 13. Staffel von Germany‘s Next Topmodel (GNTM) geprüft und dabei keine Verstöße gegen die Bestimmungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags festgestellt."

Das Format GNTM steht bei der Medienaufsicht seit Beginn seiner Ausstrahlung im Fokus der Medienaufsicht, unter anderem aufgrund von Programmbeschwerden, die sich auf das vermittelte Schönheitsideal und die vermeintlich missachteten Persönlichkeitsrechte der Teilnehmerinnen beziehen.

Ungerührt von all dem geht am Donnerstagabend die 13. Staffel bei ProSieben zur Primetime in Extralänge live zu Ende. Das Klum-Team trumpft im Düsseldorfer ISS Dom richtig auf: Als Special Guest wird Starfotograf Rankin Heidis "Meeedchen" live auf der #GNTM-Bühne aufnehmen. Es werden Dragqueens eingeflogen – ebenso wie die Starmusiker Shawn Mendes, Rita Ora, Wincent Weiss und Cro, die in der Final-Show ihre neuesten Songs präsentieren dürfen.

Für das Musikvideo zu "An Wunder" von Wincent Weiss standen die Topmodel-Anwärterinnen Pia und Toni ohnehin vor der Kamera. Auch mit der Musikbranche ist GNTM inzwischen verwoben.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.